Kosovo-Reise
Sicherheitsdirektor Reber: «Ich wünsche mir noch mehr Engagement der Schweiz»

Der Baselbieter Regierungspräsident und Sicherheitsdirektor Isaac Reber ist nach seiner eintägigen Inspektionsreise bei der Swisscoy im Kosovo überzeugt davon, dass die Schweiz ihre Kräfte nicht vorschnell aus dem Balkan-Land abziehen darf.

Bojan Stula
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Isaac Reber dankt im Feldlager in Prizren den Swisscoy-Angehörigen für den freiwilligen Einsatz.

Isaac Reber dankt im Feldlager in Prizren den Swisscoy-Angehörigen für den freiwilligen Einsatz.

bos

Herr Regierungsrat Reber, was war Ihr stärkster Eindruck vom Swisscoy-Besuch im Kosovo?

Isaac Reber: Der unmittelbare Sinn dieses friedenssichernden Engagements der Schweiz hat mich zutiefst beeindruckt. Der Einsatz ermöglicht nun die Rückkehr von Menschen, die in den vergangenen Kriegswirren vertrieben wurden. Und er hilft jenen, die geblieben sind, in Sicherheit leben und wieder eine Existenz aufbauen zu können.

Wie stehen Sie persönlich zu diesem Einsatz?

Ich wünsche mir noch mehr friedenssicherndes und -stiftendes Engagement der Schweiz vor Ort im Ausland, mit zivilen und militärischen Mitteln, es braucht beides. Für diese Aufgabe sind wir prädestiniert, und wenn Flüchtlinge vor unseren Toren stehen, ist es immer zu spät. Dass heute weltweit 50 Millionen Menschen auf der Flucht sind, ist eine Schande, nicht zuletzt auch für alle wohlhabenden und mächtigen Nationen dieser Erde.

Gerade deshalb: Sollte die Schweiz nach 30 Missionen nicht langsam weiterziehen? Die Nato baut ihre Präsenz ja auch ab und wird demnächst ihre Truppenstärke von 5000 Mann halbieren.

Im Gegenteil. Dass die Nato überprüft, die für den aktiven Einsatz bewaffneten Kräfte weiter zu reduzieren, ist zwar ein positives Zeichen. Gerade die aufbauende und den Dialog zwischen den Bevölkerungsgruppen fördernde Arbeit der Schweizer ist hingegen nach wie vor Tag für Tag nötig, denn der Frieden bleibt fragil. Das Erreichte wäre mit einem vorschnellen Rückzug ernsthaft gefährdet, auch davon konnte ich mich persönlich überzeugen.

Sie haben mit mehreren Baselbietern im Swisscoy-Kontingent geredet: Welche Sorgen haben diese Soldaten?

Der Einsatz und die Lage erfordern eine erhebliche Einschränkung der persönlichen Freiheit über sechs Monate oder mehr, das beschäftigt natürlich. Im Vordergrund steht bei allen aber die Überzeugung, wirklich sinnvolle Arbeit zu leisten. Und dass einige später zu unserer Polizei wollen und dort ihre wertvollen Erfahrungen einbringen möchten, freut mich als Sicherheitsdirektor natürlich doppelt!

 Sicherheitsdirektor Isaac Reber im Gespräch mit dem Pionier-Gefreiten Yves Rieder in der Schreinerei des Schweizer Feldlagers. Der Zimmermann und Hobbyfussballer möchte nach seinem Kosovo-Einsatz zur Baselbieter Polizei.
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Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber auf Truppenbesuch bei der Swisscoy im Kosovo
 "Die Welt ist unsere Heimat". Isaac Reber dankt im Feldlager in Prizren den Swisscoy-Angehörigen für den freiwilligen Einsatz: "Sie verrichten einen sinnvollen Einsatz, davon bin ich überzeugt."
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Sicherheitsdirektor Isaac Reber im Gespräch mit dem Pionier-Gefreiten Yves Rieder in der Schreinerei des Schweizer Feldlagers. Der Zimmermann und Hobbyfussballer möchte nach seinem Kosovo-Einsatz zur Baselbieter Polizei.

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