Grippe
Neue Lieferungen kommen, doch ist der Impf-Hype in den beiden Basel schon vorbei?

Noch führen manche Apotheken in der Region Wartelisten. Doch bald dürfte der Impfstoff gegen die saisonale Grippe wieder breiter erhältlich sein. Beide Basel konnten sich zusätzliche Lieferungen sichern. Paradox: An manchen Orten brach die Nachfrage unterdessen so ein, dass wieder Impf-Werbung gefordert wird.

Michael Nittnaus, Leif Simonsen
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In diesem Jahr lassen sich viel mehr Menschen gegen Grippe impfen. (Symbolbild)

In diesem Jahr lassen sich viel mehr Menschen gegen Grippe impfen. (Symbolbild)

Keystone (1.12.2020

Laut schrillten die Alarmglocken Ende Oktober. Landesweit und auch in der Region machte sich die Erkenntnis breit, dass das Coronajahr 2020 auch zu einem regelrechten Ansturm auf Grippeimpfungen führt. Nicht zuletzt befeuert durch den Bund, der die saisonale Grippeimpfung explizit empfahl, um die Symptomüberschneidungen mit dem Coronavirus im Winter zu reduzieren. Die Folge: Der Impfstoff in Apotheken und bei Hausärzten in beiden Basel wurde knapp. Die Schilder, die zum Impfen aufriefen, verschwanden von den Strassen.

Einen guten Monat später teilt das Basler Gesundheitsdepartement nun auf Anfrage mit: «Nach anfänglichen Engpässen gehen wir nicht mehr davon aus, dass der Grippe-Impfstoff in Basel-Stadt in den nächsten Wochen knapp sein wird.» Man habe für Apotheken und Arztpraxen zusätzlichen Impfstoff organisieren können und ihn vergangene Woche angeboten.

Bund kann weitere 170'000 Grippe-Impfdosen liefern

Auch die Baselbieter Regierung hält in einer aktuellen Antwort auf einen Vorstoss von SP-Landrätin Pascale Meschberger fest: «Da die Grippesaison erst Ende Dezember bis Anfang Januar beginnt, werden noch viele Impfwillige rechtzeitig geimpft werden können.» Auch hier heisst das Zauberwort Nachlieferungen.

Ohne diese sähe es anders aus, wie die Regierung schreibt: «Der aktuell noch vorhandene Bestand an Grippe-Impfstoff ist sehr klein und reicht nicht aus, um alle Impfwilligen zu versorgen.» Baselland konnte sich aber nun 2890 zusätzliche Impfdosen beim Bund bevorzugt bestellen. Dies sei das nach Bevölkerungszahl maximal mögliche Kontingent. Geliefert werden soll es in der ersten Dezemberhälfte. Auch die Leistungserbringer wie Ärzte und Apotheker hätten weitere Dosen zugesichert bekommen.

Der Impf-Hype hat jetzt nachgelassen.

(Quelle: Lydia Isler-Christ, Präsidentin des baselstädtischen Apotheker-Verbands)

Die Baselbieter Regierung gewährt in ihrer Antwort auch Einblick in die Bemühungen des Bundesamts für Gesundheit: 1,25 Millionen Impfdosen seien bis Mitte November ausgeliefert worden. Dass 500'000 im Dezember dazukommen, war bekannt. Neu ist, dass Verhandlungen für weitere 170'000 Impfdosen «in fortgeschrittenem Stadium» seien.

Basler Apotheken sind noch skeptisch

Etwas zurückhaltender zeigen sich die Apotheken. «Ich habe weiterhin Wartelisten. Ob es am Schluss für alle reicht, weiss ich nicht», sagt Lydia Isler-Christ, Präsidentin des baselstädtischen Apotheker-Verbands. Sie stellt allerdings fest: «Der Impf-Hype hat jetzt nachgelassen.»

Ich habe wieder genügend Impfstoff, doch nun fehlt plötzlich die Nachfrage.

(Quelle: Urs Gmünder, Apotheker-Verband Baselland)

Diese Beobachtung teilt auch Urs Gmünder, Vizepräsident des Baselbieter Apotheker-Verbands: «In meiner Apotheke in Bubendorf habe ich dank einer Nachlieferung von vergangener Woche wieder genügend Impfstoff, doch nun fehlt plötzlich die Nachfrage.»

Gmünder erklärt sich dies mit den Warnungen vor der Impfstoff-Knappheit. Auch sei die sonst übliche Werbung am nationalen Grippe-Impftag vom 6. November massiv zurückgefahren worden. Der Apotheker macht daher einen überraschenden Vorschlag: «Vielleicht sollte der Bund nochmals eine neue Werbeoffensive starten.» Gmünder glaubt zwar, dass die Nachfrage auch so wieder anziehen wird. Alarmglocken wie vor einem Monat sollen dann aber nicht mehr schrillen müssen: «Jetzt sind wir gerüstet.»