Kommentar
Der unerwartete Kahlschlag

Leif Simonsen
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Lukas Engelberger und Thomas Weber (Archiv)

Lukas Engelberger und Thomas Weber (Archiv)

Kenneth Nars

Als das Stimmvolk in den beiden Basel vor zwei Jahren die Spitalfusion ablehnte, ging fast unter, dass eine noch wichtigere Abstimmung angenommen wurde: diejenige über die gemeinsame Spitalplanung. Ab diesem Sommer gibt’s nur noch eine Spitalliste für die beiden Basel: Gemeinsam fällen die Gesundheits­direktoren den Entscheid, welches Spital, welche Operationen durchführen wird. Ziel: Spitalbetten abbauen und die Prämien senken.

Schulterzuckend nahmen dies 2019 die Spitalchefs zur Kenntnis. Niemand traute den Gesundheitsdirektoren zu, ihre Häuser so hart anzugreifen. Der städtische Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger galt als mutloser Politiker, der in alter CVP-Manier mit den Privatspitälern auf Du und Du war. Auch sein Amtskollege Thomas Weber (SVP) galt als konfliktscheu. Diese Einschätzung war damals nicht falsch, aber heute ist sie überholt. Gerade Engelbergers Selbstbewusstsein ist gestärkt durch seine Omnipräsenz als Präsident der Eidgenössischen Gesundheitsdirektorenkonferenz. Kommt dazu, dass er gerade glanzvoll wiedergewählt wurde.

Ein gutes Selbstbewusstsein brauchen in den nächsten Monaten sowohl Engelberger als auch Weber. Gemütlich wird es nicht. Beide Gesundheitsdirektoren werden den Verdacht nicht abstreifen können, dass sie bei der Bereinigung der Spitallandschaft die kantonseigenen Krankenhäuser zu sanft angefasst haben. Ein hässlicher Streit dürfte uns bevorstehen.

leif.simonsen@chmedia.ch