Nicht schuldfähig
Basler Strafgericht schickt 25-jährigen Stalker in die Psychiatrie

Die Gutachterin sprach am Mittwoch im Strafgericht von einer vermutlich drogeninduzierten paranoiden Schizophrenie. Deshalb wurde der Mann für nicht schuldfähig eingestuft.

Patrick Rudin
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Stalker können gefährlich werden, da sie oft unter einer verzerrten Wahrnehmung leiden und die Ablehnung seitens ihrer Opfer falsch interpretieren oder gar nicht wahrnehmen.

Stalker können gefährlich werden, da sie oft unter einer verzerrten Wahrnehmung leiden und die Ablehnung seitens ihrer Opfer falsch interpretieren oder gar nicht wahrnehmen.

Symbolbild: Nana Do Carmo

«Ich finde euch morgen», textete der heute 25-Jährige im November 2020 an eine Bekannte. Diese hatte vier Tage zuvor gegen den Mann vor Gericht ausgesagt, es ging um Stalking. Doch auch die Frau, die er bereits früher gestalkt hatte, erhielt mehrere Nachrichten von ihm, darunter auch «kämpfen und siegen». Das Basler Strafgericht hatte ihm damals eine bedingte Freiheitsstrafe und ein Kontakt- und Rayonverbot aufgebrummt. Doch die Warnung verpuffte wirkungslos.

Zwei Tage nach den Textnachrichten lungerte er bereits vor dem Gartentor der Frau herum, es folgten weitere unerwünschte Nachrichten, im Dezember 2020 klopfte er an die Wohnungstüre, liess sich dann aber vom Partner der Frau abwimmeln.

Im Januar schlich er erneut mehrmals um das Haus herum, einmal zeichnete er ein Herz in den Schnee. Als er einen Tag später wieder auftauchte und auch noch den Griff der Wohnungstüre betätigte, landete er für einen Tag im Polizeigewahrsam. Kaum war er wieder draussen, tauchte er erneut in Riehen auf. Noch vor der Polizei traf der Partner der Frau ein, es kam zu einer Schlägerei. Seither sitzt der Mann wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft.

Er war schon mehrmals in der Psychiatrie

Er stammt aus Bielefeld und hat sowohl sein Studium wie auch später eine Lehre zum Versicherungskaufmann abgebrochen. Die Gutachterin sprach am Mittwoch im Strafgericht von einer vermutlich drogeninduzierten paranoiden Schizophrenie, der Mann sei nicht schuldfähig. Er war bereits mehrmals kurz stationär in der Psychiatrie, setzte aber seine Medikamente jeweils nach der Entlassung wieder ab.

Staatsanwältin Carola Schneider betonte, der Mann habe eine Kontaktaufnahme oder gar eine Beziehung mit der Frau im Auge gehabt, daher seien die Taten als versuchte Nötigung einzustufen. Der unsichere Aufenthaltsstatus des Mannes dürfe nicht dazu führen, auf eine stationäre Massnahme zu verzichten. Dies sei aber mit einem Landesverweis von acht Jahren zu verbinden, der Mann sei hier nicht integriert.

Schuldunfähigkeit kam wenig überraschend

Verteidigerin Sonja Ryf überraschte das Gericht: Ihr Mandant habe ihr mitgeteilt, sie solle kein Plädoyer halten. Gerichtspräsident Lucius Hagemann fragte den Mann explizit, ob er dies wirklich wolle, dieser nickte. Es war während der gesamten Verhandlung der einzige Moment, an dem von ihm eine sichtbare Reaktion erfolgte.

Am Abend stellte das Strafgericht wenig überraschend die Schuldunfähigkeit des Mannes fest und verhängte eine stationäre Massnahme von unbeschränkter Dauer, spätestens nach fünf Jahren bräuchte es einen erneuten Gerichtsentscheid für eine Verlängerung.

Dazu kommt ein Landesverweis von fünf Jahren, auch erneuerte das Gericht das bereits bestehende Kontaktverbot zum Opfer auf fünf Jahre. Der gestalkten Frau muss er ausserdem eine Genugtuung von 1500 Franken bezahlen. Das Urteil kann er noch weiterziehen.

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