Oberwil
Erneut wurden im Baselbiet Geldautomaten gesprengt – «Sicherheitsmassnahmen entsprechen hohen Standards»

Ziel waren diesmal zwei Bancomaten der Basellandschaftlichen Kantonalbank an der Hauptstrasse in Oberwil. Eine weitere nicht detonierte Sprengladung musste entschärft werden.

Bojan Stula
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Der Tatort am Morgen danach: Die Polizei hat das Gelände weiträumig abgesperrt. Der Coop-Parkplatz ist vorerst nicht zugänglich.

Der Tatort am Morgen danach: Die Polizei hat das Gelände weiträumig abgesperrt. Der Coop-Parkplatz ist vorerst nicht zugänglich.

Kenneth Nars

Wie die Onlineportale von «20 Minuten» und «Telebasel» am frühen Freitagvormittag berichteten, erfolgte in der Nacht auf Freitag ein Angriff auf mindestens einen Geldautomaten in der Kantonalbank-Filiale an der Oberwiler Hauptstrasse. Erste Bilder und Videoaufnahmen vom Tatort zeigten ein grosses Bild der Zerstörung im Innenraum des Automatenraums. Die Polizei Basel-Landschaft bestätigte die Medienberichte.

Laut Zeugenaussagen wurde in der Nacht gegen 3 Uhr morgens in Oberwil ein lauter Knall vernommen. Unbekannte Täter seien daraufhin in einem SUV geflüchtet. In den Morgenstunden waren diverse Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr noch vor Ort, unter anderem eine Bombenentschärfungsequipe mit einem Roboter sowie weitere kriminaltechnische Spezialistinnen und Spezialisten der Berner Kantonalpolizei, mit denen das Baselbieter Korps vertraglich verbunden ist.

Die Einsatzkräfte rückten noch in der Nacht mit einem Grossaufgebot an. (Leserbild)

Die Einsatzkräfte rückten noch in der Nacht mit einem Grossaufgebot an. (Leserbild)

ZVG, R. Hof/bz

Bereits der vierte Angriff in dreieinhalb Jahren im Baselbiet

Im Landkanton war dies bereits der vierte derartige Raubversuch in den vergangenen dreieinhalb Jahren nach Anschlägen in Schönenbuch im Februar 2019, einem lange nicht öffentlich kommunizierten, da erfolglosen Sprengversuch 2020 in Allschwil sowie dem Angriff auf eine UBS-Automaten Ende März bei der Landi Aesch. Erstmals waren Automaten der Basellandschaftlichen Kantonalbank betroffen.

In allen bisherigen Fällen wurde nie öffentlich bekannt, wie viel Geld die Räuber erbeuten konnten, da sich die Banken in solchen Fällen in ihrer öffentlichen Kommunikation äusserst wortkarg geben. Von Expertenseite wird den Banken immer wieder vorgeworfen, sie würden nicht genügend investieren, um ihre Automaten besser vor solchen Angriffen zu schützen.

Auf Anfrage der bz schreibt die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB), dass die Höhe des Schadens zur Zeit unbekannt und Sache der Polizeiermittlungen sei. Bankensprecherin Sandra Rousseau betont:

«Die Sicherheitsmassnahmen der BLKB in den Banken und an den Bancomaten entsprechen den heutigen hohen Standards, wie sie auch bei anderen Banken zum Einsatz kommen.»

Wegen des Angriffs bleibt die Oberwiler BLKB-Filiale den ganzen Freitag geschlossen. Die benachbarte Coop-Filiale sei dagegen weitgehend verschont geblieben, teilt die Kommunikationsverantwortliche Mirjam Arnold auf Anfrage mit. Der unmittelbar neben dem Tatort liegende Kiosk werde am Freitag mit «vereinzelten» Einschränkungen weiterbetrieben. Blumen und Zeitschriften sind laut Arnold dagegen normal erhältlich.

Polizei spricht in Mitteilung von zwei betroffenen Bancomaten - Geldscheine am Boden verstreut

Kurz nach 10 Uhr reagiert auch die Baselbieter Polizei mit einer Mitteilung: Durch die Sprengung kurz vor 3 Uhr durch eine unbekannte Täterschaft seien keine Personen verletzt worden. Der entsprechende Alarmmeldung ging bei der Notrufzentrale der Polizei um 2.57 Uhr ein. Der Sachschaden sei gross.

Gesprengte Geldautomaten in Oberwil: Haufenweise Franken- und Euro-Noten liegen verstreut.

Gesprengte Geldautomaten in Oberwil: Haufenweise Franken- und Euro-Noten liegen verstreut.

zvg / Polizei BL

Laut Polizeimitteilung können derzeit können «weder zur Täterschaft, noch zum Deliktsbetrag irgendwelche Angaben gemacht werden». Wie auf einem Polizeibild zu erkennen ist, lagen nach der Tat im Automatenraum weit verstreut Franken- und Euro-Geldscheine herum, die von der Täterschaft offensichtlich nicht mehr eingesammelt werden konnten.

Und weiter schreibt die Polizei: «Da im Verlauf der Tatbestandsaufnahme vor Ort eine weitere, nicht detonierte Sprengladung entdeckt wurde, musste das betroffene Gebäude geräumt und die Hauptstrasse kurzzeitig gesperrt werden. Die Sprengladung konnte folglich durch Spezialisten der Polizei unschädlich gemacht werden.»

Um einen weiteren nicht detonierten Sprengsatz zu sichern, setzte die Polizei einen ferngelenkten Roboter ein.

Um einen weiteren nicht detonierten Sprengsatz zu sichern, setzte die Polizei einen ferngelenkten Roboter ein.

BRK News

In Zusammenarbeit mit der Baselbieter Staatsanwaltschaft und der Bundespolizei fedpol seien entsprechende Ermittlungen aufgenommen. worden. Die Polizei Basel-Landschaft sucht Zeugen: «Personen, die im Bereich der Hauptstrasse verdächtige Feststellungen (Personen, Fahrzeuge etc.) gemacht haben, sollen sich unter der Telefonnummer 061 553 35 35, melden.»

Sprengungen von Bankautomaten häufen sich

Laut Zeugenaussagen wurde in der Nacht gegen 3 Uhr morgens in Oberwil ein lauter Knall vernommen.

Laut Zeugenaussagen wurde in der Nacht gegen 3 Uhr morgens in Oberwil ein lauter Knall vernommen.

BRK News

Wie die Nachrichtenagentur SDA am Freitag schreibt, führt die für solche Delikte zuständige Bundesanwaltschaft derzeit Ermittlungen zu rund 30 ähnlich gelagerten Fällen durch. Die Täterschaft stamme meist aus dem Ausland. Soeben habe die Bundesanwaltschaft - erstmals überhaupt - eine Anklage wegen der Sprengung eines Bancomaten erheben können. Vor das Bundesstrafgericht in Bellinzona kommt ein 30-jähriger Rumäne, der 2019 bei einem Überfall auf einen Automaten im St. Gallischen Sevelen knapp 127'000 Franken erbeutet haben soll.

Ende August gingen der deutschen Polizei zwei mutmassliche Serientäter ins Netz, die im südbadischen Raum rund um Freiburg sieben Geldautomaten gesprengt und dabei einen sechsstelligen Betrag erbeutet haben sollen. Gegen weitere mögliche Mittäter werde noch ermittelt. Wie jüngst die «Badische Zeitung» schrieb, sei es deren Methode gewesen, Gas in die Geldautomaten zu leiten und dann eine Explosion auszulösen. Die Sachschäden waren in der Folge entsprechend gross.

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