Basel
Bundesamt verschleppt Schliessung der Gesetzeslücke bei Laserpointern

Demonstranten zielen auf die Augen – die Basler Polizei hat 50 Laser-Angriffe ausgewertet. Obwohl Laserpointer sehr gefährlich sind, ist der Kauf in der Schweiz legal. Das Bundesamt für Gesundheit verschleppt die Schliessung der Gesetzeslücke.

Andreas Maurer
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Die neue Waffe an Demonstrationen: 2011 in Athen (Foto), 2013 in Basel.Key

Die neue Waffe an Demonstrationen: 2011 in Athen (Foto), 2013 in Basel.Key

Der grüne Laserstrahl hat eine bleibende Narbe ins Auge gebrannt. «Ich werde damit leben müssen», sagt der Basler Polizist. In seinem Sichtfeld erinnert ein schwarzer Fleck an den Einsatz vor dem St. Johannpark.

Nach der Favela-Demonstration suchten Vermummte am vorletzten Freitag die Konfrontation. Sie zielten mit Laserpointern auf die Augen der Polizisten. Zwei Polizisten wurden verletzt.

Obwohl der Augenschaden mindestens in einem der beiden Fälle bleibend ist, haben die Beamten Glück. Sie können weiterhin arbeiten. Möglich wäre eine schwere Sehbehinderung bis zur Erblindung.

Der nächste Laserangriff in Basel folgte kurz darauf. Am Sonntag richteten Unbekannte einen Laserstrahl auf ein Patrouillenboot der Polizei, das nach einer Person im Rhein suchte. Die Polizisten unterbrachen die Rettungsaktion, um ihre Augen zu schützen.

Der Laser-Beauftragte

Die Laserangriffe sind ein neues Problem. Erstmals wurde ein Basler Polizist im November 2009 von einem Laserstrahl beim Einsatz an einem FCB-Spiel geblendet.

GC-Fans setzten den Lichtstrahl aus rund hundert Meter Distanz ein. In den letzten zwei Jahren häuften sich die Vorfälle. Die Basler Polizei hat reagiert. Sie setzte einen Laser-Beauftragten ein: Ruedi Maier.

Die Tendenz der Anzahl Laserangriffe auf Polizisten sei «stark zunehmend», sagt er. Vor allem bei illegalen Partys und Demonstrationen werden Polizisten geblendet.

Die Täter stammen laut Maier meistens aus demselben Umfeld: aus dem Schwarzen Block und der autonomen Szene. Doch auch bei ganz normalen Patrouilleneinsätzen komme es zu Blendattacken.

Ungewöhnliche Häufung

Seit 2009 machen in der Schweiz Laserangriffe auf Piloten und Lokomotivführer Schlagzeilen. Inzwischen sind auch die Basler Verkehrs-Betriebe betroffen. Fünf Tramführer wurden 2012 mit Lasern belästigt.

Die Medienstelle spricht von einer ungewohnten Häufung. Im Baselbiet werden Lokomotiv- und Tramführer ebenfalls geblendet, die Polizei aber blieb auf dem Land bisher verschont.

Die Basler Polizei hingegen hat bereits fünfzig Laserangriffe ausgewertet. Das Phänomen ist international: Die Hightech-Waffe gehört auch zum Arsenal von Demonstranten in Kairo und Athen.

Obwohl es seit zwei Jahren verboten ist, Laser mit einer Leistung von fünf Milliwatt und mehr in der Schweiz in Umlauf zu bringen, ist es ein Kinderspiel, diese im Internet oder in süd- und osteuropäischen Ländern zu kaufen.

Laserpointer: Zwischen 70 und 3000 Franken

Die Preise schwanken stark: Für 1000-Milliwatt-Laser gibt es Angebote zwischen 70 und 3000 Franken. Im Werbetext wird die Leistung angepriesen: Man könne damit Luftballons explodieren lassen, Bänder zerschneiden und Zigaretten anzünden.

Starke Laser zu kaufen und zu besitzen, ist in der Schweiz legal. Nur das «Inverkehrbringen» ist verboten. Starke Laserpointer gelten als gefährliche Gegenstände, welche die Polizei beschlagnahmen kann.

Bestrafen kann sie die Besitzer aber erst nach einem Angriff. Das Bundesamt für Gesundheit hat seit geraumer Zeit angekündigt, diese Gesetzeslücke zu schliessen.

Die letzte Ankündigung: Der Entwurf solle «bis im Sommer 2013» vorliegen.

Auf Nachfrage heisst es beim Bundesamt, dass noch nicht Sommer sei. Der Basler Laser-Beauftragte wird ungeduldig. «Es wäre wünschenswert, dass man den Besitz von Laserpointern sanktionieren könnte», sagt Maier.

Schutzmassnahmen evaluieren

Mit Hochdruck evaluiert die Basler Polizei gemäss eigenen Angaben Schutzmassnahmen. Erst seit kurzem sind auf dem Markt Brillen erhältlich, die Laserstrahlen unterschiedlicher Wellenlängen blockieren. Zuvor hätte man gegen rote, blaue und grüne Laserstrahlen unterschiedliche Brillen benötigt.

Die Basler Polizei setzte bisher vor allem auf die Sensibilisierung ihrer Mitarbeiter. Viele Möglichkeiten haben diese nicht: Augen schliessen, Kopf wegdrehen, Kollegen warnen.

Sie erhalten zudem einen Tipp: Nach einem Treffer solle man sich trotz des Brennens nicht die Augen reiben. Ist die Hornhaut verletzt, kann sie dadurch noch stärker beschädigt werden.

Man solle so schnell wie möglich ins Spital. An den Gang zum Augenspezialisten müssen sich die beiden verletzten Basler Polizisten gewöhnen. Weitere Kontrollen sind nötig.