Persönlich
Der Bildungsbürger in mir hat's schwer

In Coronazeiten hat man Zeit, um Unmengen an Kultur zu verschlingen - und die muss nicht immer hochstehend sein.

Michel Ecklin
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Dmax bietet rauhe Mengen an Blech und Abgasen.

Dmax bietet rauhe Mengen an Blech und Abgasen.

COOLPIX

Eigentlich würde ich hier gerne erzählen, mit welchen kulturellen Höhepunkten ich in dieser Pandemie die viele Zeit zuhause verbringe: Mit dicken und ganz gescheiten Büchern, tief schürfender Musik und französischen Laberfilmen. Man hält sich schliesslich für einen Bildungsbürger.

Stattdessen muss ich eingestehen, dass ich neulich das Unterschichtenfernsehen entdeckt habe. Weil man ja trotz Lockdown fit bleiben muss, strample ich jeden Tag (nun ja, fast) eine Stunde auf dem Hometrainer ab. Und da ist nichts motivierender als Dmax.

Das Motto des deutschen Senders lautet: «Fernsehen für die tollsten Menschen der Welt: Männer». Entsprechend gehts da zur Sache: Trucker donnern durchs brennende Outback, Cowboys erlegen Elche in Alaska, der Schrotthändler im Ruhrpott feilscht um jedes Stück Blech. Fleisch, Chrom, Reifenquietschen und Tränen, ganz viel harte Gitarrenriffs und noch viel mehr laute Auspuffe: Dmax zeigt das echte Leben.

Dabei – ich schwörs! - kann ich sonst nichts mit Lastwagen und sonstigem Blech anfangen, könnte nicht mal eine Maus töten und höre keine lärmige Gitarrenmusik (mehr). Und um doch noch Macho zu werden, bin ich hoffentlich zu alt.

Aber inzwischen erwische ich mich selber dabei, dass ich bei Dmax reinschaue, auch wenn ich gar nicht auf dem Hometrainer sitze. Und ich stelle fest: Ab und zu tut es gut, den Bildungsbürger in sich überwinden. Gab es dazu schon mal einen Arte-Themenabend?