Abstimmung in Ettingen
Spass, der für Unmut sorgt: Nicht alle Gemeinden im Baselbiet fahren auf Pumptracks ab

In Ettingen stimmt das Volk über eine Anlage ab. Auch anderswo stören sich Anwohner am möglichen Lärm.

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Der Pumptrack in Muttenz wird bereits rege benutzt.

Der Pumptrack in Muttenz wird bereits rege benutzt.

Kenneth Nars

Schon im September war Kritik an der geplanten Pumptrack-Anlage in Ettingen laut geworden. Der Verein Blauenbiker hatte vorgeschlagen, eine solche Anlage zu erstellen, auf der man mit Velos, Trottis oder Rollbrettern durch Auf- und Abbewegungen auf einer gewellten Bahn kurvt. An der Gemeindeversammlung kam das Geschäft durch. Doch jetzt ist das Referendum dagegen zu Stande gekommen, sodass das Volk am 7. März 2021 an der Urne entscheidet.

Die Befürchtung der Anwohner: Die Anlage, die 365 Tage pro Jahr offen sein soll, werde Lärm und Littering produzieren. «Das wird eine Doppelanlage, die Leute aus der ganzen Umgebung anziehen wird», sagt Anwohnerin Regula Madörin.

Remo Brodmann, Präsident von Blauenbiker, sagt dazu: «Die Anlage wird kaum ausserhalb des Leimen- und Birstals ein Anziehungspunkt sein.» Er hat in anderen Pumptracks der Schweiz festgestellt, dass man praktisch keine Rollgeräusche mitkriegt. «Man hört nur die Gespräche derjenigen, die gerade nicht am Fahren sind.»

Das sagt auch Debbie Gilgen, Präsidentin des Vereins, der seit September in Muttenz einen Pumptrack betreibt. Täglich benützen ihn 30 bis 40 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. «Man hört nur das Gelächter der Kinder, das ist doch schön.»

Doch das stört offenbar einige wenige Anwohner. Der Unterschied zu Ettingen: In Muttenz ist der Pumptrack ohne Gelder der Gemeinde finanziert, weshalb auch kein Referendum möglich ist. An den Wochenenden waren Gilgen und ihre Kollegen jeweils vor Ort, damit die Betriebszeiten auch wirklich eingehalten werden. Mit den Anwohnern führen sie derzeit Gespräche, um eine Lösung zu finden. Bei manchen spiele es keine Rolle, ob die Kinder wirklich laut seien, hat sie festgestellt. «Es ist immer jemand dagegen. Damit muss man leben, wenn man etwas für die Öffentlichkeit tut.»

Eltern lassen ihre Kinder sich austoben

Auch Brodmann kriegt in Ettingen einiges Unverständnis mit: «Pumptracks sind für viele etwas Neues.» Einige hätten Angst, dass da etwas ganz Wildes auf sie zukomme. «Dabei handelt es sich nur um einen Spielplatz für Zweiräder.» Das Ettinger Referendumskomitee möchte aber nicht Fundamentalopposition betreiben, sondern schlägt einen Alternativstandort vor. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Pumptrack-Anlage», betont Madörin.

Sicher ist: Wenn ein Pumptrack mal steht, wird er auch benutzt. «Die grosse Masse findet unseren Pumptrack extrem toll», sagt Gilgen. Das gelte insbesondere für die Mütter und Väter. «Gerade mit Corona ist es sinnvoll, wenn die Kinder an einem Ort sein können, wo sie sich austoben können.» Nach Muttenz kämen Leute aus dem Waldenburgertal oder aus Riehen.

Ähnlich erlebt das Christoph Jenzer, der mit der IG Radförderung neulich den Pumptrack in Arlesheim umgestaltet hat. Die Anlage befindet sich mitten im Dorf. Die Anwohner hatte Jenzer angeschrieben, mit seiner persönlichen Handynummer drauf – «damit sie wissen, mit wem sie es zu tun haben». Es meldete sich niemand. «Jetzt wird der Pumptrack regelrecht überrannt von glücklichen Kids», sagt er. «Bei mir bedanken sich Grosseltern für ihre Enkelkinder.» Die Jugendlichen träfen sich beim Pumptrack, um Sport zu treiben, «nicht um abzuhängen». Allerdings sei die Anlage in Arlesheim kleiner als die geplante in Ettingen.

Jenzers Hoffnung ist jetzt, dass jede Gemeinde einen Pumptrack hat, «und Basel sollte mindestens zehn bauen». Dann würde sich die Frage erübrigen, dass sich Anwohner über zu viel Nutzer von auswärts beklagen. (mec)