Baselbiet
Neue Burg entdeckt – mehr wurde nicht verraten

Die Kantonsarchäologie des Baselbiets berichtete am Donnerstag von vielen neuen Funden, zum überraschendsten wollte sie aber nichts sagen. Es handelt sich dabei um die Überreste einer Burg, die gefunden wurden.

Andreas Hirsbrunner
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Die Sanierungsarbeiten an der Ruine Pfeffingen waren und sind noch bis 2018 die wichtigste Baustelle der Baselbieter Archäologie.

Die Sanierungsarbeiten an der Ruine Pfeffingen waren und sind noch bis 2018 die wichtigste Baustelle der Baselbieter Archäologie.

Martin Töngi

Zur kleinen Sensation, die in den letzten Monaten ans Tageslicht kam, gab sich das Führungsduo der Baselbieter Archäologie an der gestrigen, traditionellen Jahresmedienkonferenz zugeknöpft. Nur so viel verriet Kantonsarchäologe Reto Marti: Ein sogenannter Späher habe in einer Gemeinde des oberen Kantonteils, in der bisher nichts von einer Burg bekannt gewesen war, Überreste einer Burg gefunden.

Mehr verriet Marti nicht, da seine Profis zuerst Grabungen durchführen wollen, bevor das Heer von Hobbyarchäologen vor Ort auftaucht. Späher werden im Übrigen jene zwei Handvoll ehrenamtlichen Mitarbeiter der Archäologie genannt, die meist Wochenende für Wochenende durch Felder und Wälder streifen, den Blick immer auf neue Funde ausgerichtet. Sie haben laut Marti im letzten Jahr ein halbes Dutzend neue Fundstellen entdeckt.

Gesprächiger waren Marti und sein Stellvertreter Andreas Fischer zu dem, was ihre Leute im letzten Jahr in Frenkendorf, Oberwil, Therwil und Ettingen selber ausgegraben haben. Dabei handelte es sich mehrheitlich um Notgrabungen, das heisst, die Archäologie musste wegen eines Baugesuchs in einem geschichtlich sensiblen Bereich unter Zeitdruck reagieren. Und von solchen Bereichen wimmelt es im Baselbiet: Bis Ende letzten Jahres zählte die Archäologie nicht weniger als 3523 Fundpunkte im ganzen Kanton.

Notgrabungen sind aber nicht nur Feuerwehrübungen, die eine detaillierte Jahresplanung verunmöglichen, sondern sie bringen auch im Multipack Relikte aus früheren Zeiten an die Oberfläche. Die Zahl der Funde schwankt dabei zwischen einem Dutzend Objekten bei der letztjährigen Grabung in Frenkendorf und einem eigentlichen Scherbenteppich mit 90'000 Teilchen bei einer früheren Grabung in Reinach. Durchschnittlich fallen pro Jahr 20'000 Funde an.

All diese Objekte werden verortet, gesäubert, beschriftet, teils auch geröntgt, konserviert und restauriert. Nebst viel Handarbeit hilft dabei auch neuste Technik, so etwa ein Scherbendrucker, der die Teile nummeriert und direkt in der Datenbank abspeichert. Beim Gang durch die Arbeitsräume, das Konservierungslabor und das Archiv der Archäologie konnte Marti nicht ohne Stolz verkünden: «Wir haben bis jetzt hier ohne die kleinen Scherben 800'000 Funde inventarisiert.»

Gegen aussen wird die Archäologie aber nicht in erster Linie wegen dieser Klein-Arbeiten und -Funde wahrgenommen, sondern wegen der grossen Würfe. Und das war und ist die Sanierung der Ruine Pfeffingen, die noch bis 2018 dauert. Bis jetzt seien zwei Drittel des Wohnturms instand gestellt worden, sagte Marti. Danach folgt die Farnsburg, deren Schildmauer ja bereits 2013 notfallmässig repariert werden musste. Und irgendwann in den nächsten Monaten will die Archäologie auch noch das Rätsel auflösen, wo im ohnehin schon burgendichten Baselbiet eine neue Anlage entdeckt wurde. Wir warten gespannt.

