Verfolgungsjagd

Der Velodieb-Jäger aus dem Klybeck

Kerim Chebbah

Kerim Chebbah

Kerim Chebbah ist Besitzer des Velogeschäfts «Good Feeling» im Kleinbasel. Mehrfach wurde er beraubt. Beim dritten Mal hat er sich erfolgreich gegen die Einbrecher gewehrt.

Ein kurzer Blick auf seine vor lauter Kettenschmiere fast schwarze Hand, dann bietet Kerim Chebbah zum Gruss die geschlossene Faust statt eines Händedrucks an. Er steht in seiner Werkstatt an der Breisacherstrasse 131 im Basler Klybeck-Quartier, während er von den Ereignissen des vergangenen Monats erzählt. Gleich drei Mal hintereinander wurde der Veloladen-Besitzer bestohlen. Das letzte Mal konnte er einen der Täter fassen.

«Ich habe diesen Laden seit fast zwanzig Jahren, aber so etwas habe ich noch nie erlebt», sagt Chebbah über die Diebstahl-Serie. 2001 hat der damals 21-jährige Basler seinen Quartier-Veloladen eröffnet. Im Good Feeling werden neue und gebrauchte Fahrräder sowie Zubehör verkauft. Das zweite Kerngeschäft sind die Reparaturen: «Wir reparieren fünfzehn bis zwanzig Velos pro Tag», sagt Chebbah. Heute ist er alleine im Laden, weshalb das Gespräch hier stattfindet. Er erzählt und werkelt dazu an einem schwarzen Herrenfahrrad herum.

Draussen stehen nur noch Occasion-Velos

Chebbah sieht kurz im Kalender nach und kann dann das genaue Datum nennen, an dem der erste Einbruch stattgefunden hat: «Das war der 21. Januar. Ich bin etwa um vier Uhr aufgewacht, wusste aber nicht, warum.» Als er wenige Stunden später nach unten geht, sieht er, was ihn aufgeweckt hatte: Diebe haben sechs der Velos, die vor dem Velogeschäft angekettet waren, aufgebrochen und mitgenommen. Von den Dieben fehlt jede Spur, die Velos draussen waren nicht versichert. Chebbah beschliesst, fortan nur noch gebrauchte Fahrräder über Nacht draussen zu lassen.

Der Velohändler vom Klybeck hat den Schock erst knapp überwunden, als er erneut bestohlen wird. Vor seinem Ladenlokal an der Kreuzung Breisacher- und Zähringerstrasse werden drei gebrauchte Motorräder entwendet. Der bei den Diebstählen entstandene Schaden entspricht laut Chebbah dem Reingewinn eines ganzen Jahres. «Ein Jahr Arbeit umsonst», sagt er resigniert. Am 7. Februar der dritte Vorfall: Es ist sieben Uhr morgens, als Chebbah seinen Laden aufschliessen will. Er sieht zwei ihm unbekannte Männer aus dem Haus kommen und fragt sich: «Welcher Besuch geht am Samstagmorgen um sieben Uhr aus dem Haus?» Als er auf sie zugeht, erkennt er, dass die beiden einen Werkzeug-Kasten sowie zwei Kinder-Trottinettes dabei haben – alles Sachen aus Chebbahs Keller. Als er realisiert, was passiert, rennen die Diebe los. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt.

Während der Velohändler den Unbekannten nachrennt, versucht er, die Polizei zu verständigen. «Erst ein paar Tage zuvor hatten mir meine Töchter gezeigt, wie die SOS-Tastenkombination auf dem iPhone funktioniert.» Sein Handy verbindet sich mit der Notrufzentrale. Chebbah schreit nun abwechselnd Strassennamen ins Telefon – «Klybeckstrasse, jetzt Amerbachstrasse!» – und dann wieder «stehen bleiben!» Als Chebbah schon am Ende seiner Kräfte ist, trifft endlich ein Polizeifahrzeug an der Klybeckstrasse ein und es gelingt dem Velohändler, sich auf einen der flüchtigen Diebe zu werfen und diesen festzuhalten, bis er von den Polizisten aufgegriffen wird.

Gestohlene Fahrräder über Grenze geschmuggelt

Von der Diebstahl-Serie hat Kerim Chebbah sich mittlerweile wieder erholt. Er ist sich sicher, dass bei den beiden ersten Einbrüchen organisierte Banden am Werk waren. «Gestohlene Fahrzeuge werden oft über die Grenze geschmuggelt,» ist er überzeugt.

Auch René Gsell, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Basel, bestätigt: «Es ist bereits vorgekommen, dass wir in Basel gestohlene Velos während Fahrzeugkontrollen an der Grenze gefunden haben.» Den konkreten Fall von Velohändler Chebbah kommentierte hingegen nicht.

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