Pandemie
Zwei Baselbieter Kirchgemeinden verlangen für die Versammlung ein Covid-Zertifikat – fälschlicherweise

Roter, oranger oder grüner Bereich? Die Vorgaben zur Zertifikatspflicht haben im Kanton Baselland für Verwirrung gesorgt.

Sharleen Wüest
Drucken
Teilen
Verwirrung punkto Zertifikatspflicht gibt es nicht nur bei den Kirchgemeindeversammlungen.

Verwirrung punkto Zertifikatspflicht gibt es nicht nur bei den Kirchgemeindeversammlungen.

Keystone/Pierre Albouy

Wer die Kirchgemeindeversammlung der reformierten Kirche Biel-Benken am 23. November besuchen möchte, muss ein gültiges Covid-Zertifikat vorweisen. Dazu wurden zumindest Interessierte auf der Website der Kirchgemeinde ermahnt. Rechtens ist das Ganze aber nicht.

Denn vom Bundesamt für Gesundheit BAG werden Kirchgemeindeversammlungen im grünen Bereich eingestuft. Dies bestätigt ein Sprecher des Bundesamtes auf Anfrage. Das heisst, dass «grüne» Veranstaltungen von einer Zertifikatspflicht ausgenommen sind. Dazu gehören unter anderem der öffentliche Verkehr, der Detailhandel sowie Treffen von Parlamenten und Gemeindeversammlungen. Da es sich bei Kirchgemeindeversammlungen auch um einen demokratischen Prozess beziehungsweise eine Veranstaltung zur politischen Meinungsbildung handelt, gehören auch diese dazu.

Zwei Kirchgemeinden haben versehentlich Zertifikatspflicht angekündigt

Die bz hat die Reformierte Kirchgemeinde Biel-Benken auf den Fehler hingewiesen – und stiess auf spontane Unsicherheit. «Nein, das war natürlich kein bewusster Verstoss gegen die Regeln, sondern ein Missverständnis», sagt Daniel Jäggi, Präsident der Kirchenpflege, auf Anfrage. In einem weiteren Telefonat ergänzt Jäggi:

«Wir haben die Sache nochmals abgeklärt und das Missverständnis korrigiert.»

Klar sei, dass man den Verordnungen des BAG folgen werde. Das heisst für die Kirchgemeindeversammlung Maskenpflicht und Abstand, sofern sich die vorgegebenen Massnahmen nicht noch ändern.

Auch die römisch-katholische Pfarrei St.Stephan Therwil/Biel-Benken hat für die Kirchgemeindeversammlung am 16. November versehentlich eine Zertifikatspflicht angekündigt. Auf den Fehler angesprochen, waren die Verantwortlichen ebenfalls überrascht. «Eine Sitzung, an der unter anderem der Umgang mit den Covid-Bestimmungen in Bezug auf den an die Versammlung anschliessenden Apéro besprochen wird, findet erst noch statt», sagt Präsidentin Patricia Hacker. Ein internes Missverständnis. Hacker versichert:

«An der Kirchgemeindeversammlung wird, wie vom Bund vorgesehen, Maskenpflicht und keine Zertifikatspflicht gelten.»

Der Eintrag auf der Website wurde bereits abgeändert.

Roter, oranger, grüner Bereich – was heisst das?

Verwirrung punkto Zertifikatspflicht gibt es aber nicht nur bei den Kirchgemeindeversammlungen. Vergangene Woche ist auch die Gemeinde Reigoldswil in die Falle getappt. Auf der Gemeindeapp wurde angekündigt, dass die kommende Gemeindeversammlung nur mit Zertifikat besucht werden könne. Verantwortliche der Gemeinde hätten den Fehler aber bemerkt und angepasst.

Roter, oranger oder grüner Bereich: So wird der Einsatz des Covid-Zertifikats innerhalb der Schweiz unterteilt. Bei Veranstaltungen im roten Bereich ist das Zertifikat obligatorisch. Dazu gehören unter anderem Grossveranstaltungen ab 1000 Personen, Veranstaltungen in Innenräumen sowie Innenbereiche von Bars und Restaurants. Alles, was in den orangen Bereich fällt, lässt Ermessensspielraum zu. Die Betriebe können selber entscheiden, ob sie den Zugang nur auf Personen mit einem Covid-Zertifikat beschränken wollen oder nicht. Dazu zählen zum Beispiel Aussenbereiche von Bars und Restaurants, Fach- und Publikumsmessen im Freien sowie der Arbeitsplatz.

Booster-Impfung im Baselbiet gestartet

Seit Mittwoch wurden im Kanton Baselland 137 Covid-Ansteckungen registriert. 28 Personen befinden sich aktuell mit Covid-19 in einem Baselbieter Spital. Auf der Intensivstation wird eine Person gepflegt. Eine weitere Person ist an oder mit einer Covid-Erkrankung gestorben. Der Kanton Basel-Stadt verzeichnet 99 neue Ansteckungen. Die Zahl der Todesfälle ist konstant geblieben. 35 Personen sind zurzeit hospitalisiert, fünf davon auf der Intensivstation. Der Bezirk Dorneck vermeldet 39 neue Fälle. 15 davon sind aus der Gemeinde Dornach. Im Bezirk Thierstein im Schwarzbubenland werden 11 Neuansteckungen verzeichnet.

Die Covid-Impfung geht im Baselbiet in die dritte Runde. Seit Donnerstag, 11. November, werden Booster-Impfungen verabreicht. Dies teilt der Kanton in einer Meldung mit. Angemeldet haben sich bisher 8700 Personen. Im Impfzentrum Muttenz wurden am ersten Tag bereits 320 solche Impfungen an Personen über 65 verabreicht.

Die Situation im Alters- und Pflegeheim Käppeli in Muttenz ist laut Kanton den Umständen entsprechend stabil. Aktuell befinden sich drei Personen im Spital. Erste Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitenden konnten aus der Isolation entlassen werden. Dagegen wurden drei Bewohner und drei Mitarbeiter des Alters- und Pflegeheims Obesunne in Arlesheim positiv getestet und befinden sich in Isolation. (wue)

Aktuelle Nachrichten