Kommentar
Opportune Zeitenwende

Basel-Stadt findet zu einer kritischen Haltung gegenüber China. Darauf sollte sich der Kanton aber nichts einbilden.

Christian Mensch
Christian Mensch
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Die Städtepartnerschaft mit Schanghai wird zwar nicht unter Protest aufgekündet, soll aber nur unter Vorbehalt verlängert werden. So weit, so gut, aber auch so billig.

Man stelle sich vor, wie der neue Regierungspräsident Beat Jans ins Flugzeug klettert, nach Schanghai und anschliessend gleich weiter nach Peking jettet, um dem Generalsekretär der chinesischen kommunistischen Partei Xi Jinping persönlich zu erklären, was die Humanistenstadt Basel unter Menschenrechten und einer Städtepartnerschaft versteht.

Man erinnere sich dabei allerdings auch seines Amtsvorvorgängers Guy Morin, der aufgrund seiner Grüner Parteizugehörigkeit eher noch fundamentaler verdächtigt werden müsste, den grundlegenden Menschenrechten zugeneigt zu sein. Dieser feierte mit grossem Eifer auf dem Münsterplatz jeweils das chinesische Mondfest und liess sich sein freundliches Grinsen auch nicht aus dem Gesicht wischen, als chinesische (!) Sicherheitsleute eigenhändig eine Demonstration von Tibetern erstickten.

Es war nicht zuletzt im Interesse der hiesigen Pharmakonzerne opportun, dass die Region Bruderschaft mit Schanghai feierte oder ein Konfuzius-Institut zu gründen. Nun ist es opportun auf Distanz zum asiatischen Riesen zu gehen. Das ist nicht falsch. Doch die Beweggründe sind dadurch nicht durchdachter geworden.