Kriminalstatistik
Die Basler haben weniger Anzeigen gemacht, aber mehr Gewalt erfahren – vor allem im Ausgang

Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt präsentiert die Kriminalstatistik 2015. Und es zeigt sich: Die Zahl der Anzeigen ist zurückgegangen, doch so einiges liegt im Argen.

Tobias Müller
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Der Ausgang in Basel-Stadt ist gefährlicher geworden – das zeigt die Polizeistatistik.

Der Ausgang in Basel-Stadt ist gefährlicher geworden – das zeigt die Polizeistatistik.

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Nach den am Montag vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichten Zahlen zur nationalen Kriminalstatistik legte nun auch die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt die Fakten des Jahres 2015 auf den Tisch. Und diese liessen sich mit dem Fazit von Hans Ammann, dem stellvertretenden Chef der Kriminalpolizei, wohl am besten so zusammenfassen: «Es ist eine stabile Gesamtlage.» Nicht alle präsentierten Fakten der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt entsprechen jenen der Vorjahre; doch eigentlich blieb fast alles beim Alten.

Die Zahlen zeigen, dass in Basel insgesamt weniger Delikte gemeldet wurden als im Vorjahr. 2015 waren es 24 218, im Vorjahr 24 738. Dies entspricht einer Abnahme von 2 Prozent – damit zeigt die Entwicklung des Kantons in die gleiche Richtung wie die schweizweite Auswertung. Im Vergleich mit dem Schnitt der letzten fünf Jahre entspricht die Anzahl Delikte in Basel sogar einer Abnahme von zehn Prozent. Von der Gesamtzahl der Anzeigen lassen sich 20 961 Fälle in die Kategorie des Strafgesetzbuchs einordnen (Abnahme um 2 Prozent zum Vorjahr), während die restlichen 3257 Fälle in die Zuständigkeit des Betäubungsmittelgesetzes fallen. Dort gab es keine prozentuale Veränderung zu 2014.

Mehr Gewalttaten im Ausgang

Die Gewaltstraftaten in Basel nahmen zum Vorjahr zwar zu (von 2394 auf 2465), schaut man sich aber den Fünfjahresvergleich an, so nahmen diese um vier Prozent ab. Basel ist also in der langfristigen Betrachtung sicherer geworden. Eine Unterteilung der einzelnen Gewaltverbrechen – zum Beispiel Gewalt gegen Beamte, einfache und schwere Körperverletzung, Tätlichkeiten und so weiter – zeigte zwar Differenzen zu den jeweiligen Vorjahren. Diese erklärt Ammann mit natürlichen langfristigen Schwankungen. Eine Erklärung für die unterschiedlichen Zahlen lasse sich daher nicht finden.

Ein deutliches Plus wurde bei Delikten gegen Leib und Leben registriert. Diese Entwicklung begründet Ammann mit der sinkenden Hemmschwelle für Aggressionen von Gruppen im Ausgang. Hotspots für solche Taten seien vor allem die Greifengasse und die Steinenvorstadt gewesen.

Die Anzahl der Einbrüche stieg im Vergleich zum Vorjahr minim von 1348 auf 1358 – hier unterscheiden sich die kantonalen Fakten von den nationalen. Denn schweizweit gesehen wurde im vergangenen Jahr so wenig eingebrochen wie seit 2009 nicht mehr. Verbrechen gegen die Freiheit sowie sexuelle Übergriffe sind auf lange Sicht in Basel konstant geblieben.

Nicht grundlegend anders als Ammann sieht Alberto Fabbri, Erster Staatsanwalt, den Aspekt der natürlichen Schwankungen der Statistik 2015. Jedoch meint er: «Die Strafverfolgungsbehörden sind in gewissen Bereichen strenger geworden. Der Rückgang bei den Taschendiebstählen zum Beispiel lässt sich auf die erhöhte Aktivität der Kantonspolizei zurückführen.» Ausserdem sei zu sehen, dass sich der Ort der Delikte verschoben hat. Immer mehr Verbrechen fänden auf elektronischer Ebene statt. Das Risiko für den Täter, erwischt zu werden, sei auf diesen Plattformen zurzeit noch geringer.

Die Situation im Dreiländereck

Die Aufteilung der nachgewiesenen Straftaten auf die Staatsangehörigkeit lässt sich grob wie folgt aufteilen: Ein Drittel fällt auf die Schweizer Wohnbevölkerung, ein Drittel auf die ständige ausländische Wohnbevölkerung und ein Drittel auf Asylbevölkerung sowie übrige ausländische Bevölkerung. Es wurde ersichtlich, dass eine Vielzahl der Straftaten von nicht in Basel wohnhaften Schweizern und Ausländern begangen wird. Dies liegt an der Lage der Stadt Basel und ihrer Zentrumsfunktion. So ist es laut Fabbri erklärbar, dass die Anzahl Gewalttaten in Basel höher ist als die nationale. Der abendliche Ausgang findet in der Stadt statt und hier werden auch die Delikte verübt.

Bei den Betäubungsmitteldelikten ergibt sich ein ähnliches Bild: Die total gemeldeten Delikte unterscheiden sich nur unmerklich zum Vorjahr (3253 Fälle 2014, 3257 Fälle 2015). Thomas Homberger, Chef des Betäubungsmitteldezernats, betont aber: «Wir reden hier über Anzeigen, also die uns bekannten Fälle. Nicht Delikte an sich.»

Im Bereich Jugendstrafrecht zeige sich ein erfreuliches Bild: Die Gesamtzahl der Vorfälle hat im Vergleich zu den Vorjahren abgenommen, 2015 waren es 14 Prozent weniger gemeldete Verbrechen im Fünfjahresvergleich. Markant ist die Abnahme der Gewaltdelikte von Jugendlichen: Im langfristigen Vergleich nahmen die gemeldeten Fälle um satte 29 Prozent ab. «Die Jugendlichen in Basel waren allem Anschein nach sehr brav», kommentiert Beat Burkhardt, Leiter der Jugendanwaltschaft, diese Zahl.

Kriminalstatistik Kanton Basel-Stadt 2015. Alle Zahlen finden Sie auf www.stawa.bs.ch unter «Statistiken».