Neuer Universitätsvertrag
Krise scheint überwunden: Beide Basel streben bei der gemeinsamen Uni eine «ausgewogene» Partnerschaft an

Nach jahrelanger Kontroverse legen die Regierungen beider Basel einen neuen Kostenteiler vor. Davon profitiert der Kanton Baselland, der künftig etwas weniger ans Uni-Defizit bezahlen muss. Bis im Herbst soll zudem der Entscheid für den neuen Uni-Standort auf Baselbieter Boden im Dreispitz fallen.

Hans-Martin Jermann
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Demonstrieren Eintracht: Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki, der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer, seine Baselbieter Amtskollegin Monica Gschwind und Uniratspräsident Beat Oberlin (v.l.) im bald fertiggestellten Neubau des Departements für Sport beim Joggeli.

Demonstrieren Eintracht: Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki, der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer, seine Baselbieter Amtskollegin Monica Gschwind und Uniratspräsident Beat Oberlin (v.l.) im bald fertiggestellten Neubau des Departements für Sport beim Joggeli.

Juri Junkov (26. Mai 2021)

An symbolträchtigem Ort stellten die Bildungsdirektoren Conradin Cramer (LDP, BS) und Monica Gschwind (FDP, BL) am Mittwoch das Budget der kommenden vier Jahre für die gemeinsame Universität und die neuen Regeln im Universitätsvertrag vor: Und zwar im demnächst fertiggestellten Neubau des Departements für Sport, Bewegung und Gesundheit gleich neben der St.Jakobshalle an der Kantonsgrenze. Es handelt sich um das erste grosse Bauprojekt der Uni überhaupt auf Baselbieter Boden.

Sie sei überzeugt, dass nun eine ausgezeichnete Grundlage vorliege für eine starke Trägerschaft der Universität und für eine ausgewogene Partnerschaft der beiden Kantone, sagte Gschwind vor den Medien. Die Krise sei überwunden, betonte auch Conradin Cramer mit Blick zurück auf die jahrelange Kontroverse um die Finanzierung der Uni und von Zentrumslasten in der Kultur. Und er fügte an:

«Wir wollen das nicht noch einmal erleben.»
Conradin Cramer, Vorsteher des Erziehungsdepartements Basel-Stadt

Conradin Cramer, Vorsteher des Erziehungsdepartements Basel-Stadt

Juri Junkov

Kernelement des revidierten Universitätsvertrags ist der Wechsel vom statischen hin zu einem dynamischen Kostenteiler des jährlichen Uni-Restdefizits. Dieses wird neu von den beiden Kantonen nach Abzug des Standortvorteils von Basel-Stadt in der Höhe von 10 Prozent sowie unter Berücksichtigung der jeweiligen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit getragen. Berechnet wird letztere aus Zahlen des Nationalen Finanzausgleichs (NFA). Mit dem neuen Schlüssel fährt Baselland aktuell etwas besser. Die Abgeltung ans Restdefizit fällt im Jahr 2022 um 200'000 Franken tiefer aus. Das kann sich aber ändern (siehe auch Interview mit der Regierungsrätin Monica Gschwind).

Standortvorteil kostet Basel rund 19 Millionen Franken pro Jahr

Der Basler Standortvorteil entlastet Baselland in der kommenden Leistungsperiode um 18,5 bis 19,3 Millionen Franken pro Jahr. Der Kostenteiler dürfte in den Kantonsparlamenten bei Beratung des Univertrags noch zu reden geben. Cramer räumte ein, dass der Standortvorteil letztlich eine politisch festgelegte Grösse sei, die sich nicht einfach berechnen lasse.

Der Landkanton bezahlt 2022 total 164,4 Millionen Franken an die Uni, Basel-Stadt 169,3 Millionen. In den drei Folgejahren steigen die Beträge für beide Kantone leicht an; an den Relationen ändert sich jedoch nichts. Dass trotz der erwähnten Entlastungen der Betrag für Baselland letztlich fast gleich hoch ausfällt, liegt daran, dass er wesentlich höhere Nettovollkosten für die im eigenen Kanton wohnhaften Studierenden (81,1 Mio.) zu tragen hat als Basel-Stadt (67,2 Mio.).

Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki

Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki

Juri Junkov

Die Uni erhält von den beiden Trägerkantonen von 2022 bis 2025 insgesamt 1,355 Milliarden Franken. Das sind rund 49 Millionen (3,8%) mehr als in der ablaufenden Leistungsperiode 2018 bis 2021. Davon fliessen 969 Millionen in die Lehre und Forschung – etwas mehr als bisher – und 386 Millionen in Immobilien. Hier hat der Beitrag leicht abgenommen. Uni-Rektorin Andrea Schenker-Wicki bedankte sich bei den beiden Trägerkantonen: Es sei alles andere als selbstverständlich, dass diese trotz Corona ihre Beiträge in den kommenden Jahren erhöhen.

Standort im Baselbiet: Investor soll Neubauten der Uni vermieten

Ausdruck der Entspannung in der Partnerschaft ist auch die Tatsache, dass es vorwärtsgeht mit dem neuen Uni-Standort im Baselbiet. Auf dem Dreispitz-Areal soll, möglichst in Nachbarschaft zur bestehenden Hochschule für Gestaltung und Kunst und der geplanten Hochschule für Wirtschaft der FHNW, die Juristische und die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Uni angesiedelt werden.

Uniratspräsident Beat Oberlin

Uniratspräsident Beat Oberlin

Juri Junkov

«Die beiden Fakultäten wären damit toll eingebettet in einen Bildungs- und Kulturcluster», sagt Uniratspräsident Beat Oberlin auf Anfrage. Allerdings ist der exakte Standort noch nicht festgelegt. Man befinde sich in Verhandlungen mit der Christoph-Merian-Stiftung als Grundeigentümerin und der Gemeinde Münchenstein.

«Der Standortentscheid soll bis Herbst fallen», sagt Oberlin. Anschliessend wolle man die Feinplanung starten. Bereits klar ist: Weder die beiden Kantone noch die Uni sollen die nötigen Bauten finanzieren. Man strebe das Investorenmodell an, betont Oberlin. Demnach würde ein privater Investor die Räume und Liegenschaften der Uni vermieten. Nötig ist laut Oberlin zudem ein Verkehrskonzept, dies insbesondere für den Zweiradverkehr. Die Verkehrsströme im Dreispitz werden mit den beiden Fakultäten und ihren rund 2500 Studierenden markant zunehmen.

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