Persönlich

Die Angst vor dem grossen C

Es ist drei Uhr morgens, als ich aufwache. Ich huste. Panik steigt in mir auf. Ist es soweit? Ist es das, das grosse C, vor dem wir alle seit Monaten zu flüchten versuchen? Nein, das war ja nur ein einziges Husten. Habe ich mich im Schlaf verschluckt? Das wird’s wohl sein. Dann huste ich erneut.

Bis der Wecker klingelt, kann ich das Verschlucken im Schlaf von der Liste der Möglichkeiten streichen. Es ist tatsächlich geschehen: Ich habe mich erkältet. Das passiert jedes Jahr, sobald es im September etwas kühler wird. «Halb so wild», denke ich normalerweise, trinke Tee und schone mich. Doch heute ist das anders. Heute werde ich unruhig.

Der Kopf sagt: Kann nicht sein. Ich habe kein Fieber, verspüre keine anderen Symptome. Seit Monaten verhalte ich mich vorsichtig, begebe mich bei Begrüssungen unfreiwillig in peinliche Ellbogen-Anstups-Situationen, schmiere mir die Hände beim Betreten eines Geschäfts mit nach billigem Schnaps riechendem Desinfektionsmittel ein. Mit dem Coronavirus hätte ich mich nirgends anstecken können.

Dennoch bleibe ich heute lieber im Homeoffice. Doch dort habe ich Zeit zum Nachdenken. Ich fasse mir an die Stirn. Ist das etwa eine erhöhte Temperatur, die ich da fühle? Oder bilde ich mir das ein? Ich kann es nicht beurteilen. Was aber feststeht: Diese Pandemie macht alle verrückt – die Infizierten, alle anderen aber auch.

Meistgesehen

Artboard 1