Mein Leben im Dreiland
Der Krieg im Museum

Im Sundgaustädtchen Dannemarie, 40 Kilometer westlich von Basel, wurde vor Kurzem ein eindrückliches neues Museum eröffnet, das sich neben der Geschichte des Elsass vor allem dem Ersten Weltkrieg widmet.

Peter Schenk
Peter Schenk
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Einblick in die Ausstellung.

Einblick in die Ausstellung.

Peter Schenk

Eingerichtet wurde das «Mémorial de Haute-Alsace», so der Name, in einer ehemaligen Textilfabrik, in der zuletzt Peugeot Motorroller herstellte. Kernstück ist ein Schützengraben, in dem sich Franzosen und Deutsche gegenüberliegen. Zu sehen sind Puppen in Uniformen, Krankenstuben, Fernschreiber und Operationsräume und unzählige Waffen wie Kanonen, Maschinenpistolen, Gewehre und Granaten.

Die allermeisten der rund 10'000 Ausstellungsstücke stammen aus der Sammlung des Elsässers Jacky Sontag, dessen Grossvater schon damit begonnen hatte, Erinnerungsstücke aus dem Krieg zu sammeln. Bisweilen ist man durch die Menge der ausgestellten Waffen etwas überfordert. Befremdlich ist, dass im Shop goldene Thermoskannen in Form von Granaten im Angebot sind, die sich laut Sontag aber gut verkaufen.

Der Anfang der Ausstellung führt didaktisch gelungen auch auf Deutsch und Englisch in die Geschichte des Elsass ein. Eindrücklich sind Filme und Fotos, die gegenübergestellt die Mobilisierung der Deutschen und Franzosen zeigen. Der erste Tote des Weltkriegs war der Deutsche Albert Mayer, der noch vor der Kriegserklärung auf einer Patrouille erschossen wurde, auf französischer Seite fiel Jules André Peugeot. Viel Raum erhält der Sundgauer Landwirt Dominik Richert, der nach Kriegsende seine Erinnerungen aufschrieb. Da das Elsass von 1871 bis 1918 zu Deutschland gehörte, musste er auf deutscher Seite kämpfen, sein Cousin Xavier wurde von den Franzosen eingezogen.

Thematisiert wird auch der Kilometer Null bei Bonfol, wo die Schweizer, deutsche und französische Front ganz nah beieinander lagen. Weiter interessant: Um zu verhindern, dass deutsche Soldaten in die Schweiz flüchteten, liess die deutsche Armee zwischen Pfefferhouse und Saint-Louis einen Elektrozaun bauen. Als das Elsass 1918 wieder französisch wurde, war das für viele Elsässer ein sprachliches Problem, da 90 Prozent kein Französisch verstanden.

www.memorial-haute-alsace.fr

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