Dies academicus
Rektorin Andrea Schenker-Wicki: «Mangelndes Vertrauen ist Gift für unser Land»

Zum 561. Mal beging die Universität Basel am Freitag ihren Geburtstag, den Dies academicus. Im Münster hielt Rektorin Andrea Schenker-Wicki eine Rede zum Thema Vertrauen.

Elodie Kolb
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Auf dem Weg ins Münster: Rektorin Andrea Schenker-Wicki (in Gelb) gefolgt von den Professorinnen und Professoren der Uni Basel.

Auf dem Weg ins Münster: Rektorin Andrea Schenker-Wicki (in Gelb) gefolgt von den Professorinnen und Professoren der Uni Basel.

Kenneth Nars/BLZ

Der Münsterplatz ist am Freitagmorgen des 561. Geburtstags der Universität Basel belebt: Das Personal des Weihnachtsmarkts bereitet die Stände vor, die ersten Professorinnen und Professoren mit Talar queren den Platz und das eine oder andere Fahrzeug schlängelt sich neben dem grossen Weihnachtsbaum und den Absperrungen des Weihnachtsmarktes vorbei.

Bereits wieder verschwunden ist die Studentenverbindung Zofingia, die jährlich am Dies academicus im Gymnasium zum Münsterplatz einen kleinen Auftritt hat. Dieses Jahr wurde im Vorfeld von linken Kreisen eine Demonstration gegen diesen Tanz angekündigt: Die Studentenverbindung sei sexistisch, da sie keine Frauen aufnimmt. Die auf neun Uhr angekündigten Aktionen haben laut Polizeisprecher Adrian Plachesi bereits eine Stunde früher stattgefunden: «Die Zofinger konnten ihren Tanz aufführen, aber danach kamen die Demonstrierenden in den Innenhof des Schulhauses», so Plachesi weiter. Laut Simon Thiriet, Sprecher vom Erziehungsdepartement, seien es etwa 30 Demonstrierende gewesen. Während des Einsatzes habe man das Schulareal geschlossen – wobei Lehrpersonen bei den Ausgängen gewesen seien, um Eintreten oder Verlassen des Geländes zu ermöglichen, so Thiriet.

Ehrendoktorwürde geht ausschliesslich an Frauen

Um 11.30 Uhr versammelte sich dann die Festgemeinde im Basler Münster. Nachdem die Feier vergangenes Jahr ganz ausfallen musste, wurde dieses Jahr nur das Bankett gestrichen. Der Umzug der Professorinnen und Professoren konnte dagegen stattfinden: In den traditionellen Talaren gingen sie gemächlich vom Naturhistorischen Museum zum Münster – statt wie normalerweise zur Martinskirche. Nur: Da die Absperrungen des Weihnachtsmarkts im Weg waren, mussten sie die weniger würdevolle Route zwischen Fassade und Absperrungen nehmen.

Rektorin Andrea Schenker-Wicki widmete sich in ihrer Rede dann mit dem sehr aktuellen Thema Vertrauen. «Ein Thema, das nicht nur für uns alle als Gesellschaft, sondern auch für die Wissenschaft eine grosse Bedeutung hat», sagt Schenker-Wicki. Besonders während der Pandemie: «Mangelndes Vertrauen in die Wissenschaft und deren Institutionen ist Gift für unser Land und unseren Wohlstand», sagt die Professorin.

Mit der Ehrendoktorwürde wurden am diesjährigen Dies academicus zudem zum ersten Mal ausschliesslich Frauen ausgezeichnet. «Nach dem Wunsch der Rektorin, mehr Frauen auszuzeichnen, haben sich die Fakultäten ohne Absprache alle für Frauen entschieden», sagt Unisprecher Matthias Geering (siehe Infobox). Ausserdem wurden an der Feier verschiedene Preise verliehen.

Diese sieben Frauen erhielten Ehrenpromotionen

Professorin Lyndal Roper (Theologische Fakultät)

Lyndal Roper ist seit 2011 Inhaberin des königlichen Lehrstuhls für Geschichte an der Universität Oxford. Sie ist Frühneuzeithistorikerin und erschliesst, laut Universität Basel, indem sie nach Körperlichkeit, Materialität oder Emotion fragt, neue Zugänge zu Zentralfiguren der Reformationszeit.

Professorin Rosemary Kayess (Juristische Fakultät)

Die Australierin leistet laut Uni Basel Pionierarbeit für das Verständnis der Rechte von Menschen mit Behinderungen und setzt sich gemeinsam mit internationalen Organisationen für die Umsetzung der Rechte für Menschen mit Behinderungen im Alltag ein. 

Gabriella Karger (Medizinische Fakultät)

Karger leitet den Karger-Health-Sciences-Verlag in Basel, der ein weltweit tätiger Verlag für wissenschaftliche und medizinische Inhalte ist. Die Universität Basel ehrt sie für ihren kontinuierlichen Einsatz zur Verbreitung von internationalem aktuellem Wissen und neuester Forschung, wie die Uni schreibt. 

Professorin Michelle Perrot (Philosophisch-Historische Fakultät)

Perrot ist emeritierte Professorin für Geschichte und gehört zu den bedeutendsten Historikerinnen der Gegenwart, wie es bei der Uni heisst. Sie sei eine international anerkannte Pionierin der Frauengeschichte und eine kunstfertige Autorin, die über die Fachgemeinde hinaus auch allgemeines Publikum ansprechen kann.

Professorin Ruth Lehmann (Historisch-Naturwissenschaftliche Fakultät)

Als führende Entwicklungsbiologin habe Lehmann die genetischen und molekularen Grundlagen der Keimbahnzellen- und Embryonalentwicklung entdeckt, so die Uni. Als Direktorin von hervorragenden Instituten sei sie weltweit ein Vorbild für Forschende. Und habe durch ihr Engagement im Beirat des Biozentrums zur Entwicklung des Lifesciences-Standortes der Uni Basel beigetragen. 

Professorin Margaret Slade (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)

Die Uni Basel ehrt Margaret Slade für hervorragende wissenschaftliche Leistungen im Bereich Industrial Organization sowie für ihre enge Verbindung von Theorie und Empirie zur Analyse von Firmen und Märkten. Auch sie werde für ihre Vorbildfunktion geehrt.

Professorin Sonja Lyubomirsky (Fakultät für Psychologie)

Sonja Lyubomirsky ist Glücksforscherin und gehört laut Universität Basel zu den am meisten beachteten Psychologinnen weltweit. Mit der Ehrenpromotion erkenne man ihre bahnbrechenden empirischen und theoretischen Arbeiten, die zeigen, dass das Erleben von Glück mit Belohnungen im Alltag verbunden ist. 

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