Fasnacht

Sex-Koffer erobert die Fasnacht wie Sexkunde den Unterricht

Plüsch-Penis und -Vagina: Bestandteil der Materialien im Basler «Sex-Koffer». Georgios Kefalas/Keystone

Plüsch-Penis und -Vagina: Bestandteil der Materialien im Basler «Sex-Koffer». Georgios Kefalas/Keystone

Das Motto «Sex sells» dominiert nicht nur die Medienwelt, sondern auch die Basler Fasnacht: Eine Anspielung auf den viel diskutierten Sexualunterricht. Dieser dominiert die diesjährigen Schnitzelbänke.

Der so genannte Sex-Koffer ist bei den Basler Fasnächtlern beliebt. Am Cortège haben sich neben den Cliquen «Alti Stainlemer» und «Luscht-Melch» noch drei weitere für dieses Sujet entschieden. «Das Thema ist brisant und war in den Medien sehr präsent», erklärt Carlos Methner vom Fasnachts-Comité.

Gezeigt habe sich das auch bereits in den Schnitzelbänken an den Vorfasnachtsveranstaltungen. «Heutzutage ist das so oder so ein Thema. Zudem weiss jeder, worum es dabei geht.»

Das Theater um die Sexualkunde habe allerdings nicht wirklich den Unterricht betroffen, gibt der Basler Volksschulleiter Pierre Felder zu bedenken. «Wir haben keine Änderungen vorgenommen, sondern Kontinuität geschaffen.» Die Benutzung der Materialien sei für die Lehrpersonen schliesslich freiwillig. «Wir haben einzig den bestehenden Auftrag im vergangenen Dezember verdeutlicht und darauf geschaut, dass er über die ganze Schullaufbahn altersadäquat und kohärent bleibt.»

«Sex sells»

Die Aufregung habe generell in der Erwachsenenwelt und nicht in den Schulen stattgefunden. «Das belastet jedoch tendenziell auch das Vertrauensverhältnis zwischen der Schule und den Eltern.»

Der Sex-Koffer sei spannend für die Fasnacht, weil es kein alltägliches Thema sei, sagt Bettina Carpanetti, Präsidentin der Basler Schnitzelbangg-Gesellschaft BSG. Aber: «In den Schnitzelbänken, die ich bisher gehört habe, wird nicht kritisiert, sondern das Thema wird vielmehr überspitzt dargestellt.»

Auch im «Zofingerconcärtli» kam der Sex-Koffer in zwei Szenen vor. «Das ist sicher ein Thema, das man sehr gut verkaufen kann», bestätigt Philip Schottland, Vizepraeses der Zofingia Basel. Und nicht zu vergessen sei das weitherum bekannte Schlagwort «Sex sells». Das funktioniere halt immer. «In der Gesellschaft gibt man sich gerne prüder, als man effektiv ist.»

Unterschiedliche Perspektiven

Auch Felder hat kein Problem damit, dass sich die Fasnacht mit dem Sex-Koffer auseinandersetzt: «Ich bin für einen offenen Zugang zu dieser Thematik.» Er würde sich aber freuen, wenn auch die Erwachsenen etwas über sich selber lachen könnten.

Einerseits würden zweideutige Witze über den Sexualkundeunterricht gemacht, andererseits werde eine strenge Kontrolle desselben in der Schule postuliert. «Genau da, wo es den Schülern ernst ist, kam sofort Kontrolle und Misstrauen gegenüber der Schule auf. Ich hoffe, dass an der Fasnacht auch diese Perspektive etwas aufs Korn genommen wird.»

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