Nähkästchen
Winzer und Weinweltmeister Urs Jauslin: «Wein machen ist wie Kochen»

Der Muttenzer Winzer und Weinweltmeister Urs Jauslin plaudert in seinem Weinladen aus unserem Nähkästchen. Über das richtige Timing, schwache Nerven und seine Lieblingsweine.

Rahel Koerfgen
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Im Nähkästchen der Schweiz am Wochenende verstecken sich verschiedene Begriffe. Das Thema für Urs Jauslin: «Geduld».

Im Nähkästchen der Schweiz am Wochenende verstecken sich verschiedene Begriffe. Das Thema für Urs Jauslin: «Geduld».

Nicole Nars-Zimmer niz

Herr Jauslin, worüber unterhalten wir uns?

Ich habe den Zettel mit dem Thema «Geduld» gezogen.

Davon braucht man als Winzer wohl
eine ganze Menge.

Ja, besonders kurz vor der Ernte im September. Viele werden dann nervös, weil etwa die Wettervorhersage nicht gut ist, und lesen die Trauben zu früh, also bevor sie die optimale Trinkreife haben. Weil sie etwa Angst haben vor Frostschäden. Eine zu frühe Ernte kann sich ziemlich negativ auf die Qualität des Weines auswirken.

Haben Sie auch schon die Nerven verloren?

Als junger Winzer, also vor mehr als 30 Jahren, habe ich mit der Lese mal zu früh begonnen. Heute lasse ich mich nicht mehr aus der Ruhe bringen. Zum Wohl übrigens (hebt das Glas).

Welchen Tropfen trinken wir?

Einen Bacchus 2016. Soeben haben wir die Flaschen abgefüllt, wir stellen elf neue Weine in diesen Tagen an Messen vor. Hauptsächlich handelt es sich dabei um
Pinot Noir, das ist meine Spezialität. Dieser Weisse, den wir trinken, ist schön fruchtig und passt gut zum Frühlingsapéro. Die Rebsorte gehört zu meinen Lieblingen.

Mit der Bacchus-Traube kann man also nichts falsch machen?

Ich sage immer: Wein machen ist wie Kochen. Es kommt drauf an, was sie aus
einem Produkt machen. Es gibt Fleisch, das schmeckt besser vom Grill, oder es kommt auf die Garzeit und die Würze an. Beim Wein ist der Lesezeitpunkt entscheidend. Auch Bodenbewirtschaftung, Lagerung und Gärtemperatur spielen eine Rolle, das Holzfass auch. Da kann man einiges falsch machen! Es braucht Tricks, damit man das Beste aus der Traube herauskitzelt. Winzer brauchen also tatsächlich Geduld. Ich habe das zum Glück im Blut.

Verraten Sie einen Ihrer Tricks?

Im Sommer, etwa sechs Wochen vor der Ernte, schneiden wir die unteren Trauben an der Rebe ab. Diese bekommen nicht so viel Sonne ab wie die oberen und sind deshalb nicht genug süss und aromatisch. Das kann die Qualität des Weins stark beeinträchtigen.

Der Bacchus-Wein schmeckt grossartig. Wie viele Flaschen gibt es davon?

Nur 3000. Die gehen ziemlich schnell weg. Es handelt sich dabei um eine eher ältere Rebe, deshalb ist der Wein so gehaltvoll. Und das mögen meine Stammkunden.

Woher kommen Ihre Kunden?

Mehrheitlich aus der Region, etwa 85 Prozent. Der Rest verteilt sich über die ganze Schweiz.

Und internationale Fans?

Die gibt es auch. Da helfen uns Messen wie die Baselworld oder die Art. Die Aussteller trinken zum Beispiel im Teufelhof, im Goldenen Sternen oder in der Schlüsselzunft einen meiner Weine– und bestellen danach ein paar Flaschen.

Ihre Weine sind nur in ausgesuchten Fachgeschäften, in wenigen Restaurants und nicht im Detailhandel erhältlich. Weshalb?

Es ist mir wichtig, dass der Kunde persönlich beraten wird. Trotz der Tatsache, dass er heute dank verschiedener Apps gut informiert ist.

Nicht zuletzt wegen Ihres Weltmeistertitels mit dem Pinot Noir «Hohle Gasse» gelten Sie als Star unter den Schweizer Winzern. Sehen Sie derzeit andere, junge Talente in der Region?

Die neue Generation ist sehr vielversprechend, hat gute Ideen, etwa in Aesch oder Therwil. Die Weinregion Baselland hätte viel mehr Beachtung verdient.

Wie meinen Sie das?

Als gebürtiger Muttenzer kann ich sagen: Die Region weist eine der besten Rebenlagen in der Deutschschweiz auf. Hier finden sich kalkige, teils tonige Böden, die dem Wein Tiefgründigkeit geben, ihn einzigartig machen. Und sie gehört zu den wärmsten Regionen der Schweiz. Das könnte man im Landschafts-Marketing mehr berücksichtigen und entsprechend bewerben. Gerade bei Touristen.

Welchen Wein trinken Sie zu einem
guten Stück Fleisch?

In der Grillsaison mag ich einen gekühlten Garanoir aus meinem Weingut. Der ist schön leicht. Gerade aus dem Kühlschrank mundet er – das ist längst kein No-Go mehr, besonders nicht im Sommer. Aber es kommt auf die Sorte an. Ein gekühlter Hohle Gasse geht gar nicht.

Und welches ist Ihre Lieblingssorte – abgesehen von Ihren eigenen?

Ich mag Weine aus dem Südtirol, Italien und Frankreich, aber auch Kalifornien. Beim Weisswein bevorzuge ich Sauvignon Blanc, unter den Roten gefälllt mir nebst Pinot Noir die Grenache-Traube und San Giovese, die klassische Toskana-Traube. Oh, und Nebbiolo aus dem Piemont.

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