Don Bosco

Kirchenschiff wird zum Konzertsaal

Im neuen Kulturzentrum Don Bosco.

Im neuen Kulturzentrum Don Bosco.

Die römisch-katholische Kirche Don Bosco in der Breite wurde für 11 Millionen Franken aus mehrheitlich privaten Quellen zum Kulturzentrum umgebaut.

Die Kirche Don Bosco im Breitequartier steht noch. Auf den ersten Blick zumindest. Ein Kreuz und Glocken zieren den Kirchenturm. Die Steinplatten, die den Weg zum Eingang ebnen, sind gleich geblieben. Ebenso die grossen Holztüren. Nur: Ein moderner Schriftzug schmückt die Fassade und lässt Neues erahnen: «Don Bosco Basel.» Wurde hier das Kirchliche aus dem Programm gestrichen?

Der Anteil der konfessionsfreien Bevölkerung wächst. Immer mehr Gotteshäuser stehen leer und müssen zwangsweise neu gedacht werden. So wurden in der Schweiz bereits über 200 kirchliche Bauten umgenutzt. Aus Kapellen werden Restaurants, aus Kirchen Seminar­hotels, Asylzentren und Alterseinrichtungen.

Allen voran zeigt Basel, wie es geht. Der Stadtkanton ist bei der Umnutzung von Kirchen ­federführend – und auch der am weitesten säkularisierte Kanton der Schweiz. Nur etwa ein Drittel der Bevölkerung gehört noch einer Landeskirche an.

Ein steiniger Weg voller Diskussionen

Die römisch-katholische Kirche Don Bosco an der Waldenburgerstrasse wurde 2016 aus der kirchlichen Nutzung entlassen. Mitte Oktober wird sie nun dem Publikum als neues Konzerthaus und Kulturzentrum übergeben. Der Weg dahin war holprig, wie Betriebsleiter Niklas Brodmann weiss. Zwischen dem gemeinnützigen Verein Kulturzentrum Don Bosco, Architekt Martin Pfister, der römisch-­katholischen Kirche Basel-Stadt und den Vertretern der Denkmalpflege kam es zu heftigen Diskussionen. Für die einen stand die Akustik im Zentrum aller Entscheide, für die anderen der Erhalt des 1935 erbauten, denkmalgeschützten Gotteshauses.

Schlussendlich zeigt sich aber gerade hier, in der Kompromissbereitschaft der Entscheidungsträger, der Erfolg des Projekts: Drei renommierte Basler Ensembles, die bisher von Proberaum zu Proberaum wanderten, finden endlich ein neues Zuhause, das auf sie zugeschnitten ist. Und die ohnehin schlichte und kaum verschnörkelte ­Kirche kommt ohne grosse Eingriffe aus.

Das Kirchenschiff wird zu einem Konzertsaal umfunktioniert und bekommt eine Tribüne mit weissen Bänken. Die Orgel bleibt bestehen, die Säulen aus Sandstein und die Kirchenfenster ebenfalls. Nur markante Flügel, die wie Fensterläden an den Wänden hängen, machen deutlich: Hier gibt die Musik den Ton an.

Bewegliche Akustikelemente und schwimmender Boden

Die Akustik­läden lassen sich beliebig bewegen und voneinander trennen. Geöffnet absorbieren sie den Schall, geschlossen reflektieren sie diesen. So kann jedes Orchester, jeder Chor und jede Musikgruppe, die Akustik des Raumes den Bedürfnissen anpassen. Eine ausgeklügelte Einrichtung, die gleichzeitig verhindert, dass die Nachbarschaft sich über laute Klänge stört oder der Verkehrslärm von der Strasse nach drinnen gelangt.

Auch der Boden hat es in sich. Die neu verlegten Tannenholzplatten wurden nicht geklebt, sondern «schwimmen» auf den ursprünglichen Sandsteinbelegen. So schwingt der Boden mit, wie ein Musikinstrument.

Der in Basel lebende Oboist, Komponist und Dirigent Heinz Holliger nutzte den grossen Saal bereits für Tonaufnahmen mit dem Kammerorchester Basel und war von der Akustik begeistert. Diese technische und grossräumige Infrastruktur, die es für Aufnahmen der klassischen ­Musik braucht, wurde in Basel lange vermisst und nun in der ehemaligen Don Bosco Kirche geschaffen.

11 Millionen Franken und vier feste Mieter

1 Millionen Franken machen es möglich. So viel kostete der gesamte Umbau, der zusätzlich ein Auditorium, ein Studio, eine Küche, Foyer, Lager- und Büroräume beinhaltet. Die Gelder sind fast ausschliesslich privat finanziert, mit einem kleinen Beitrag des Kantons. Erleichtert hat die Suche nach Gönnern ­sicherlich, dass drei der Hauptnutzer bereits 2016, zu Beginn des Projekts, feststanden: das Kammerorchester Basel, die Basel Sinfonietta und die Musikakademie. Später kam die Mädchenkantorei Basel dazu, die seit August drei Mal in der Woche im Musik- und Kulturzentrum Don Bosco probt. Mit diesen Nutzern seien die Räumlichkeiten zur Hälfte ausgelastet, sagt Betriebsleiter Niklas Brodmann – und gibt zu: «Ohne diese Sicherheit wäre eine Umsetzung schwierig gewesen.»

Die Umnutzung der Don Bosco Kirche ist zudem ein gutes Beispiel für die schweizerische Kompromisskultur. Die Kapelle im Untergeschoss wurde beibehalten, restauriert und steht den Anwohnern in Zukunft als Andachtsraum offen. Die Wandgemälde von Priester Don Bosco und Schutzpatron Bruder Klaus sind farblich eingebunden und keine Fremdkörper in einem weltlichen Haus. Auch die Turmglocken sollen in Zukunft wieder läuten. So wurde das Kirchliche nicht aus dem Programm gestrichen, sondern durch Neues bereichert.

Open Day zur Eröffnung
mit Führungen und musikalischen Darbietungen des Kammerorchesters Basel, der Basel Sinfonietta und der Mädchenkantorei Basel (Eintritt frei). Waldenburgerstrasse 34, Samstag, 17. Oktober.
www.donboscobasel.ch

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