Pandemie
«Die Kämpfer der Krise werden benachteiligt»: Baselbieter Event- und Gastrobranche leidet trotz Härtefall-Regelung

Die Härtefall-Regelung soll der Baselbieter Event- und Gastrobranche Erleichterung bringen. Diese bleibt aber vielerorts aus. Besonders in der Gastro-Szene werden viele gar nicht von der Hilfe profitieren können.

Zara Zatti
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Längst nicht alle Gastronomen können auf die Härtefall-Regelung zählen. (Symbolbild)

Längst nicht alle Gastronomen können auf die Härtefall-Regelung zählen. (Symbolbild)

Keystone

Es waren eigentlich gute News für die besonders von Corona getroffenen Branchen. Der Baselbieter Landrat erhöhte letzte Woche die A-fonds-perdu-Beiträge für Härtefälle, und löste sie von der Bedingung, einen Kredit aufnehmen zu müssen. Das heisst: Unternehmen, welche die Kriterien erfüllen, erhalten nicht rückzahlbare Beiträge bis maximal 10 Prozent des letztjährigen Umsatzes. Zusätzlich können sie einen Kredit bis zu 25 Prozent des Umsatzes aufnehmen. Für 80 Prozent bürgt der Kanton.

Die Hürde für die Unterstützung ist zu hoch

Die Betroffenen in der Eventbranche, die Gastronomen und Schausteller sind zwar erfreut, dass die nicht rückzahlbaren Beiträge erhöht wurden. Doch das grosse Aufatmen bleibt aus. Besonders in der Gastro-Szene, die bekanntermassen stark von den Einschränkungen getroffen wurde, werden viele gar nicht von der Härtefallhilfe profitieren können. Denn als Härtefall gilt nur, wer im Vergleich zu den Jahren 2018 und 2019 einen minimalen Umsatzeinbruch von 40 Prozent hat.

Die Hürde sei zu hoch, findet Fabienne Ballmer, Präsidentin von Gastro Baselland. «Bereits ein Umsatzverlust von 20 Prozent ist für sehr viele Gastronomen existenzbedrohend», sagt sie. Für die sehr stark Betroffenen seien die Massnahmen sicher hilfreich. Jedoch würden damit in der Tendenz diejenigen Wirte benachteiligt, die sich mit viel Aufwand und innovativen Ideen über Wasser hielten.

Einer, der in der Krise Innovation bewiesen hat, ist Dino Mengisen vom Landgasthof Hirschen in Diegten. Mit viel Arbeit und neuem Catering- und Take-away-Angebot versucht er die Umsatzeinbussen in Schach zu halten. «Seit Beginn der Krise arbeite ich sieben Tage die Woche.» Die 40 Prozent an Einbussen erreicht er nicht, er kommt auf etwa 20 Prozent.

«Alle meine Reserven sind aufgebraucht»

«Auch in diesem Bereich ist ein Betrieb in seiner Existenz bedroht. Alle meine Reserven sind aufgebraucht, das Geld für geplante Investitionen ist weg.» Mit der jetzigen Härtefallregelung würden die Kämpfer der Krise benachteiligt. Das schaffe falsche Anreize. An der 40 Prozent-Regelung kann der Kanton allerdings nicht rütteln. Diese ist vom Bund vorgegeben.

Als Profiteurin der Härtefallhilfe wurde oft die Eventbranche genannt. Dort dürften viele Unternehmen die 40 Prozent an Einbussen erreichen. Beim Shutdown im Frühling lagen die Veranstaltungen brach, mit den erneuten Einschränkungen stehen viele Firmen bis Mitte 2021 erneut vor einer leeren Agenda.

Doch auch hier können nicht alle Härtefallgelder beanspruchen. Denn: Gestützt auf das Doppelsubventionierungsverbot werden Unternehmen von der Härtefallregelung ausgeschlossen, wenn sie bereits branchenspezifische Coronafinanzhilfen des Bundes in den Bereichen Kultur, Sport, Medien oder öffentlicher Verkehr erhalten haben.

Die A-fonds-perdu-Beiträge sind eine grosse Erleichterung

Diese Regelung trifft etwa Toni Scherrer, CEO der Audiorent Clair AG. Audiorent bedient als Spezialistin für Licht und Ton Konzerte und Festivals. Der Betrieb erhielt Unterstützungsgelder für Kulturunternehmen. Dazu berechtigt sind Firmen, die ihren Umsatz zu mindestens 50 Prozent im kulturellen Bereich erwirtschaften. «Die Kulturgelder waren für uns eine schnelle Hilfe zu Beginn», sagt Scherrer, «nun haben wir gehofft, dass die Härtefallregelung uns zudem hilft, die Fixkosten abzufedern.» Als Preis für die Kulturgelder muss die Firma jetzt auf die neu höheren Härtefallgelder verzichten.

Kulturgelder erhielt Roland Schmid, Mitinhaber der Zeisch GmbH, nicht. Das Unternehmen erstellt Veranstaltungskonzepte, und vermietet Mobiliar und anderes Material. Ob sie tatsächlich Härtefallgelder erhalten werden, muss die Firma noch abklären. Schmid sieht vor allem die A-fonds-perdu-Beiträge als grosse Erleichterung. «Ein Kredit ist keine wirkliche Hilfe. Damit leben wir einfach auf Kosten der Zukunft.»