Als Rosmarie Zuber zur Welt kam, schickte ihr Vater die Krankenschwester noch einmal ins Zimmer, um zu kontrollieren, ob es sich bei der Neugeborenen tatsächlich um ein Mädchen handelte. In jenen Zeiten nämlich wünschten sich die Väter nur eins: Stammhalter. Doch ihrem Vater Ernst Zuber wurden einzig Töchter geschenkt - vier an der Zahl.

Edles aus der Mühle

Ernst Zuber, in eine Bauernfamilie geboren, wurde 1933 Firmengründer, als er die alte Mühle zu Arisdorf erstand und sie fortan auch als solche betrieb. Schon bald kam Obsthandel hinzu, 1936 schliesslich erweiterte er die Palette um eine Brennerei. Bald zeichnete sich ab, dass das Obst immer wichtiger wird für den Betrieb - bis Ernst Zuber die Mühle 1958 schliesslich stilllegte.
Dort, wo früher die Mühlsteine rotierten, werden heute edle Brände und Likörs verköstigt. Baselbieter Kirsch und Vieille Prune natürlich, beides aus regionalen Früchten, aber auch Himbeergeist oder Bierbrand. Sämtliche Zutaten stammen aus der Schweiz. «Etwas anderes», sagt die heutige Geschäftsführerin Rosmarie Zuber, «kommt bei uns nicht infrage.» Kopfschüttelnd verweist sie auf den kürzlich auf der Autobahn bei Arisdorf havarierten Kirschentransport aus Deutschland.

«Manch einer hat uns belächelt»

Rosmarie ist eine der beiden Töchter, die den Betrieb 1970 vom Vater übernommen haben. «Manch einer hat uns belächelt», sagt sie, die für das Administrative zuständig ist - und als nebenberufliche Künstlerin auch für die Kreationen der Flaschen und Etiketten.

Ihre Schwester Yvonne ist Betriebsleiterin und Brennmeisterin - und zwar eine der besten der Schweiz. Die Zubers sind nämlich einer von vier «Goldbrennern des Jahres», ausgezeichnet zum wiederholten Mal von der Distisuisse, einer Vereinigung der Schweizer Spirituosenbranche. Und auch am 22. September, wenn die Schlussprämierung für den Titel 2011/2012 verliehen wird, dürfen sich die Arisdörferinnen reelle Hoffnungen auf eine erneute Auszeichnung machen.

Obstverkauf läuft gut

Den Grossteil des Umsatzes- nämlich rund 70 Prozent - erwirtschaften die Powerfrauen aber weder mit Crème de Kirsch noch mit Vieille Poire, sondern mit Tafel-, respektive Konservenobst.
Wie viele Tonnen Kirschen die beiden Zuber-Schwestern allerdings während dieser Ernte verarbeitet haben - und als Brände noch verarbeiten werden -, können sie nicht abschätzen. Es seien jedenfalls so viele gewesen wie in den letzten 30 Jahren nicht: «An Spitzentagen waren es 40 Tonnen», sagt Rosmarie Zuber schmunzelnd.

Ähnliches spielt sich in diesen Wochen mit den Zwetschgen ab: Die Bäume hängen voll, es wird mit Rekordernten gerechnet. Trotzdem habe man auch in diesem Jahr keinen Pflückstopp bei den Kirschen ausgerufen und habe das auch bei den Zwetschgen nicht vor: «Wir sind uns unserer riesigen Verantwortung gegenüber den Bauern sehr bewusst.»