Podiumsdiskussion
Doppelspurausbau der S-Bahn: Lörracher erteilen der Gemeinde Riehen eine Absage

Die deutsche Seite wird an einer möglichen Untertunnelung der Wiesentalbahn durch Riehen nichts bezahlen, stellt der Erste Landesbeamte von Lörrach klar.

Tobias Gfeller
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Die S-Bahnlinie 6, die durch Riehen verkehrt, soll ausgebaut werden. Im Fokus steht weiterhin die Untertunnelung als Alternative.

Die S-Bahnlinie 6, die durch Riehen verkehrt, soll ausgebaut werden. Im Fokus steht weiterhin die Untertunnelung als Alternative.

Kenneth Nars

Davon hatten sich die Riehenerinnen und Riehener wohl mehr erhofft. An einer von der EVP und der FDP Riehen organisierten Podiumsdiskussion am Montagabend im Gemeindehaus äusserte sich erstmals ein Vertreter der Wiesentalkonferenz. Diese wird von deutschen Gemeinden dominiert. Thema war der Streit um den Doppelspurausbau durch Riehen, der den Viertelstundentakt auf der S-Bahnlinie 6 ermöglichen soll.

Wenn Riehen die Untertunnelung des Dorfkerns will, soll die Schweizer Seite dies bezahlen, stellt Ulrich Hoehler, Erster Landesbeamter von Lörrach und Leiter des Dezernats für Mobilität, Umwelt und Strukturpolitik, klar. Auch wenn die Gemeinde Riehen und der Kanton Basel-Stadt wollten, dass die Variante Untertunnelung als Alternative zum oberirdischen Doppelspurausbau in die kommenden Planungsschritte mit einfliesst, müssten sie die daraus resultierenden Mehrkosten bezahlen. Und diese seien nicht gerade tief, mahnt Hoehler.

Bezahlen würde der Bund nicht

Auch Patrick Leypoldt, Geschäftsführer des Vereins Agglo Basel, der grenzüberschreitende Planungen im trinationalen Raum Schweiz-Deutschland-Frankreich im Auftrag von neun Gebietskörperschaften organisiert, machte dem Publikum aus vielen Anwohnerinnen und Anwohnern des Bahntrassees wenig Hoffnung. Der Bund würde sich nicht gegen eine bauliche Alternativlösung stellen, aber bezahlen werde er den Wunsch von Riehen nicht. Leypoldt:

«Wenn es irgendein Finanzkonsortium gibt, das die Untertunnelung bezahlt, wäre dies kein Problem.»

Agglo Basel sei es wichtig, dass die Taktverdichtung komme. «Wie die Infrastruktur dafür gebaut wird, ist ein anderes Thema.» Dies bestätigte auch Emanuel Barth, Leiter Trireno, der Planungsstelle für die trinationale S-Bahn der Zukunft.

Variante «Weil am Rhein» sei unrealistisch

Ulrich Hoehler und Patrick Leypoldt erteilten auch eine Absage an die Variante «Weil am Rhein». Riehener Politikerinnen und Politiker hatten die Idee aufgeworfen, die Wiesentalbahn statt durch Riehen via Weil am Rhein zu führen. Dies sei nicht praktikabel, so Hoehler und Leypoldt.

Hoehler kritisierte den Riehener Gemeinderat dafür, bereits über einzelne Grundstücke im Riehener Dorfkern, die von einem Doppelspurausbau betroffen wären, zu diskutieren, obwohl noch kein einziger Planungsschritt erfolgt sei. Das schüre unnötig Emotionen. Für die Aussage, dass nicht das neue Zentralklinikum in Lörrach Grund für die Verschiebung des Doppelspurausbaus in Richtung Riehen Zentrum sei, sondern grundsätzlich die Taktverdichtung und längere Haltezeiten, erntete der Erste Landesbeamte von Lörrach von der Riehener Gemeinderätin Christine Kaufmann (EVP) aus dem Publikum Widerspruch.

Auch nach 90 Minuten Diskussion bleibt die Gewissheit bestehen: Am Ende geht es nur ums Geld. Eine versöhnliche Aussage hatte Ulrich Hoehler für die Riehener Seele trotzdem bereit:

«Ich finde den Riehener Ortskern auch schön. Er soll möglichst wenig beeinträchtigt werden.»

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