Schänzlitunnel
Trotz Sperrungen auf Schiene und Veloweg: Grossbaustelle geht in Betrieb

Eigentlich hätten zum Start der mehrere Jahre dauernden Bauarbeiten an den Tunneln Schänzli und Hagnau alle anderen Bauarbeiten beendet sein sollen. Aber zurzeit sind Teile der S-Bahnlinie 3 gesperrt und auch Velofahrer müssen Umleitungen in Kauf nehmen, weil eine Transitleitung errichtet wird.

Julia Gohl
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Am Freitag beginnen die Bauarbeiten am Schänzlitunnel
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Im Oktober und im November kommt es zu diversen Sperrungen in der Nacht und am Wochenende.
Am 13. Oktober werden die Hilfsbrücken in Betrieb genommen, die via Bypass St. Jakob-Strasse die A18 mit der A2 verbinden.
Die Sanierung des Schänzli-Tunnels erfolgt in zwei Phasen: In der ersten in Fahrtrichtung Basel (links) bleibt eine Spur in Richtung Basel offen, die zweite Fahrspur wird über eine Umfahrung gewährleistet (rot). Der Gegenverkehr Richtung Delémont bleibt ohne Einschränkungen.
In Phase zwei wird in Richtung Delémont saniert (rechts). Dabei wird eine Fahrspur durch den Tunnel in der Gegenrichtung geführt. Für die Autofahrer Richtung Basel bleibt das Provisorium der ersten Phase bestehen.

Am Freitag beginnen die Bauarbeiten am Schänzlitunnel

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Am Freitag geht es also richtig los: Die beiden Röhren des Schänzlitunnels werden umfassend instand gesetzt, der Tunnel Hagnau wird abgebrochen und neu gebaut. Am Montag gab das Bundesamt für Strassen (Astra) den definitiven Startzeitpunkt der Arbeiten bekannt, die den Menschen in der Region wegen des zu befürchtenden Staus schon länger auf dem Magen liegen. Denn mit rund 62'000 Fahrzeugen pro Tag ist das betroffene Strassenstück eines der am stärksten befahrenen der Region.

Extra für die voraussichtlich bis Ende 2020 dauernde Kernbauphase wurden Hilfsbrücken errichtet. Diese verbinden die A18 ab Ausfahrt Muttenz Nord via Bypass St. Jakob-Strasse mit der A2. Ein Teil des Verkehrs wird ab Freitag über diese Umleitung geführt, weil der Verkehr im Tunnel nur einstreifig geführt werden kann.

Baustellen treffen aufeinander

Um einen Verkehrskollaps zu vermeiden, bemühen sich Bund und Kanton schon seit Jahren, alle Bauvorhaben entweder nach hinten zu schieben oder noch vor der Schänzlisanierung anzugehen. Ausserdem haben sie Mobilitätsmassnahmen definiert, um Autofahrer während der Bauarbeiten zum Umsteigen auf den öV und andere Verkehrsträger zu bewegen.

Ausgerechnet zum Start sind aber durchaus noch andere Baustellen in Betrieb. So fällt zurzeit etwa die S-Bahnlinie 3 zwischen Laufen und Delémont wegen Arbeiten an den Geleisen aus. Das führt auch auf dem Abschnitt zwischen Laufen und Basel zu Verspätungen. Die SBB warnt: «Die Anschlüsse auf die Postautokurse in Dornach, Aesch, Grellingen, Zwingen und Laufen sind nicht gewährleistet.»

«Die Pendler, die wir ansprechen, haben im Moment das volle Angebot zur Verfügung», findet allerdings Martin Schaffer, Verkehrsplaner beim Kanton. Denn Laufen und Delémont stünden nicht im Fokus der flankierenden Massnahmen des Kantons. Dafür sind in Aesch und Zwingen, wo es zurzeit zu Verspätungen kommt, mehr Park-and-Ride-Parkplätze zu vergünstigten Preisen eingerichtet worden. «Verspätungen können wir nicht beeinflussen», meint dazu Schaffer.

30 Personen haben aufs E-Bike umgestellt

Die zusätzlichen Parkplätze stehen schon seit Mitte August zur Verfügung. Noch sei es aber zu früh, die Nachfrage zu quantifizieren, sagt Schaffer. «Wir gehen davon aus, dass das Angebot erst mit dem Beginn der Arbeiten am Freitag interessant wird.» Anders bei den 150 E-Bikes, die während der Arbeiten beim Schänzli zur «stark vergünstigten Langzeitmiete» angeboten werden: Per Ende September waren bereits 30 vermietet. «Auch hier nehmen wir an, dass die Nachfrage ab Freitag noch steigen wird.»

Gebaut wird aber auch auf der Velostrecke zwischen Birseck und Basel. Weil die Wasserwerke Reinach und Umgebung (WWR) eine Transitleitung bauen, ist die Radroute entlang der Birs ein Jahr lang gesperrt. Als «gefährlichen Umweg», der «untauglich» und «zu eng» sei, bezeichnete Landrat Jan Kirchmayr in seinem Gastbeitrag in der bz vom Montag die zur Verfügung gestellte Alternative. Das sieht Schaffer anders: «Die Umleitung hat aus unserer Sicht eine gute Qualität und sie ist gut ausgeschildert. Sie führt zum grössten Teil über kantonale Radrouten.»

«Dieses Risiko will niemand tragen»

Auch dass es eine mangelnde Absprache zwischen Bund, Kanton und WWR gegeben habe, wie Kirchmayr vermutet, möchte Schaffer nicht gelten lassen. «Wir haben mit den Wasserwerken intensiv nach einer vernünftigen Lösung gesucht, die möglichst kleine Einschränkungen zur Folge hat», so Schaffer. Dies sei die einzige Möglichkeit gewesen, weil der Bau nicht habe verschoben werden können.

Dominik Büchel, Sprecher der WWR, begründet: «Beim Hochwasser 2007 im Birstal war die Trinkwasserversorgung von rund 100 000 Personen gefährdet. Das soll nie wieder passieren.» Deshalb sei in den letzten Jahren eine Notfallleitung geplant worden, die nun endlich gebaut werden könne. «Das Risiko, dies bis zum Ende der Arbeiten beim Schänzli zu vertagen, möchte niemand tragen. Vor allem da wir den Velofahrern gute Alternativen zur Verfügung gestellt haben.»