Baselbieter Fasnacht
Mit Plaketten für alle Sammler: Es wird ein leiser, kreativer Fasnachtsjahrgang im Baselbiet

Ob Allschwil, Liestal, Pratteln oder Sissach – überall gibt’s 2021 eine Art Fasnacht light. Und wichtig für Sammler: überall mit Plaketten.

Andreas Hirsbrunner
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Die Liestaler Plakette 2021 steht für die Unsicherheit: Der Waggis würfelt inmitten von Coronaviren.

Die Liestaler Plakette 2021 steht für die Unsicherheit: Der Waggis würfelt inmitten von Coronaviren.

Zur Verfügung gestellt

Die grossen Fasnachtselemente wie Umzüge, Guggenkonzerte oder Spezialevents wie der Liestaler Chienbäse finden im 2021 «vo Schönebuech bis Ammel, vom Bölche bis zum Rhy» nirgends statt. Doch deswegen ist nicht einfach keine Fasnacht im Baselbiet. Überall, wo die bz nachfragte, keimen Pläne, wie man das Fasnachtsfeuer auf kleiner, coronaverträglicher Flamme am Lodern halten kann. Und nirgends darf ein Element fehlen, das einfach dazu gehört – die Fasnachtsplakette.

Liestal

Am aktuellsten ist das Beispiel Liestal: Vergangenen Samstag veröffentlichte das Komitee den Siegerentwurf von Frank Schmohl unter dem Motto «Es chunnt, wie’s chunnt». Die Plakette zeigt einen Waggis mit Würfel, umgeben von Coronaviren. Damit zielt Schmohl auf die Unwägbarkeit der Fasnacht 2021. Oder mit andern Worten: Es wird gewürfelt, vielleicht ist Pech, vielleicht Glück oben. Dazu muss man wissen: Wie bei den anderen Fasnachtsplaketten-Wettbewerben auch, mussten die Entwürfe bereits im August eingereicht werden. Schmohl gewann unter 18 Einsendungen, das übrigens bereits zum dritten Mal in Liestal.

Der Präsident des Liestaler Fasnachtskomitees, Ruedi Schafroth, sagt: «Für uns war klar, dass wir eine Plakette herausgeben, ob die Fasnacht stattfindet oder nicht.» Mit deren Erlös würden auch Kosten mitfinanziert, die für die Cliquen durch das Jahr anfallen. Schafroth nennt als Beispiel Kellermieten oder Jugendförderung. Zudem sei man auch den Sammlern schuldig, eine Plakette herauszugeben.

Schafroth spricht von einer «stillen Liestaler Fasnacht» mit fasnächtlichen Schaufenster-Dekorationen im Stedtli, deren Sieger man elektronisch küren könne. Dazu gibt es eine Larvenausstellung im Kantonsmuseum und ein Höhenfeuer ohne Publikum, dessen Ort Schafroth geheim hält. Genauso wenig will er mit Zahlen zur Auflage der Plaketten und dem erwarteten Verkaufserlös herausrücken, nur so viel: «Letztes Jahr, als die Fasnacht sehr kurzfristig abgesagt worden war, mussten wir viele Plaketten im Alteisen entsorgen.»

Sissach

Die Fasnachtsgesellschaft hat die Siegerplakette 2021 bereits Anfang Dezember publik gemacht und in den Verkauf gebracht, einen Monat früher als in Normaljahren. Und die Rechnung scheint aufzugehen. Laut Präsident Fabio Fedriga ist die Plakette in diesem Ausnahmejahr ein beliebtes Weihnachtsgeschenk. Entworfen wurde sie vom Zunzger Stein- und Bildhauer Flavian Naber und zeigt den Viehdoktor – den Leibarzt des bekannten Sissacher Hutzgüris – ausgerüstet mit einem Stethoskop, wie er den Puls der Zeit abnimmt. Dies unter dem Sujet «luege – loose – lauffe», was Fedriga so in die Coronazeit übersetzt: «Wir schauen und hören, was die Behörden sagen, dann laufen wir in die vorgegebene Richtung.»

Diese Richtung heisst auch in Sissach Fasnacht light. Dazu Fedriga: «Wir dekorieren ab dem 6. Februar in Sissach Ladenschaufenster, Privathäuser und Strassen. Und wir gehen mit dem Glöggliwagen zu den Leuten, damit die Leute nicht geballt zu uns kommen.» Details will er nicht verraten. In den Genuss kämen aber unter anderen die Nachbardörfer sowie die ältere und jüngere Generation.

Die Sissacher Fasnachtsplakette 2021.

Die Sissacher Fasnachtsplakette 2021.

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Pratteln

Das Fasnachtskomitee will seine Plakette samt Motto am 2. Januar vorstellen. Das aber nicht wie einst geplant mit einer Vernissage in der Dorfturnhalle, sondern mit einem Film, der zwischen Weihnachten und Neujahr gedreht und dann auf die Website gestellt wird. Auch hier lässt man laut Komitee-Obmann Peter Lüdin Vorsicht walten: Statt wie gewöhnlich 4'000 bis 5'000 produziere man maximal 2'000 Plaketten. Und das ausnahmsweise nur in einer aufgepeppten und dadurch etwas teureren Silber-Variante, so Lüdin. Der Gewinn fliesse an die Fasnächtler. In Pratteln ist ein Fasnachtsfeuer ohne Publikum auf Mayenfels geplant. Zudem soll der alte Brauch des «Butz», eine Art Vogel Gryff, durchgeführt werden. Das aber nicht zentral vor dem Bürgerhaus, sondern in den Quartieren.

Allschwil

Hier hängt derzeit noch vieles in der Luft, sicher aber wird es eine Plakette geben. Sie wird samt Motto am 4. Januar vorgestellt. Finanziert werden soll mit dem Erlös unter anderem die neue «FasnachtArt», wie Fasnachtsobmann Adrian Butz ankündet. Dabei sollen die Cliquen zu selbst gewählten Sujets fasnächtliche Installationen gestalten und an verschiedenen Orten aufstellen. Butz: «Die legendäre Kreativität der Allschwiler Fasnächtler soll nicht einschlafen, sondern auf andere Art und Weise aktiviert werden.»