Ostern 2020
Zwischen Gruppenchat und Seelsorge: Kirchen der Region bieten jetzt Gottesdienst per Whatsapp an

Die Coronakrise zwingt die Kirchen, neue Wege zu gehen. Das digitale Angebot ist unübersichtlich, es gibt sogar Gottesdienste per Whatsapp. Franz Sabo scheint sich auf dem neuen Kanal aber ganz wohl zu fühlen – und der Röschenzer Pfarrer wird eifrig geguckt.

Benjamin Wieland
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bz

«Guten Morgen!», spricht Franz Sabo in Mikrofon. Aber es kommt kein Echo zurück, was er gleich in seine Predigt einbaut: «Das ist eben die neue Situation, die wir haben!»

Der Pfarrer der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Röschenz steht vor dem Altar. Ton, Licht, Schnitt, alles perfekt – und doch wirkt er ein wenig sonderbar, dieser Gottesdienst zu Palmsonntag. Denn Sabo spricht vor leeren Rängen. Das Publikum sitzt nicht in der Kirche St. Anna, sondern zu Hause, guckt die Messe auf Youtube.

Die Gottesdienste ins Internet stellen: So wie Franz Sabo machten es in den vergangenen Wochen viele. Ein Weg, den man gerade den Kirchen nicht so recht zugetraut hätte. Doch weil der Coronalockdown auch kirchliche Veranstaltungen untersagt, war der Handlungsbedarf gross. Da jetzt mit dem Ostersonntag der höchste christliche Feiertag auf der Agenda steht, wird sich wohl auch die letzte Gemeinde Gedanken gemacht haben, wie sie den Gläubigen etwas bieten kann – wenn auch nur digital.

Wer sich anmeldet, erhält, Lieder und Gebete

Das Vorzeigeprojekt ist bikantonal. Das ökumenische Kirchenfenster, eine tägliche, rund 11-minütige Sendung, jeweils mit einem Beitrag zu einem aktuellen Thema, einem Wort zum Tag und Musik. Lanciert haben das Kirchenfenster die Römisch-katholischen Kirchen Baselland und Basel-Stadt sowie die Evangelisch-reformierte Kirche Baselland. Bis Osterdienstag werden Sendungen produziert, die erste war schon gestern Mittwoch zu sehen. Darin ging es unter anderem um die Gassenküche im Kleinbasel. Zu sehen ist das Kirchenfenster auf «Regio TV Plus» und Youtube.

«Kirchgemeinden wurden in den letzten paar Wochen sehr kreativ», sagt Stephanie Krieger, Mediensprecherin der Evangelisch-reformierten Kirche Baselland. Es gebe Live-Streaming, das Wort zum Tag via Video, Audio und Telefon, weiter Podcasts mit Gedanken zum Tag, Interaktive Liturgien zum Mitfeiern, Predigten und Gebete zum Nachlesen und Mitlesen und so weiter – alles auf den jeweiligen Webseiten, via Youtube, Facebook, Mail, aber auch per konventionelle Briefpost. Sogar Gottesdienste über Whatsapp erwähnt Krieger. Solche bietet zum Beispiel die reformierte Kirche Gelterkinden an. Sie schreibt, es handle sich um einen Gruppenchat, in den Lieder, Gebete und Anregungen hochgeladen würden.

Kirchen wären geöffnet – aber nur fürs stille Gebet

Dominik Prétôt, Sprecher der Römisch-katholischen Kirche Baselland, schreibt, es gebe derart viele Angebote, dass er selber beinahe die Übersicht verliere. Hervor sticht eine Anleitung mit Gebeten und Liedern für Familien, damit sie zuhause Ostern feiern können. Bereit gestellt wird das Heftlein von den Pfarreien Dornach, Gempen und Hochwald.

Wer sich trotzdem nach Kirchenluft sehnt: Nicht nur die katholischen Gotteshäuser sind zur Einkehr geöffnet, sondern auch viele Reformierte – Corona hin oder her.

Die Kollekte einfach nach der Krise abhalten?

Osterzeit ist Spendenzeit. Doch wenn die Gläubigen nicht zum Gottesdienst gehen dürfen, kommt wohl auch weniger Geld zusammen. Der Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Baselland empfiehlt deshalb den Kirchgemeinden, sie sollten nach Möglichkeit die Werke und Einrichtungen trotzdem berücksichtigen. «Richtzahlen können dabei die Sammelergebnisse und Kollekteneingänge im Jahr 2019 sein», schreibt Mediensprecherin Stephanie Krieger.

Bei den Katholiken haben die Pfarreien vom Bistum Basel ein Merkblatt zu den Kollekten erhalten. Das Bistum empfiehlt, die Kontonummern im Pfarrblatt und im Internet zu publizieren – oder aber, die Kollekte nach der Coronakrise zu lancieren. In vielen katholischen Kirchen stehen zudem Fastenopferkässeli parat. Kontaktlose Überweisungsmethoden wie etwa Twint sind jedoch nirgends erwähnt. (bwi)

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NACHTRAG: Fastenopfer merkt an, dass es sehr wohl möglich sei, mit Twint zu spenden. Das Hilfswerk schreibt: «Auf der Hinterseite des diesjährigen Fasten-Täschchens ist ein Twin-Code abgebildet – es kommen durchaus jetzt Spenden von da herein. Auch auf unserer Website machen wir auf die Möglichkeit aufmerksam, mit Twint zu bezahlen.»

Einige kirchliche Angebote und Aktionen zur Karwoche und zu Ostern (Liste unvollständig):

  • Die Evangelisch-reformierten Kirchgemeinden Arlesheim und Münchenstein (und Dornach) arbeiten gemeinsam mit dem lokalen Fernsehsender «Regio TV Plus» und planen einen TV-Gottesdienst zu Karfreitag (Ausstrahlung um 10, 12, 14 Uhr), zu Ostern sowie am 19.4., 26.4. und 3.5. (Ausstrahlung jeweils um 9, 11, 13 Uhr, im Wechsel mit einem katholischen Wort-Gottesdienst um 10, 12, 14 Uhr).
  • Seit dem 13. März stellen viele Menschen in den Gemeinden jeden Abend um 20 Uhr eine Kerze ins oder vors Fenster und zeigen so ihre solidarische Verbundenheit mit von Coronabetroffenen, mit Menschen, die einsam sind, mit Ärzten und Pflegenden und so weiter.
  • Alle Kirchgemeinden sind eingeladen, sich am schweizweiten ökumenischen Osterläuten zu beteiligen, und zwar am Gründonnerstagabend, 9. April 2020, von 20 bis 20.15 Uhr und am Ostersonntag, 12. April 2020, von 10 bis 10.15 Uhr.
  • In einigen Gemeinden werden Osterfeuer angezündet, an öffentlichen Plätzen als Zeichen der Hoffnung ein Osterbaum geschmückt.
  • Die katholischen Kirchen sind auch während der Coronazeit geöffnet und in ihnen sind während der Karwoche oftmals spezielle «Installationen» zu finden, beispielsweise Kerzenmeer, symbolische Geräte, Osterkerzen zum Kaufen (kontaktlos bezahlen möglich!) sowie Blätter mit Gebets- oder anderen Impulsen zum mit Nach Hause nehmen und so weiter.
  • Die Evangelisch-Reformierte Kirche Baselland, die Römisch-katholische Kirche Baselland und die Römisch-katholische Kirche Basel-Stadt lassen gemeinsam das ökumenische Kirchenfenster produzieren, eine rund 11-minütige Sendung, noch bis Dienstag nach Ostern zu sehen auf «Regio TV Plus» und auf Youtube.