Liestal
Partystimmung und Dialogteams: Mehrere Hundertschaften feierten im Stedtli

Trotz abgesagtem Chienbäse feierten am Sonntag mehrere Hundertschaften in Liestal. Die Polizei zog am Abend ein «positives Zwischenfazit».

Stefan Strittmatter
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Am Sonntag lockte es so einige Leute ins Stedtli
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Putz- statt Feuerwagen am abgesagten Chienbäse in Liestal.

Am Sonntag lockte es so einige Leute ins Stedtli

Juri Junkov

So ein Wetterpech! Der strahlend blaue Himmel und die frühlingshaften Temperaturen locken die Menschen ins Stedtli – ausgerechnet jetzt, wo wegen der Pandemie generelles Veranstaltungsverbot herrscht und der traditionelle Chienbäse abgesagt ist.

Schon am frühen Nachmittag zeigt sich in Liestals Altstadt, dass es nicht alle zuhause ausgehalten haben. