«Danke, danke vielmal!», seufzte der 25-Jährige erleichtert und wischte sich die Tränen aus den Augen. Seine stationäre Massnahme ist gescheitert, die fünf Richter lehnten eine Verwahrung ab. Damit wurde der Mann am Donnerstag zu Handen der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) entlassen.

Wie Gerichtspräsidentin Sarah Cruz sagte, beschloss die KESB daraufhin bereits einen Freiheitsentzug, der Mann bleibt somit weiterhin in Haft. Mit dieser Variante ist der 25-Jährige zufrieden: Sie eröffnet ihm bessere Perspektiven als die Verwahrung.

Wegen Drohungen und Sachbeschädigungen wurde der Mann bereits als Jugendlicher verurteilt, später folgte eine weitere Verurteilung mit einer stationären Massnahme. Hauptpunkt waren Angriffe auf zwei Passantinnen, die Schilderungen der Beteiligten gingen weit auseinander, das Urteil lautete auf mehrfache versuchte schwere Körperverletzung.
Seit 2012 wurde der Mann in diversen Anstalten behandelt, wegen Morddrohungen gegen Mitgefangene und Betreuer sowie nächtlicher Randale aber immer wieder verlegt: Er sei dem Umfeld nicht zumutbar, so der allgemeine Tenor.

Nicht behandelbar

Der Gutachter sagte vor Gericht, die hirnorganische Störung des Mannes sei nicht behandelbar, ausserhalb eines «hochstrukturierten und reizarmen Settings» sei der 25-Jährige überfordert. «Je engmaschiger er betreut wird, desto besser. Druck hingegen führt bei ihm zu Gegendruck», beschrieb er das Dilemma.

Dominic Walder als Vertreter des Strafvollzuges beantragte deshalb, den Mann zu verwahren. Der 25-Jährige hielt sich währenddessen die Ohren zu, schliesslich nahm sein Beistand neben ihm Platz und redete beruhigend auf ihn ein. «Ich war damals 20 Jahre alt, ich habe mit der Kriminalität von damals nichts mehr zu tun. Gehen sie mal an einen Fussballmatch, da müsste man ja jeden Zweiten in der Schweiz verwahren», sagte er zum Gericht. «Er hat nach negativen Erfahrungen mit den Therapeuten rot gesehen und befürchtet, nie mehr in Freiheit zu kommen», erklärte Verteidiger Felix López das Verhalten. «Ich bitte Sie um eine allerletzte Chance. Sollte ich noch einmal etwas machen, können sie mich verwahren oder auf den elektrischen Stuhl setzen», sagte der 25-Jährige.

Derzeit Isolation

Das Gericht gewährte die Chance: Eine Verwahrung sei hier nicht verhältnismässig, zumal die Rückfallgefahr für schwere Delikte lediglich als «moderat bis deutlich» eingestuft werde. «Sie waren schon in diversen Anstalten und bislang nie kooperativ. Nutzen sie jetzt diese Chance», sagte Gerichtspräsidentin Sarah Cruz.

Momentan sitzt der Mann aus Sicherheitsgründen in Isolationshaft, noch ist unklar, wo er langfristig fürsorgerisch untergebracht wird. Auch ist die Verwahrung noch nicht definitiv vom Tisch: Der Strafvollzug kann den Entscheid noch weiterziehen. (rud)