Baselbieter Landrat
Mehr als persönlicher Ehrgeiz: Martin Dätwyler kandidiert für die FDP

Martin Dätwyler will in den Baselbieter Landrat: Der 49-jährige Direktor der Handelskammer beider Basel (HKBB) tritt für die FDP im Wahlkreis Laufen zu den Wahlen vom 31. März an.

Hans-Martin Jermann
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«Eine liberale, frei denkende Partei zeichnet sich dadurch aus, dass unterschiedliche Positionen möglich sind.» Martin Dätwyler.

«Eine liberale, frei denkende Partei zeichnet sich dadurch aus, dass unterschiedliche Positionen möglich sind.» Martin Dätwyler.

Kenneth Nars

Hinter der Kandidatur Dätwylers steckt mehr als persönlicher Ehrgeiz. Die Handelskammer hat in jüngerer Vergangenheit durch Personalentscheide ihre Nähe zur Politik intensiviert: 2017 wurde die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter zur HKBB-Präsidentin gewählt, zudem hat der grosse bikantonale Wirtschaftsverband 2018 die Basler Luca Urgese (Grossrat, FDP) und Patrick Huber (Einwohnerrat Riehen, CVP) in wichtigen Funktionen angestellt. Auch hat die HKBB im Baselbiet ein Parlamentarier-Netzwerk aufgebaut, dem – von Grünen bis SVP – zahlreiche Mandatsträger angehören.

«Wir suchen die Nähe der Parlamente», räumt Dätwyler ein. «Es ist wichtig, dass die Handelskammer auch im Landrat vertreten ist», doppelt Schneider nach. Sie habe Dätwyler zur Kandidatur ermuntert.

Der oder die letzte HKBB-Mitarbeitende, die (ebenfalls für die FDP) im Landrat politisierte, war die langjährige Kinderspital-Präsidentin Rita Kohlermann. Das war von 1988 bis 2003. Dätwylers Vorgänger Franz Saladin kandidierte 2011 im Baselbiet erfolglos für den Nationalrat, nie aber fürs Kantonsparlament. Dätwyler ist seit 2002 in verschiedenen Funktionen für die HKBB tätig; seit April 2018 steht er als Direktor an deren Spitze.

Dätwyler sagt Ja zur Spitalfusion

Elisabeth Schneider lobt Dätwylers «übergeordneten Blick auf die Region». Dieser würde dem Landrat guttun, sagt sie. Dätwyler sagt: «Wir müssen uns im Wettbewerb der Standorte als Region gut aufstellen. Ich möchte mich im Landrat für einen Ausbau der Infrastruktur und gute Rahmenbedingungen in der Bildung starkmachen.» Die Werbebotschaft klingt unspektakulär, dahinter verbergen sich aber Differenzen zur Haltung seiner Partei.

So ist der Laufner ein Befürworter der Spitalfusion, über die das Volk in beiden Basel am 10. Februar abstimmt. Die Baselbieter FDP kämpft dagegen. Bei der Universität deckte sich die Haltung der HKBB zuletzt nicht mit jener der Baselbieter FDP: Während Erstere sich gebetsmühlenartig für eine starke Uni sowie Investitionen in Bildung und Forschung stark machte, lancierte Letztere im Landrat Vorstösse, welche die Uni zu Einsparungen von 50 Millionen Franken verpflichten wollte.

Dätwyler sieht das «entspannt»: In den grossen Linien sowie in fast allen Fragen der Wirtschafts- und Verkehrspolitik sei er mit der FDP einig. «Eine liberale, frei denkende Partei zeichnet sich dadurch aus, dass unterschiedliche Positionen möglich sind», sagt er.

Für Dätwyler wirds nicht einfach

Im Wahlkreis Laufen darf der langjährige FDP-Landrat Rolf Richterich wegen der Amtszeitguillotine nicht mehr antreten. Die Gelegenheit ist für Martin Dätwyler günstig, seine Wahlchancen dennoch schwierig abzuschätzen. «Ich habe ein Handicap. Ich bin im Laufental nicht so bekannt», räumt Dätwyler ein, der im Raum Solothurn aufgewachsen ist und seit rund zehn Jahren mit der Familie in Laufen lebt. Hier amtet er als Gemeindeversammlungsvize, auch engagiert er sich in der Promotion Laufental. Die anderen Kandidaten auf der FDP-Liste – allesamt Männer – verfügen nicht über sein Renommee, dafür teilweise über eine grössere Hausmacht. Es sind: Wolfgang Borer (ehem. Geschäftsführer der Müller Bau AG, Laufen) Jörg Felix (Präsident der Liga der Steuerzahler, Röschenz) Simon Felix (Stadtrat, Laufen) Daniel Scholer (Gemeindeversammlungspräsident, Laufen), Peter Tschudin (Gemeinderat, Duggingen).

Dass bei einer Wahl Dätwylers der bikantonal orientierte, progressive Flügel gestärkt würde, relativiert die FDP-Präsidentin ad interim, Saskia Schenker: «Ich rede nicht gerne von Parteiflügeln. Die FDP-Fraktion ist schon heute sehr vielfältig.» Nach den Wahlen werde sich diese ohnehin neu finden müssen. Sie begrüsst die Kandidatur Dätwylers. «Es wäre aus Sicht der FDP positiv, wenn sich künftig zwei Verbandsdirektoren in der Fraktion engagieren würden.» Der andere ist Wirtschaftskammer-Chef Christoph Buser, der seit 2007 im Parlament sitzt.

FDP sucht Nähe zu Verbänden

Schenker betont, dass die Wirtschaftsverbände wichtige Partner der FDP seien – und zwar alle. In der Vergangenheit galt die Baselbieter FDP als sehr wirtschaftskammer-nah, auch weil Verbandsdirektor Buser und weitere Getreue in der Parteileitung sassen.

Allerdings läutete der vor Weihnachten zurückgetretene Parteichef Paul Hofer 2017 einen Kurswechsel ein. «Eine Partei muss unabhängig von den Wirtschaftsverbänden funktionieren», bekräftigt er auf Anfrage. Schenker sucht demgegenüber die Nähe der Verbände und will deren Argumente stärker einbeziehen. «Aber am Ende des Tages entscheiden sowohl die FDP als auch die Verbände natürlich autonom», sagt sie.

Zumindest ihren Neujahrsapéro vom Donnerstagabend liess sich die FDP aber von der Wirtschaftskammer sponsern. 2020 soll die Unterstützung dann vom Arbeitgeberverband Basel kommen.

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