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Lovebugs-Frontmann Adrian Sieber über sein Leben als Ex-Promi

Lovebugs-Sänger Adrian Sieber macht derzeit solo Musik – seine Band pausiert.

Lovebugs-Sänger Adrian Sieber macht derzeit solo Musik – seine Band pausiert.

«Blöderweise wurde ich Sänger» – Lovebugs-Frontmann Adrian Sieber plaudert aus dem Nähkästchen: über sein Leben als Primarlehrer, Solokünstler und Ex-Promi.

Herr Sieber, Sie haben den Begriff «Wirklichkeit» aus dem Nähkästchen gezogen. Wie sieht Ihre Wirklichkeit als Popstar aus? Es ist ja anzunehmen, dass Sie den Wecker nicht stellen und in den Tag hineinleben.

Adrian Sieber: Ein grosser Teil meines Lebens ist strukturiert. Ich habe seit kurzem die Ausbildung zum Primarlehrer gemacht und arbeite sechzig Prozent.

Haben Sie dies aus der finanziellen Not heraus gemacht? Lange galten Sie ja als einziger Basler Popmusiker, der von der Musik leben konnte.

Das Lehrersein schwebt mir schon seit längerem vor. Vor zwanzig Jahren habe ich die Aufnahmeprüfung für das Semi gemacht. Ich war lange vollberuflich Profimusiker und habe gemerkt, dass mich vieles zu langweilen begann. Die Unterhaltungsbranche ist ein selbstverliebtes Pflaster. Dadurch, dass ich jetzt nicht mehr nur von der Musik lebe, kann ich auch mal getrost Nein sagen zu etwas, wenns mir nicht passt.

Sie haben ein neues Soloalbum. Spürt man den Unterschied im Sinn von: Früher haben Sie Musik gemacht, die verkauft werden musste und jetzt können Sie sich selbst verwirklichen?

Nein. Ich habe die Musik schon immer in erster Linie für mich gemacht. Dass andere diese Musik mochten, habe ich immer als Geschenk angesehen.

Wäre die Wirklichkeit eine andere, wenn die Lovebugs aus London wären? Wären sie statt einer mittelgrossen Band möglicherweise eine Stadionband geworden?

Ich sage immer, wenn das gewesen wäre, dann wäre ich jetzt entweder steinreich oder wir hätten uns längst aufgelöst. Natürlich: Wenn wir professionell beraten worden wären, dann wären wir möglicherweise nicht in so viele Fettnäpfchen getreten.

War der Eurovision-Songcontest so ein Fettnäpfchen?

Ach, das ist ein anderes Thema (lacht).

Was halten Ihre Primarschüler davon, dass sie den Lovebugs-Sänger als Lehrer haben?

Als ich angefangen habe, hat mich mal einer der Schüler auf die Seite genommen und gesagt, er brauche ein paar Tipps. Er wolle auch ein Star werden. Das war schon lustig. Es sind aber eher die Eltern, die mich kennen. Schon klar: Meine Schüler sind 6.-Klässler, mittlerweile auf Youtube unterwegs und interessieren sich dafür, was sich sonst noch mache. Ob sie meine Musik aber gut finden, weiss ich wirklich nicht.

Werden Sie noch häufig erkannt?

In Basel werde ich oft erkannt, aber ich kenne hier ja auch viele. Als prominent würde ich mich nicht mehr bezeichnen, aber das ist auch gut so. Ich fand es immer wichtiger, dass die Musik im Zentrum steht. Es geht um das Lied. Und wenn dich das Lied berührt, kann ich als Sänger nur eine Enttäuschung sein. Denn mit dem Lied habe ich schon alles gesagt.

Das ist für einen Frontmann untypisch zurückhaltend.

Mein Kindheitstraum war ja auch, Schlagzeuger zu werden. Blöderweise wurde ich Sänger. Das war am Anfang schlimm, denn ich war so nervös vor den Auftritten. Ich bin froh, dass ich diesen schwierigen Schritt vors Mikrofon gewagt habe. Heute ist es das, was ich vermisse, seit die Lovebugs auf Eis liegen: das Tourleben und die Liveauftritte. Ich liebe es. Man muss sich um nichts kümmern, es ist ein wahres Luxusleben.

Sie führen mittlerweile ein ziemlich strukturiertes Leben, wie Sie sagen. Funktioniert das Songwriting bei Ihnen auch nach einem Schema, das Sie befolgen?

Nein, das lässt sich nicht strukturieren, das musste ich bereits vor 25 Jahren feststellen, als ich mit der Musik anfing. Mir ist immer noch ein Rätsel, woher die Musse und die Ideen kommen. Plötzlich kommt eine Idee, und dann muss ich auf der Strasse ins iPhone hineinsingen oder den Block zücken.

Was ist der Unterschied, vor Schülern zu stehen wie vor Musikfans?

Zwei entscheidende Dinge: Die Schüler sind nicht freiwillig hier im Gegensatz zum Konzertpublikum, das sogar dafür bezahlt hat. Und bei einem Konzert bin ich meist lauter als die Zuschauer. Im Klassenzimmer ist es oft umgekehrt (lacht). Nein, im Ernst: Das Unterrichten ist ja nicht eine Performance, sondern eine Zusammenarbeit. Die Verantwortung im Klassenzimmer ist viel grösser. Man muss auf sehr vielen Ebenen funktionieren als Lehrer. Man muss empathisch sein, aber auch Grenzen setzen können.

Und die Lovebugs? Wann wird das «Eis» aufgetaut, auf dem sie liegen?

Nach dem 25-Jahr-Jubiläum wurde klar, dass sich die Prioritäten einiger Bandmitglieder verschoben haben. Das ist ja auch klar und völlig legitim. Aber wir haben uns dazu entschlossen, die Bandmitglieder nicht einfach zu ersetzen, sondern das Projekt, eben «auf Eis» zu legen. Gut möglich also, dass es dann mal wieder weiter geht mit den Lovebugs – aber dann in der ursprünglichen Besetzung.

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