Wärmeverbund
Liestal wird klimafreundlicher

Elektra Baselland baut den Wärmeverbund für teures Geld um und wird Liestal mit viel mehr Holz statt fossilen Brennstoffen heizen.

Andreas Hirsbrunner
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EBL Elektra Baselland. (Archivbild)

EBL Elektra Baselland. (Archivbild)

bz Basellandschaftliche Zeitung

Das ist auch für die investitionsfreudige EBL (Genossenschaft Elektra Baselland) ein Projekt der ganz grossen Kiste: Einen hohen zweistelligen Millionenbetrag will der regionale Energieversorger mit Sitz in Liestal in den nächsten zehn Jahren für die Optimierung des Fernwärmenetzes im Kantonshauptort aufwenden. Was heute ein geschichtlich bedingtes Flickwerk aus sieben kleineren Wärmeverbünden mit jeweils eigener Heizzentrale ist, soll bis 2030 zu einem grossen Ganzen namens Grosswärmeverbund Liestal zusammenwachsen.

33 Millionen für die Erweiterung und Modernisierung der Heizzentrale

Jetzt steht der erste und zugleich wichtigste Teilschritt mit Baubeginn noch in diesem Monat an: Bis Juni 2023 sollen die drei Wärmeverbünde Brunnmatt, Burg und Hallenbad mit zusammen rund 600 Hausanschlüssen mittels neuer Transportleitung mit der ebenfalls auszubauenden Heizzentrale neben der Zentralwäscherei des Spitals verbunden werden; die nächsten Teilschritte sollen 2027 und 2030 folgen.
Diese Heizzentrale, welche die EBL vor vier Jahren vom Kanton übernommen hat, ist das Kernstück des künftigen Grosswärmeverbunds. Sie erhält zwei neue Holzheizkessel mit einer Leistung von 19 Megawatt, zwei neue Fossilheizkessel für die Spitzenabdeckung, zwei Elektrofilteranlagen gegen Feinstaub, vier zusätzliche Heisswasserspeicher und anderes mehr. Das macht den Wärmeverbund bedeutend klimafreundlicher.

Projektleiter Urs Gerhard von der EBL sagt dazu: «Künftig werden wir den Wärmeverbund Liestal mit über 90 Prozent erneuerbarer Energie, das heisst mit Holzschnitzeln, beheizen. Heute beträgt dieser Anteil knapp 45 Prozent.» Für den Rest der Wärme sorgen Erdgas und Öl. Von den 42 Millionen Franken für den ersten Ausbauschritt gehen deren 33 an die Erweiterung und Modernisierung der Heizzentrale, der Rest an die Erstellung der neuen Transportleitung samt Anpassung der Anschlüsse sowie Rückbau der nicht mehr benötigten dezentralen Heizkraftwerke.

Baustelle wird koordiniert mit SBB-Vierspurausbau

Der Bau der neuen Transportleitung hat allerdings auch unliebsame Konsequenzen für Liestal: Die Strassen müssen von der Gasstrasse bis zum Hallenbad respektive Burgschulhaus aufgegraben werden; begonnen wird am Nonnenbodenweg. Und das während der nächsten drei Jahre parallel zur Grossbaustelle Vierspurausbau der SBB. Der Liestaler Stadtbaumeister Thomas Noack sagt zur zusätzlichen Belastung durch das EBL-Projekt: «Das ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Aber wir haben im Austausch mit der EBL und dem Kanton einen Weg gefunden, wie die Baustellen koordiniert bewältigt werden können.»
Für die EBL ist das Projekt Grosswärmeverbund Liestal Teil einer übergeordneten Strategie namens Erneuerbare Energieschiene Ergolztal: Teil eins war das Zusammenführen mehrerer Kleinwärmeverbünde in Pratteln von 2014 bis 2016, Teil zwei sind die geplanten Schritte in Liestal.

Und wie gehts weiter, schliesslich ist das Ergolztal viel länger? Dazu Urs Gerhard: «Es gibt keine weiteren konkreten Pläne. Unsere Vision beinhaltet jedoch die Integration aller Wärmeverbünde talaufwärts bis Ormalingen.» Ebenfalls gebe es die Idee, die Wärmeverbünde von Pratteln und Liestal miteinander zu verbinden, um vorhandene Abwärme in Pratteln wie jene der Abwasserreinigungsanlage Rhein besser nutzen zu können. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie existiere bereits, so Gerhard.

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