Comeback
Die Basler The bianca Story und ihr unverhofftes Album

Es wurde bereits vermutet, The bianca Story seien Geschichte. Doch nach mehrjähriger Pause meldet sich die Basler Formation zurück. Mit einem Album, das Hörbalsam à gogo beschert.

Michael Gasser
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The-bianca-Story-Wall-2

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Vor sieben Jahren sammelten The bianca Story mittels Crowd­funding-Kampagne erfolgreich 90000 Euro. Worauf jedermann das 2013 erschienene ­Album «Digger» von ihrer Webseite herunterladen konnte, ­gratis und franko.

Anschliessend wurde es still um die Basler Art-Pop-Formation. Oder wie es in ihrem Wikipedia-Beitrag formuliert wird: «Momentan arbeiten die Mitglieder an diversen Soloprojekten und leben in Berlin, Bern, München und Basel.» Was die bz Basel vor zweieinhalb Jahren sogar zum Schluss kommen liess: «Diese Basler Band ist Geschichte.»

Das neue Album «Fata Morgana»

Ein Fall von denkste, wie sich jetzt zeigt: Gestern haben The bianca Story das Unerwartete umgesetzt und still und heimlich ein neues Album mit zwölf Songs «rausgehauen». Das Werk trägt den Titel «Fata Morgana» und verweist somit auf ein optische, aber gewiss nicht auf eine akustische Täuschung. Denn die Lieder lassen sich nicht bloss auf der Web­seite der Band, sondern auch auf den gängigen Streamingkanälen nachhören.

Keyboarder Fabian Chiquet räumt ein, dass es nie gewiss war, ob The bianca Story wieder auferstehen würden. «Fakt ist, wir waren immer eine unzähmbare Herde.» Doch gerade deshalb hätten sie es als angebracht empfunden, «in diesen seltsamen Zeiten als Fata Morgana zurückzukommen», so Chiquet.

Erneut gemeinsam im Studio zu stehen, habe sich angefühlt «wie immer, sehr familiär». Er bezeichnet die Band, deren Line-up unverändert ist, als ein über die Jahre hin organisch gewachsenes Gebilde. «Und ich glaube, wir konnten dieses Gebilde noch nie so genau in eine Form passen wie auf der neuen Platte», sagt Chiquet.

Eindringlich, verspielt und zuweilen bedrohlich

Eingespielt haben The bianca Story das Œeuvre – abgesehen von einigen wenigen Overdubs – zu siebt, live und alle gemeinsam in einem Raum. Was auch erklären dürfte, weshalb die Musik wie aus einem Guss wirkt.

Der Opener «Young Born & Innocent» beginnt mit der eindringlichen Stimme von Elia Rediger, die wissen möchte, wer denn bloss zum Schluss gekommen sei, dass unsereins nicht zu fliegen vermag. Auch «Fly» mit seinen entspannten Rhythmen, die Ballade «Mother Earth», die sich vor der guten alten Mutter Erde verneigt, oder das ver­spielte und zugleich bedrohliche «Hunted Hunters» zeigen eine Band, die mit viel Musse zu­gange ist.

Mehr noch: Die mehrjährige Pause scheint The bianca Story einen markanten Schritt weitergebracht zu haben. Denn so frisch, gelöst und vor allem so lustvoll wie aktuell klangen sie wohl noch nie.
Davon zeugen der klug einstudierte Gesang, das raffinierte Melodiegespür und ihr nicht kleiner gewordener Hang zur Grandezza.

Nun kann man einwerfen, dass sich auf dem Album vielleicht ein paar Schunkelakkorde zu viel eingeschlichen haben, aber das ist nicht der springende Punkt. Was wirklich zählt, ist, dass sich «Fata Morgana» als Hörbalsam vom Feinsten erweist – auch oder gerade in Pandemiezeiten.

The bianca Story: «Fata Morgana» Moutwatering Records www.thebiancastory.com