Beinwil
Schon wieder steht ein Kloster leer: Ungewisse Zukunft für die ehemalige Benediktinerabtei Beinwil

Das Kloster Beinwil erlebt zurzeit stürmische Zeiten. Die ökumenische Gemeinschaft, die im Thiersteiner Dorf im vergangenen Jahrzehnt tätig war, zieht aus. Können keine neuen Nutzer gefunden werden, droht der im Jahr 1085 gegründeten Einrichtung das Aus.

Dimitri Hofer
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Juri Junkov
Franz Christ Präsident Stiftung Beinwil: «Wenn wir unseren Stiftungszweck nicht mehr erfüllen, müssen wir die Stiftung auflösen.»

Franz Christ Präsident Stiftung Beinwil: «Wenn wir unseren Stiftungszweck nicht mehr erfüllen, müssen wir die Stiftung auflösen.»

zvg

Der frühere Basler Münsterpfarrer Franz Christ ist Präsident der Stiftung Beinwil. Die Stiftung sucht momentan neue Nutzer. Im Gespräch erklärt Christ, wieso dieses Unterfangen sehr schwierig werden könnte. Und wie er den von Nebengeräuschen begleiteten Abgang der ökumenischen Gemeinschaft beurteilt.

Herr Christ, Sie müssen kurzfristig neue Nutzer für das Kloster Beinwil finden. Wie läuft die Suche?

Franz Christ: Wir suchen seit einigen Wochen über verschiedene Kanäle nach einem Nachfolger für die ökumenische Gemeinschaft. Es gibt auch schon Anfragen, aber schriftliche Gesuche liegen uns noch keine vor. Kürzlich fand eine Besichtigung statt, aber die Interessierten sagten uns leider ab. Bislang sind noch keine valablen Kandidaten an uns herangetreten.

Kloster Beinwil

Unübersehbar thront das Benediktinerkloster über der Gemeinde nahe des Passwangs. Klosterbrüder leben im hinteren Thierstein jedoch schon seit 1648 keine mehr. Damals zogen die Benediktiner aus und gründeten das Kloster in Mariastein. Seit den 1980er-Jahren ist die Stiftung Beinwil die Eigentümerin des Klosters. Noch können die Gebäude täglich kostenlos besucht werden.

Was verstehen Sie denn unter einem valablen Kandidaten?

Im Idealfall zieht eine bestehende kirchliche Gemeinschaft ins Kloster Beinwil ein. Die Wahrscheinlichkeit ist aber klein, dass wir eine solche finden werden, da es nur wenige gibt. Die sehr abgelegene Lage des Klosters ist sicher auch nicht förderlich, um neue Nutzer zu finden. Unser Stiftungszweck besagt, dass wir die Gebäulichkeiten einer Gemeinschaft zur Verfügung stellen, welche im Sinne des Evangeliums in Stille, Meditation und Gebet lebt und für die ökumenische Verständigung aller christlichen Konfessionen wirkt. Obwohl sie mietfrei wohnen kann, muss die Gemeinschaft die Nebenkosten und Versicherungen aber selber bezahlen. So war es auch mit der ökumenischen Gemeinschaft.

Und eine Änderung des Stiftungszwecks fassen Sie nicht ins Auge?

Womöglich bleibt uns gar nichts anderes übrig, wenn wir neue Nutzer finden wollen. Es ist wahrscheinlich, dass diese zur Miete in Beinwil wohnen werden. Passen wir den Stiftungszweck an, wären etwa auch Angebote aus dem kirchlich-sozialen Bereich möglich.

In den letzten Wochen tauchte auch der Vorschlag eines Seminarhauses auf. Was halten Sie von einer solchen Nutzung?

Eine kommerzielle Nutzung ist – zumindest mit dem jetzigen Zweck unserer Stiftung – ausgeschlossen. Die Stiftung hat einen kirchlichen Auftrag, der dann nicht mehr erfüllt wäre. Ich würde mich sehr wundern, wenn jemand das Kloster Beinwil für kommerzielle Zwecke nutzen möchte. Ich halte das auch aufgrund der peripheren Lage des Klosters für sehr unwahrscheinlich.

Was passiert mit dem Kloster Beinwil, wenn Sie niemanden finden? Die ökumenische Gemeinschaft zieht schon Ende dieses Jahres aus.

Daran möchten wir momentan noch nicht denken. Wenn wir aber unseren Stiftungszweck nicht mehr erfüllen können, müssen wir die Stiftung auflösen. Der Konventbau des Klosters gehört dem Kloster Mariastein, das sich dann darum kümmern müsste. Unsere Stiftung hat das Kloster nur in einer sogenannten Dienstbarkeit. Abt Peter von Sury unterstützt uns hilfreich dabei, neue Nutzer zu finden.

Wieso möchten Sie, dass das Kloster Beinwil in Betrieb bleibt?

Es geht nicht um den Betrieb eines Klosters. Beinwil ist, seit der Konvent Mitte des 17. Jahrhunderts nach Mariastein gezogen ist, kein Kloster mehr. Wir möchten, dass die Gebäude des ehemaligen Klosters im Sinn des schon zitierten Zweckes gebraucht werden. Das ist für die Stiftung der springende Punkt: Finden sich Menschen, die genau diesen Ort für ein geistliches Leben brauchen könnten? Das ist auch die Voraussetzung dafür, dass wir für die anstehenden Sanierungsarbeiten an Fenstern und Fassaden sowie für eine neue Heizung die nötigen Mittel bekommen. Es handelt sich um Kosten von rund 500 000 Franken, die nicht aufzutreiben sind, wenn das Kloster leer steht.

Kommen wir auf den Auszug der ökumenischen Gemeinschaft zu sprechen. Deren Co-Leiter Christoph Wilden erklärte, dass der zuletzt festgestellte Gästeschwund für die Gemeinschaft nicht mehr tragbar sein. Was halten Sie davon?

Ob zuletzt tatsächlich weniger Besucherinnen und Besucher ins Kloster Beinwil kamen, kann ich nicht beurteilen. Die ökumenische Gemeinschaft hat uns nie Zahlen über die Anzahl der Gäste geliefert.

Christoph Wilden äusserte sich auch zu den Gründen für den Rückgang. Die aus dem fremdvermieteten Pfarrhaus dringenden Geräusche würden Gäste davon abhalten zu kommen.

Der Stiftungsrat bezweifelt, dass Ruhestörung durch eine Familie in der oberen Wohnung des Pfarrhauses der Grund für die Schwierigkeiten ist. Wäre dem tatsächlich so, hätte die Gemeinschaft die Wohnung selber mieten können.

Was glauben Sie, ist denn der Grund für den Auszug der ökumenischen Gemeinschaft?

Der Stiftungsrat ist der Ansicht, dass das Problem ein völlig anderes ist. Die ökumenische Gemeinschaft ist kräftemässig an ihre Grenzen gestossen. Das ist kein Vorwurf. Wir anerkennen die grosse Leistung der ökumenischen Gemeinschaft in den letzten zehn Jahren, besonders die von Christoph Wilden. Dass er selber weitermachen will, bezweifeln wir auch überhaupt nicht. Nur haben wir Zweifel daran, ob die anderen Mitglieder der Gemeinschaft das ebenfalls noch möchten und können. Die Kündigung des Nutzungsvertrags, den die Gemeinschaft schon im vergangenen Dezember beschlossen hatte, musste die Stiftung so verstehen, dass die Gemeinschaft nicht weitermachen könne und wolle. Ich hatte sie vorweg ausdrücklich gebeten, ihre Situation an diesem Tag grundsätzlich zu klären.

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