24-Stunden-Permanence
Notfalls gehen die Laufentaler für den Notfall vor Gericht

Der Laufentalvertrag soll das Angebot im jüngsten Bezirk sichern. Darin ist unter anderem festgehalten, dass das Spital «dauernd» gesichert sei. Was allerdings das Wort «dauernd» bedeutet, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Leif Simonsen
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Kompromiss: Das Spital in Laufen soll weiterhin einen 24-Stunden-Notfall und ein stationäres Angebot für Innere Medizin führen.

Kompromiss: Das Spital in Laufen soll weiterhin einen 24-Stunden-Notfall und ein stationäres Angebot für Innere Medizin führen.

Juri Junkov

Überzeugung war es nicht. Vielmehr ein taktischer Schachzug im Hinblick auf die parlamentarische Debatte und die Abstimmung über die Spitalfusion. Im April gab der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber (SVP) auf Drängen der Laufentaler nach. Der Kompromiss sieht vor, dass das Spital in Laufen weiterhin einen 24-Stunden-Notfall und ein stationäres Angebot für Innere Medizin führen werde.

Das Angebot wird den Kanton jährlich 1,67 Millionen Franken kosten – sofern es im Landrat überhaupt eine Mehrheit erreicht. Das ist ungewiss, wie dem gestern publizierten Bericht der vorberatenden Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission (VGK) zu entnehmen ist. Lediglich sechs Kommissionsmitglieder sprachen sich für die angestrebte Beibehaltung des Angebots im Laufental aus, vier stimmten dagegen, zwei enthielten sich. Sven Inäbnit (FDP) hält insbesondere die Aufrechterhaltung des stationären Angebots im Laufental für unsinnig. «Die Infrastruktur ist dermassen fixkostenintensiv. Das lohnt sich versorgungstechnisch einfach nicht.»

Noch heisser dürfte die Debatte um den Notfall werden. Einige Kommissionsmitglieder stellten sich auf den Standpunkt, dass die Anbindung an die regionale Gesundheitsversorgung auch ohne durchgängig geöffnete Notfallstation gewährleistet sei. «Dieses Argument wurde gestützt mit dem Verweis auf die vollwertigen Notfallstationen in Dornach und Delémont (in jeweils 20 Minuten zu erreichen) oder auf dem Bruderholz (in 25 Minuten Auto-Distanz)», ist dem Kommissionsbericht zu entnehmen. Inäbnit hält die angedachte 24-Stunden-Permanence in Laufen aus einem anderen Grund für unnötig. «Wenn man sieht, was für Symptome hier behandelt werden, dann muss man sagen: Hiermit kann der Patient auch bis zum nächsten Morgen warten.» Tatsächlich ist im Laufentaler Notfall lediglich die Behandlung leichter Fälle vorgesehen: Quetschungen, Verstauchungen oder Hals- und Ohrenschmerzen etwa. Inäbnit ist jedenfalls der Meinung, dass das «Zugeständnis» ans Laufental überflüssig sei.

«Es muss einmal abschliessend geklärt werden, was das Wort ‹dauernd› bedeutet.» Marc Scherrer CVP-Landrat

«Es muss einmal abschliessend geklärt werden, was das Wort ‹dauernd› bedeutet.» Marc Scherrer CVP-Landrat

Martin Toengi

Scherrer will «auf Tutti» gehen

Eine knappe Kommissions-Mehrheit vertritt Marc Scherrer (CVP), selbst Laufentaler. Er setzt sich für das Spital ein und hält sowohl die 24-Stunden-Permanence als auch das stationäre Angebot für gerechtfertigt. «Nachts um zwei Uhr verlierst du wertvolle Zeit, wenn du einen dringenden Notfall hast», sagt er. Auch eine gewisse Bettenkapazität brauche es.
Die Differenzen zur Zukunft des Laufentaler Spitals sind gross – und werden womöglich nicht nur politisch, sondern juristisch ausgefochten. Im Zentrum steht hier der Laufentalvertrag, der den 1994 vollzogenen Kantonswechsel des Bezirks zu Baselland regelte.

Darin ist unter anderem festgehalten, dass das Spital «dauernd» gesichert sei. Was allerdings das Wort «dauernd» bedeutet, darüber gehen die Meinungen auseinander. Selbst ein vor etwas über fünf Jahren in Auftrag gegebenes Gutachten brachte keine Klarheit. Scherrer jedenfalls will nicht ausschliessen, dass es im Fall einer Niederlage im Landrat zu einem juristischen Showdown kommt.

«Ich könnte mir vorstellen, dass wir Laufentaler hier auf Tutti gehen und wissen wollen, wie die Rechtsgrundlage dieses Vertrags aussieht. Es muss einmal abschliessend geklärt werden, was das Wort ‹dauernd› bedeutet. Dies müsste auch im Interesse des Kantons sein.» Dem würde auch Inäbnit offen gegenüber stehen. «Wenn das geklärt ist, würden die Diskussionen endlich verstummen, die alle paar Jahre geführt werden.»