Stawa Basel-Stadt
Neue Kriminalstatistik zeigt: Jugendkriminalität und sexuelle Belästigungen nehmen zu

Die Kriminalitätslage im Kanton Basel-Stadt ist stabil einzustufen. Dort, wo sich Verschiebungen ergeben haben, könnte dies auf die Pandemiesituation zurückzuführen sein.

Lea Meister
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Basel-Stadt verzeichnete im vergangenen Jahr 7 Prozent weniger Strafanzeigen.

Basel-Stadt verzeichnete im vergangenen Jahr 7 Prozent weniger Strafanzeigen.

Symbolbild: Zvg

Die Gesamtzahl der eingegangenen Strafanzeigen im Kanton Basel-Stadt hat um 7 Prozent abgenommen. Diese Zahl ist der neusten Kriminalstatistik der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt zu entnehmen. Innerhalb der Deliktskategorien sei es zu gewissen Verschiebungen gekommen, die auf die Pandemiesituation zurückzuführen sein könnten.

Die Anzeigen wegen Gewaltstraftaten sind mit den Zahlen der beiden Vorjahre zu vergleichen. Diejenigen wegen Einbruchdiebstahls sind indes deutlich zurückgegangen, was auf die Pandemie und die Tatsache, dass viel mehr Leute von zu Hause aus arbeiten, zurückzuführen sein könnte.

Vermehrt Anzeigen wegen Trendfahrzeugen

Eine deutliche Zunahme der Strafanzeigen ist im Bereich der Jugendkriminalität zu verzeichnen. Laut Kriminalstatistik nahm die Zahl im Fünfjahresvergleich um 30 Prozent zu. Gegenüber 2019 wurden im vergangenen Jahr 348 Fälle mehr gemeldet.

Die Delikte bewegen sich in den Bereichen Vermögen, Freiheit, Leib und Leben, im Betäubungsmittel- sowie im Strassenverkehrsbereich. Letztere Zunahme geht laut der Staatsanwaltschaft auf «das explosionsartige Aufkommen von Trendfahrzeugen wie E-Bikes und E-Scooter, Hoverboards und Solowheels» zurück. Die gesetzliche Regelung sei für Jugendliche nicht einfach zu durchschauen und teilweise auch missverständlich.

Schwerpunkte in der Kriminalitätsbekämpfung

Bei den Deliktsbereichen der Gewaltstrafen und des Einbruchsdiebstahls handelt es sich um festgelegte Schwerpunkte der Kriminalitätsbekämpfung. Die Zahlen seien also teilweise auch auf die «gezielten polizeilichen Aktivitäten der Kantonspolizei und eine konsequente Verfolgungspraxis der Staatsanwaltschaft» zurückzuführen, wie es in der Medienmitteilung heisst.

Auch die Anzeigen wegen Laden-, Taschen- und Trickdiebstählen sowie Erpressung seien teilweise erheblich zurückgegangen. Deutlich zugenommen haben derweil Anzeigen wegen Raubes und Entreissdiebstahls.

Grosse Dunkelziffer

Insgesamt seien zwar mehr Anzeigen im Bereich der Sexualdelikte erstattet worden, bei den Anzeigen wegen Vergewaltigung sei allerdings ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Bei Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz sei die Zahl der Strafanzeigen leicht zurückgegangen.

Die Staatsanwaltschaft betont aber auch, dass viele der erwähnten Schwankungen zufällig sein könnten und gerade im Bereich der Sexualdelikte die Dunkelziffer nach wie vor enorm gross sei.

Im Bereich der schwergewichtig zu bekämpfenden Gewaltstraftaten seien keine wesentlichen Veränderungen festzustellen. Im vergangenen Jahr kam es zu keinem vollendeten vorsätzlichen Tötungsdelikt, dafür zu neun versuchten Tötungen. Diese Zahlen seien mit dem relativ tiefen Durchschnitt der vergangenen Jahre vergleichbar.

Weniger Körperverletzungen

Angezeigte Körperverletzungen gab es 16 Prozent weniger, insgesamt waren dies 318. Bei den schweren Körperverletzungen sei der Rückgang besonders deutlich, angezeigt wurden 21 (gegenüber 36 im Vorjahr). Dies entspricht einem Rückgang von 41 Prozent.

Die Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt seien vergleichbar mit dem Jahr 2019. Die Zahl der Anzeigen wegen Gewalt und Drohung gegenüber Behörden und Beamten nahm indes um 12 Prozent zu.

Im Zuge der regierungsrätlichen Schwerpunktsetzung wird auch der Menschenhandel verstärkt bekämpft. Im Jahr 2020 seien elf neue Verfahren eingeleitet worden, gegenüber 17 im Vorjahr. Die Staatsanwaltschaft vermutet beim Rückgang einen Zusammenhang mit den pandemiebedingten Einschränkungen.