Kommentar
Monopolist erkennt die Chance nicht

Benjamin Wieland
Benjamin Wieland
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Die Schweizer Salinen müssen ohne Salz aus der Rütihard in Muttenz auskommen. Das Projekt wird für mindestens 20 Jahre sistiert.

Die Schweizer Salinen müssen ohne Salz aus der Rütihard in Muttenz auskommen. Das Projekt wird für mindestens 20 Jahre sistiert.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Die Schweizer Salinen brauchen dringend Ersatz für das gescheiterte Projekt auf der Muttenzer Rütihard. Es hätte total 4,5 Millionen Tonnen Salz geliefert – fast achtmal der Schweizer Jahresbedarf an Salz. Doch die Salinen geben sich bei der Suche nach alternativen Abbaugebieten intransparent.

Die Einwohner von sechs Baselbieter Gemeinden erfahren – wenn überhaupt – aus dem Amtsblatt davon, dass bald ein Fahrzeug der Salinen auftaucht, um Messungen vorzunehmen. Und wo genau der Untergrund erkundet wird, darüber schweigen sich die Salinen aus. Ebenso über Probebohrungen.

Gerade nach dem Eklat mit der Rütihard sollte das Unternehmen im Eigentum der 26 Kantone wissen: Gegen den Widerstand der Bevölkerung Salz fördern zu wollen, ist keine gute Idee. Doch die Zeit arbeitet für die Salinen. Das Wort Selbstversorgung ist nach dem Corona-Lockdown wieder in aller Munde. Die Schweiz soll dafür sorgen, dass wichtige Güter möglichst aus einheimischer Produktion stammen. Selbst wirtschaftsliberale Geister können sich mittlerweile für dieses Credo erwärmen.

Beim Salz ist Selbstversorgung Realität. Die Schweizer Salinen AG beherrscht als quasi-staatlicher Monopolist einen geschützten Markt. Wollen die Salinen ihren Auftrag behalten, brauchen sie neue Fördergebiete – vor allem aber die Akzeptanz der Betroffenen und der Bevölkerung. Vertrauen gibts jedoch nur mit Offenheit, nicht aber mit Geheimniskrämerei.