Bedeutende archäologische Funde im letzten Jahr im Baselbiet:

Frenkendorf: Bei den Bauarbeiten des «Läckerli Huus» in Frenkendorf kam es im März 2013 zu einem grossen archäologischen Fund von Keramikfragmenten und Feuersteinsplittern aus 3340–3020 vor Christus. Ein sehr spezielles Stück dieser Ausgrabungen ist das Fragment eines Zwischenfutters eines Steinbeils. Dabei handelt es sich um ein aus Hirschgeweih gefertigtes Teil. (stu)

Frenkendorf: Bei den Bauarbeiten des «Läckerli Huus» in Frenkendorf kam es im März 2013 zu einem grossen archäologischen Fund von Keramikfragmenten und Feuersteinsplittern aus 3340–3020 vor Christus. Ein sehr spezielles Stück dieser Ausgrabungen ist das Fragment eines Zwischenfutters eines Steinbeils. Dabei handelt es sich um ein aus Hirschgeweih gefertigtes Teil. (stu)

Zur Verfügung gestellt
Ettingen: Auf dem Witterswilerberg in Ettingen stiessen die Archäologen auf insgesamt 68 römische Münzen, die im Boden vergraben waren. Das Alter der Münzen ist noch nicht genau bestimmt, man vermutet jedoch, dass sie etwa aus dem zweiten Jahrhundert stammen. Ein weiterer erwähnenswerter Fund war ein römischer Schreibgriffel. (stu)

Ettingen: Auf dem Witterswilerberg in Ettingen stiessen die Archäologen auf insgesamt 68 römische Münzen, die im Boden vergraben waren. Das Alter der Münzen ist noch nicht genau bestimmt, man vermutet jedoch, dass sie etwa aus dem zweiten Jahrhundert stammen. Ein weiterer erwähnenswerter Fund war ein römischer Schreibgriffel. (stu)

Zur Verfügung gestellt
Oberwil: Vor 40 Jahren sind bei Baustellenkontrollen bei der Langegasse mehrere Töpferöfen aus dem 7. Jahrhundert entdeckt worden. Das Fundmaterial war weit über die Region hinaus von grosser Bedeutung, da es erstmals in der Schweiz eine solche frühmittelalterliche Keramikproduktion mit genauer Herkunft gab. Jetzt wurden erneut Teile davon ausgegraben. (stu)

Oberwil: Vor 40 Jahren sind bei Baustellenkontrollen bei der Langegasse mehrere Töpferöfen aus dem 7. Jahrhundert entdeckt worden. Das Fundmaterial war weit über die Region hinaus von grosser Bedeutung, da es erstmals in der Schweiz eine solche frühmittelalterliche Keramikproduktion mit genauer Herkunft gab. Jetzt wurden erneut Teile davon ausgegraben. (stu)

Zur Verfügung gestellt
Therwil: Ein weiterer Fundort frühmittelalterlicher Keramikfragmente befindet sich am Mühlebach in Therwil. Es gibt jedoch ausser wenigen Pfostengruben keine weiteren Siedlungshinweise.Bei einer Ausgrabung im Sommer 2013 wurden vier Sodbrunnen sowie mehrere Gruben und Gräber freigelegt, welche wiederum auf eine Besiedlung hindeuten. (stu)

Therwil: Ein weiterer Fundort frühmittelalterlicher Keramikfragmente befindet sich am Mühlebach in Therwil. Es gibt jedoch ausser wenigen Pfostengruben keine weiteren Siedlungshinweise.Bei einer Ausgrabung im Sommer 2013 wurden vier Sodbrunnen sowie mehrere Gruben und Gräber freigelegt, welche wiederum auf eine Besiedlung hindeuten. (stu)

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