Geschäftsbericht
Erwartet wurden 180'000, gekommen sind 13'286: Theater Basel mit massiv weniger Besucherinnen und Besuchern

Die Zahlen aus dem Geschäftsbericht des Theater wurden am Dienstag publiziert. Der Vergleich mit dem Vorjahr hinkt allerdings.

Hannes Nüsseler Jetzt kommentieren
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Richard Wherlock (Ballettdirektor und Choreograph), Benedikt von Peter (Intendant), Inga Schonlau (Schauspiel), Anja Dirks (Schauspiel), Jörg Pohl (Schauspiel) und Antú Romero Nunes (Schauspiel) bei der Spielzeitpräsentation 21/22 im Frühjahr.

Richard Wherlock (Ballettdirektor und Choreograph), Benedikt von Peter (Intendant), Inga Schonlau (Schauspiel), Anja Dirks (Schauspiel), Jörg Pohl (Schauspiel) und Antú Romero Nunes (Schauspiel) bei der Spielzeitpräsentation 21/22 im Frühjahr.

Kenneth Nars

Eine Auslastung von 86.6 Prozent – das hört sich nach Rekord an, ist aber nur traurige Zahlenspielerei im Geschäftsbericht zur Saison 20/21 am Theater Basel. Tatsächlich mache der Vergleich mit den absoluten Vorjahreszahlen keinen Sinn, heisst es weiter, hatte sich die Spielzeit wegen der Sanierung des Gebäudes doch verzögert und setzte nach pandemiebedingten Kapazitätsbeschränkungen zwischenzeitlich ganz aus. Statt den erwarteten 180’000 Besucherinnen und Besuchern kamen lediglich 13’286.

Die Billetteinnahmen lagen bei 600’000 Franken, was im Vergleich zum Vorjahr einen Einbruch von 4.6 Millionen und gegenüber einer regulären Saison von an die 8 Millionen Franken bedeutet. Die Jahresrechnung schliesst mit einem Gewinn von 24’669 Franken.

Grosse Herausforderungen für alle Beteiligten

Die vergangene Spielzeit habe das Publikum, aber auch die Angestellten am Dreispartenhaus immer wieder vor grosse Herausforderungen gestellt, schreibt Verwaltungsratspräsident Michael Willi im Vorwort zum Geschäftsbericht. Um den finanziellen Schaden zu begrenzen, wurden mehrere Produktionen abgesagt, Personalstellen nicht nachbesetzt und Ausgaben soweit wie möglich reduziert. Im Schnitt waren zwischen November 2020 und Juni 2021 ungefähr 72Prozent der Mitarbeitenden des Theater Basel von Kurzarbeit betroffen.

Die Kurzarbeitsentschädigung von 5.2 Millionen Franken kompensierte einen grossen Teil der Einnahmenverluste und trug damit wesentlich zum positiven Jahresergebnis bei. Die Eigenkapitaldecke sei sehr dünn (8.1 Prozent), das Risiko einer existenziellen Gefährdung durch negative Ergebnisse besteh weiterhin.

Es werde dauern, bis das Publikum in vollem Umfang zurückkehre

Da nur ein Teil der vereinbarten Leistungen erbracht werden mussten und das Theater auf die Unterstützung durch den Staat und zahlreiche Gönnerinnen zählen durfte, sei man kurzfristig unbeschadet aus der Krise gekommen, so Willi. «Das ist aber nicht nachhaltig.» Vor allem dank der Kurzarbeitsentschädigung habe man Rücklagen bilden können, die nun dringend benötigt würden. «Per 21. November 2021 fehlen uns bereits 580’000 Franken an Einnahmen.» Voraussichtlich werde es ein bis zwei Spielzeiten dauern, bis das Publikum wieder in vollem Umfang zurückkehren werde.

Trotz Krise habe man viel dafür getan, um das Theater in die Zukunft zu führen, schreibt Willi. «So konnten wir die umfangreichen Sanierungsarbeiten beschleunigen und weitgehend abschliessen.» Die Mühen hätten sich gelohnt: Das Haus sei jetzt nicht nur auf dem neusten Stand der Technik, das denkmalgeschützte Foyer des Theaters erfülle nach der Sanierung nun auch endlich seine Funktion als öffentlicher Stadtraum – wie es die Architekten in den 1970er-Jahren ursprünglich geplant hätten.

Nicht zuletzt habe man die Gelegenheit genutzt und eine neue, teambasierte Führungsstruktur geschaffen: So starteten gemeinsam mit Intendant Benedikt von Peter neue künstlerische Teams in Oper und Schauspiel. Und das Ballett durfte 20 Jahre Richard Wherlock feiern.

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