Liedertswiler Junglandwirt
Wie ein junger Traktor-Puller aus dem Baselbiet zu den Grossen aufsteigen will

Sein erstes Traktor-Pulling hat Andri Plattner mit 15 Jahren bestritten. Nun ist der angehende Bauer aus Liedertswil 18 – und will mit seinem eigenhändig hochgezüchteten Traktor bei den «Grossen» starten. Nur: Findet die Saison auch wirklich statt?

Lucas Huber
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Der 18-jährige Andri Plattner vor seinem Oldtimer Ford 6600.

Der 18-jährige Andri Plattner vor seinem Oldtimer Ford 6600.

Bild: Lucas Huber

Wer sich als 15-Jähriger einen Traktor kauft, um damit an Pullings teilzunehmen, also mit seinem Gefährt einen bis zu 25 Tonnen schweren Bremsschlitten möglichst weit zu ziehen, der macht auch später keine halben Sachen. Dieser Jungspund ist Andri Plattner, angehender Landwirt vom Tschoppenhof, offiziell auch als Liedertswil bekannt. Mit seinen Eltern bewirtschaftet er den Sonnenhof; sie produzieren Angus-Beef und Lammfleisch.

In der Königsdisziplin reüssieren

Mittlerweile ist Andri Plattner 18, im Sommer schliesst er seine Ausbildung ab. Doch er war eben 15-jährig, als er sich seinen Premierentraktor anschaffte, um in der Kategorie «Standard» zu starten. «Damit ist jetzt Schluss», betont er. Denn nun will er in der Sport-Kategorie, der Königsdisziplin, nach den Sternen greifen. Dafür hat er in Österreich einen 40-jährigen Ford 6600 erstanden, an dem er seit Ende 2019 schraubt.

Mit seinem Vater hat er einen stärkeren Motor eingebaut, «zwischen 400 und 600 PS leistet dieser jetzt», schätzt er. Ausserdem ersetzten sie die Vorderachse und montierten grössere Räder mit griffigeren Pneus. Eigentlich blieb kein Bauteil auf dem anderen. Die grösste Herausforderung, blickt Plattner zurück, sei aber das Gewicht gewesen.

Drei Tonnen wog der Ford ursprünglich, auf 2,5 Tonnen hinab musste ihn das Vater-Sohn-Gespann ausschlachten, um in der angestrebten Kategorie starten zu können. Damit würden sie ihn ausserdem unkompliziert mit dem Auto zu den Wettkämpfen schleppen können.

«Mit Müh und Not ist es uns gelungen», schmunzelt der junge Mechaniker, der schon als Kind nichts lieber tat, als an allem Möglichen herumzuschrauben.

Schon als Knirps dabei

Als Kind nahm Vater Teddy Plattner den Sohn denn auch zu den ersten Pullings mit – und entfachte eine Begeisterung in dem Jungen, die er nicht für möglich gehalten hätte.

«Bei mir auf dem Traktor sass er schon als Einjähriger; nirgends schlief er besser.»

Und auch das Schalten habe er nie erlernen müssen, fährt der Vater fort: «Andri spürte anhand der Vibrationen, wann er schalten müsste.»

Seither sprang der Funke zu einem lodernden Feuer heran, und wenn Andri Plattner von der Arbeit an seinem Traktor spricht, dann spricht er von seinem grossen Hobby, seiner wahrhaften Leidenschaft. «Ich liebe es, mich so richtig in ein Thema zu vertiefen.» Darum hat er den Bau des Fords auch als Thema seiner Vertiefungsarbeit im dritten Lehrjahr gewählt.

Vortrag fiel ins Wasser

Den anberaumten Vortrag konnte er allerdings nicht halten; die Landwirtschaftsschule sagte die Anlässe pandemiebedingt ab. Zu gern hätte Plattner über sein Gefährt referiert, über die Herausforderung, das Pulling, die familiäre Atmosphäre unter den Pullern. Und darüber, dass sein aufgemotzter Traktor seit Ende Januar endlich schnaubt. Danach gefragt, glänzen seine Augen. Genauso wie sie glänzen, wenn man ihn danach fragt, was seine Motivation sei, warum er das mache. Dann strahlt er und lächelt und sagt grinsend: «Wenn man nicht ganz hundert ist.»

2017 nahm Andri Plattner an seinem ersten Pulling teil, und das gleich an einem der renommiertesten: in Zimmerwald BE. Doch die Premiere ging mächtig in die Hosen.

«Das war meine grosse Premiere – und die grosse Niederlage. Nach 15 Metern war Schluss»,

erzählt er schulterzuckend. Denn eigentlich wird der Bremswagen über 100 Meter gezogen. Das ärgert ihn noch heute. Doch mittlerweile hat er sogar einen Podestplatz vorzuweisen, 2019 in Oltingen.

Seither hat er an keinem Pulling mehr teilgenommen, die Pandemie hat sämtliche Wettkämpfe im vergangenen Jahr verhindert. Im Mai begänne die Saison 2021. Andri Plattner und sein Ford, sie wären bereit. «Nur lackieren müsste man ihn noch», wendet sein Vater lächelnd ein, «aber wenn wir das selber machen, sehen wir danach aus wie Schlümpfe.»