Stellenabbau
Stellenverluste in der Nordwestschweiz: Die Region verliert an Flughöhe

Der Stellenabbau bei Gaba und das Hello-Grounding bewegen die Region. 2012 haben rund ein Dutzend regionale Firmen einen Stellenabbau bekannt gegeben. Geht es abwärts mit der Wirtschaft in der Region?

Stefan Schuppli
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Geht es abwärts mit der Wirtschaft in der Nordwestschweiz?

Geht es abwärts mit der Wirtschaft in der Nordwestschweiz?

Keystone

Die bedauerliche Schliessung der Produktion bei Gaba in Therwil reiht sich ein in eine Serie von Restrukturierungen, Um- und Abbauplänen der Firmen in der Region. Die Gründe für diese Häufung liegen in den meisten Fällen bei der schwächelnden Konjunktur, beim massiven Konkurrenzdruck und teilweise auch bei der Frankenstärke. Dabei überlagern sich konjunkturelle Probleme in der Branche mit strukturellen.

Abschwung legt Schwächen offen

Fakt ist, dass strukturelle Probleme in einer schwachen Konjunktur klarer zutage treten als in Boomphasen, wenn die Geschäfte eh gut laufen. Das klassische Beispiel dafür ist SBB Cargo. Die Güterbahn arbeitet seit Jahren mit Verlust und wird vom Strassentransport, der teilweise viel effizienter und kostengünstiger ist, bedrängt. Die schwächere Wirtschaft spürt auch die Bahn, und die Verantwortlichen sind gezwungen, weitere Kosten einzusparen. Da werden auch die Mietkosten angeschaut, und diese waren in Basel einfach zu hoch.

Flugbranche durchgeschüttelt

Auch die Flugbranche ist von der schlechteren Auftragslage und dem Kostendruck betroffen. So haben Lufthansa Technik (Flugzeugwartung) und Jet Aviation (Flugzeugausbau uns Wartung) auf dem Euro-Airport zusammen mehr als 400 Arbeitsplätze abgebaut, oder sind daran, es zu tun. Andererseits stellt ein Konkurrent von Jet Aviation, die Amac Aerospace, 150 Personen ein. Und die stetig wachsende Easyjet hat in diesem Jahr 20 Personen eingestellt. Wie gross der Abbau wegen des Hello-Groundings in Basel sein wird, ist derzeit noch offen. Die Firma beschäftigte bis Ende Oktober 140 Angestellte.

Finanzindustrie hatte schon bessere Jahre

Bei Banken und Versicherungen ist die Stimmung nicht euphorisch. UBS will sich, wie Ende Oktober bekannt wurde, vom Investmentbanking trennen. Dieses betrifft zwar hauptsächlich in den USA und in der Schweiz Zürich. Aber es sei nicht auszuschliessen, dass der Abbau auch Stellen in der Region betreffen könnte, «wenn auch nur marginal», sagt der Basler UBS-Leiter Samuel Holzach. Überdies könnte es auch Pendler betreffen, die in Zürich im Investmentbanking arbeiten, aber in der Region wohnen. «Dazu haben wir keine Zahlen. Überdies ist es ja noch nicht einmal bekannt, wie viele Stellen in Zürich abgebaut werden», sagt Holzach. In diesem Jahr sei die Stellenanzahl in etwa auf der Höhe des Vorjahres geblieben. In der ganzen Schweiz dürfte die UBS 2500 Stellen streichen. Auch Bâloise meldet, dass sich der «Headcount» auf Vorjahreshöhe bewegt.

Grosse Erwartungen in Life Science

Die Life-Science-Industrie mit den beiden Schwergewichten Roche und Novartis hat die Region in der Vergangenheit mit zumeist hervorragenden Wachstumsraten verwöhnt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Einige Zahlen:

  • Die Arbeitsplätze des Life-Science-Sektors haben sich in den letzten 20 Jahren fast stetig von 14800 auf 27600 nahezu verdoppelt, wie eine Studie der BAK Basel Economics feststellt.
  • Von 2005 bis 2011 hat die Mitarbeiterzahl von Novartis in Basel von 7130 auf 9780 zugenommen.

Bezüglich Prognosen geben sich Roche, Novartis und Syngenta sehr vorsichtig. Der Tenor: Wachstum ja, aber nur sehr moderat.

Wichtig ist diese Branche auch deshalb, weil sie in der Vergangenheit mehr als zwei Drittel des Wachstumsbeitrags geliefert hat. Konkret: Zum durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 2,4 Prozent zwischen 2000 und 2010 haben Life Sciences 1,7 Prozentpunkte beigetragen.

Auch Wachstum

Sicherlich gibt es auch Branchen, bei denen still und leise Arbeitsplätze aufgebaut werden, darunter oft kleine und mittelgrosse Firmen , die nicht goss an die Öffentlichkeit treten. Deshalb wird dieser Aufbau kaum wahrgenommen. Bei Syngenta kamen beispielsweise 120 neue Stellen dazu, allerdings nur ein Teil davon in der Region.

Ein grosser «Stellenschaffer» war im vergangenen Jahr übrigens der Kanton Basel-Stadt: Rund 300 neue Vollzeitstellen kamen dazu, die meisten davon im Gesundheitswesen.