Nachruf
Markus Ramseier – geprägt von Heiterkeit, Freude und Menschlichkeit

Philippe Hofmann*
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Markus Ramseier, Pratteln

Markus Ramseier, Pratteln

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Am 21. Juli verstarb Markus Ramseier völlig unerwartet im Alter von 63 Jahren. Als Marathon- und passionierter Langläufer war er eine ausdauernde, zähe Kämpfernatur. Seine Zuversicht, Tapferkeit und sein Urvertrauen machten ihn zu einer starken Persönlichkeit mit Aura und Ausstrahlung. Geprägt von Heiterkeit, Freude und Menschlichkeit zog Markus Ramseier sein Gegenüber unweigerlich in seinen Bann.

Auch nach fast zehn Jahren gemeinsamer Arbeit in der Orts- und Flurnamenforschung Baselland ringe ich um Worte, um seiner Person gerecht zu werden. Da sass er im Büro an seinem Arbeitstisch vor dem Bildschirm. Links und rechts auf dem Tisch je in derselben Reihe die übereinanderliegende Fachliteratur. Alle Bücher aufgeklappt, alles im Blickfeld. Rechts die Maus, links die grüne Keramik-Espressotasse, immer in Reichweite eine Schachtel Gutzi. Konzentriert, fokussiert an der akribischen Arbeit der Onomastik, gefangen und fasziniert zugleich, angezogen vom Reichtum der Namenwelt, abgestossen von der Kleinheit der schreiberischen Freiheit, vom engen Korsett der Namendeutung. Unterbrochen nur vom Gang zur Kaffeemaschine in der improvisierten Küche nebenan.

Das Büro, eine Dreizimmerwohnung am Rand von Pratteln mit Blick auf die Bahnlinie, inklusive Barrierenakustik, aber auch regelmässigen SRF1-Einschaltungen. Markus, der Rebell, der Freiheitsliebende. Nicht an der Universität, lieber ausserhalb, am Rand seines Dorfs; lieber sich über Jahre um die Finanzierung kümmern und quälen, als sich in die Abhängigkeit einer einzigen Institution zu geben. Hinter ihm die mächtige Bibliothek.

Gesammeltes Wissen, komplementär zu seiner Fachkompetenz. Bezeichnend für ihn: seine preisgekrönte Dissertation, ganz unten im Gestell, fast schon versteckt. Bescheiden wie er war, mit Demut vor der Herkulesaufgabe, die gesamte Namenlandschaft des Kantons Baselland einzufangen, zu sortieren, schichten, deuten, erarbeiten, zerteilen und verbinden, einem Puzzle gleich Silben, Worte, Namenteile, Fragmente zu einem grossen, einem riesigen Ganzen zu verarbeiten. Sieben Bände, ein Monument als Resultat.

Markus, der Chrampfer, der Ausdauermensch, der weder Nein sagen konnte, noch auch nur ans Aufgeben denken konnte, getrieben von seinem Leitspruch «s chunnt scho guet». Mit Humor, einem Lächeln und funkelnden, warmen Augen, vollbrachte es. Bis zuletzt trotzdem zweifelnd, alles hinterfragend, mit dem Gefühl, den eigenen Ansprüchen doch nicht genügen zu können. 22 Jahre Arbeit, Lebenswerk und doch eine Last in der Sehnsucht, sich in Freiheit als Schriftsteller etablieren zu können. Was er im Jahr 2017 endlich beginnen konnte, endete jäh und bleibt Fragment. Markus, danke für alles.

* Philippe Hofmann, Allschwil

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