Fasnacht
Deshalb wurden die Schnitzelbängg sogar im Fernsehen verboten

Aufgrund der Corona-Schutzmassnahmen dürfen Schnitzelbängg dieses Jahr nicht einmal mehr vor der Kamera auftreten. Das Gesundheitsdepartement hat Telebasel und Bajour die Übertragung untersagt. Dagegen regt sich nun Protest.

Jonas Hoskyn
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«Kein überwiegendes öffentliches Interesse» – die Schnitzelbängg fallen den Corona-Schutzmassnahmen zum Opfer (im Bild Wanderratte anno 2018).

«Kein überwiegendes öffentliches Interesse» – die Schnitzelbängg fallen den Corona-Schutzmassnahmen zum Opfer (im Bild Wanderratte anno 2018).

Bild: Kenneth Nars

Dass von der Fasnacht 2021 kaum mehr in Erinnerung bleiben wird, als die WC-Rollen-Blaggedde – damit haben sich die meisten in der Region abgefunden. Dass nun auch die letzten Versuche, ein wenig von den drey scheenschte Dääg zu retten, den Corona-Schutzmassnahmen zum Opfer fallen, sorgte gestern jedoch für viel Unmut und Diskussionen.

Telebasel und das Onlinemedium Bajour hatten geplant, während der Fasnachtstage Schnitzelbänke zu senden, die im Vorfeld oder live im Studio aufgezeichnet werden. Dafür hätte es jedoch eine Spezialbewilligung des Gesundheitsdepartements benötigt, denn Ende Oktober hatte der Bund ein Singverbot für den nicht-professionellen Bereich erlassen. Dazu zählen auch Schnitzelbängg.

Das Gesundheitsdepartement aber hat für das Anliegen kein Gehör: Ausnahmen dürften nur bewilligt werden, wenn überwiegende öffentliche Interessen eine solche gebieten würden, schrieb das GD in seiner Antwort an Telebasel. Von einem solchen könne jedoch nicht ausgegangen werden. Sprecherin Anne Tschudin sagt:

«Wir haben keinen Spielraum, dies zuzulassen.»

Sonst müssten sehr viele weitere Aktivitäten im Zusammenhang mit der Fasnacht ebenfalls zugelassen werden. «Wir anerkennen selbstverständlich, dass die Fasnacht als einer der wichtigsten Bräuche Basels und als Unesco-Welterbe von öffentlichem Interesse ist», sagt Tschudin. Doch sämtliche sechs Schnitzelbangg-Gesellschaften hätten für 2021 ihre Aktivitäten abgesagt, ebenso das Fasnachts-Comité seine üblicherweise organisierten Veranstaltungen. «Mit diesen Rahmenbedingungen können wir eine Einzelinitiative im Sinne einer Ausnahme nicht bewilligen.»

Kaum Verständnis für Massnahme

Gemäss Telebasel hätten sich bisher 20 Formationen hätten sich bereit erklärt, im Studio ihre Verse vorzutragen. Auch bei Bajour hat man sich etwas einfallen lassen: Die Aufzeichnungen hätten vor einem Green Screen stattgefunden. Man hätte die Schnitzelbängg also vor ein virtuelles Publikum setzen können, das mitlacht und applaudiert.

Das Veto des Gesundheitsdepartements sorgte gestern für viele Diskussionen. Eine Onlinepetition knackte in wenigen Stunden die 1000er-Marke. Auch in den sozialen Medien wurde der Entscheid heiss diskutiert, grossenteils ohne Verständnis für das Singverbot.

Hoffnung, dass Entscheid zurückgenommen wird

Auch die Jungliberalen (JLB) meldeten sich zu Wort: Bei allem Verständnis für die Coronamassnahmen könne man nicht nachvollziehen, wie das Gesundheitsdepartement ein überwiegendes öffentliches Interesse am Unesco Weltkulturerbe Basler Fasnacht negiert. «Auch wenn die Schnitzelbängg nur ein kleines Trostpflaster für die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler wären, so würden sie in dieser tristen Zeit wenigstens etwas Fasnachtszauber in die Stuben der Baslerinnen und Basler bringen», so die JLB. Das Gesundheitsdepartement solle die Entscheidung überdenken und dem Sprichwort, dass Lachen die beste Medizin sei, in diesem Fall Glauben schenken.

Auch Bajour-Chefredaktorin Andrea Fopp sagt: «Ganz haben wir die Hoffnung nicht aufgegeben. Falls der Gesundheitsdirektor doch noch grünes Licht gibt, sind Bajour, dr Spitzbueb und viele andre Väärslibrinzler im Nu parat.»

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