Kommentar

Eine Regierung im Seitenwagen

Der Verwaltungsrat und die Konzernleitung der MCH Group (mit dem Basler Regierungsrat Christoph Brutschin, CEO Bernd Stadlwieser und Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer) an der ausserordentlichen Generalversammlung.

Der Verwaltungsrat und die Konzernleitung der MCH Group (mit dem Basler Regierungsrat Christoph Brutschin, CEO Bernd Stadlwieser und Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer) an der ausserordentlichen Generalversammlung.

Das Vorgehen ist – Irrtum vorbehalten – beispiellos: Die Basler Regierung will vom Parlament im Eilverfahren die Zustimmung für eine grundsätzliche Strategieänderung bei der MCH Group. Doch die Regierung trägt das wichtige Geschäft nicht selbst an die Öffentlichkeit, sondern überlässt die Kommunikation der MCH Group.

Bisher galt es, die Regierungsräte, die in den Verwaltungsrat des Messekonzerns delegiert worden sind, eher in Schutz zu nehmen. Sie haben nicht alles falsch gemacht, wie eine zunehmende Schar an Politikern im Nachhinein schon vorher gewusst haben will. Doch mit diesem Fauxpas hat sich namentlich der Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin unnötig disqualifiziert. Er liefert den Beleg, die Regierung fahre bloss im Seitenwagen des schlingernden Messekonzerns mit, ohne Einfluss auf dessen Kurs und Fahrstil zu nehmen.

Der Grosse Rat muss korrigierend eingreifen: Wer ist der Investor, der angeblich bereitsteht? Bringt er neben Kapital auch eine unternehmerische Perspektive mit, die der MCH Group langfristig nutzt? Oder handelt es sich um einen Spekulanten, der mit billigem Geld auf eine latent unterbewertete Aktie setzt, um sie in einigen Jahren auf dem Markt an den Meistbietenden zu verschachern?
Von der Drohung, ein Outing werde den Investor bloss vertreiben, sollte sich der Grosse Rat nicht beeindrucken lassen. Die MCH Group hat noch Mittel, so schnell geht sie nicht unter.

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Autor

Christian Mensch

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