Fluglärm
Nun spannen die Lärmgegner des Euro-Airport zusammen – und stellen Forderungen

Erstmals stellen die Anrainerverbände aus allen drei Nationen gemeinsame Forderungen auf.

Julia Gohl
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Seit Jahren kämpfen fünf Anrainerverbände gegen Fluglärm rund um den Euro-Airport – bisher mehrheitlich getrennt.

Seit Jahren kämpfen fünf Anrainerverbände gegen Fluglärm rund um den Euro-Airport – bisher mehrheitlich getrennt.

Alex Spichale

Im Oktober soll es endlich soweit sein: Die fünf Anrainerverbände aus den drei Ländern rund um den Euro-Airport (EAP) werden zum ersten Mal mit gemeinsamen Forderungen auftreten. Zumindest hat eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern aller Verbände drei Vorschläge ausgearbeitet, die zurzeit in der Vernehmlassung sind.

Das ist ein grosser Schritt, wenn man bedenkt, dass die drei Schweizer Anrainerverbände es erst vor knapp zwei Jahren geschafft haben, einen gemeinsamen Forderungskatalog zu verabschieden. Und damals klang es nicht danach, als wären trinationale Forderungen in Reichweite. Nicht nur, weil die Schweizer Verbände betonten, wie schwierig eine Einigung war. Auch, weil bei der Präsentation der Forderungen der Vertreter des Elsässer Anrainerverbands im Publikum deutliche Worte fand: Egoistisch seien die Schweizer Verbände. Sie würden den Lärm einfach zu ihren Nachbarn abschieben.

Entsprechend war die Arbeit in der trinationalen Arbeitsgruppe am Anfang auch nicht einfach, erzählt Robert Vogt. «Unsere Vorstellungen langen zu Beginn meilenweit auseinander. Dann realisierten wir, dass wir mit groben Zielen arbeiten müssen und uns nicht auf Details versteifen dürfen.» Der Allschwiler Gemeinderat war in seiner Gemeinde bis Ende Juni für das Thema Fluglärm zuständig und vertrat in dieser Funktion auch den Gemeindeverbund Flugverkehr in der Arbeitsgruppe.

Nummer eins unter diesen groben Zielen ist schon wie bei den Schweizer Anrainerverbänden die Verlängerung der Nachtflugsperre auf 23 bis 6 Uhr statt der aktuellen Dauer von 24 bis 5 Uhr. «Bei diesem Thema gab es überhaupt keinen Widerspruch», so Vogt. Die Arbeitsgruppe fordert weiter lärmärmere Flugverfahren für die sogenannte Elbeg-Route, bei der das Flugzeug zwar in Richtung Süden abhebt, dann aber direkt eine Kurve fliegt, um schliesslich nach Osten weiterzufliegen.

«Wir müssen unbedingt weiterhin über die Grenzen zusammenarbeiten.» Robert Vogt Gemeinderat von Allschwil und ehemaliges Mitglied der trinationalen Arbeitsgruppe

«Wir müssen unbedingt weiterhin über die Grenzen zusammenarbeiten.» Robert Vogt Gemeinderat von Allschwil und ehemaliges Mitglied der trinationalen Arbeitsgruppe

Umstrittene Plafonierung

Die dritte Forderung war gemäss Vogt die umstrittenste: die Plafonierung der Flugbewegungen auf 100'000 im Jahr. 2016 waren es zwar nur 95'545. «Aber in der Infrastrukturplanung des EAP ist bereits von 147'000 Flugbewegungen die Rede, und das ist definitiv zu viel», findet Vogt. Darum hätten auch er und seine Kollegen im Allschwiler Gemeinderat sich zu dieser Forderung durchringen können, so der FDP-Politiker. «Auch wenn die Plafonierung sicher keine liberale Forderung ist.»

Allschwil ist eine von sieben Gemeinden im Gemeindeverbund Flugverkehr. Zustimmen müssen auch die anderen sechs sowie der Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mülhausen, der gestern Abend nach Redaktionsschluss eine Vorstandssitzung hatte. Ebenfalls das Forum Flughafen nur mit der Region, das sich nächste Woche zur Generalversammlung trifft und der bz gegenüber vorher keine Stellung nehmen wollte. Weiter zustimmen müssen auch die Verbände der deutschen sowie der elsässischen Anrainer.

Entscheiden müssen die Verbände nicht nur, ob sie die drei Forderungen unterstützen möchten, sondern auch, ob sich die Arbeitsgruppe weiterhin treffen soll. Diese habe sich schon bereit erklärt. «Wir müssen unbedingt weiterhin über die Grenzen zusammenarbeiten», findet Robert Vogt. Früher hätten die Verbände teilweise konträre Forderungen gestellt, die sich gegenseitig sogar egalisiert hätten. «Unter solchen Voraussetzungen ist es nicht verwunderlich, dass der EAP bisher kaum tätig wurde.»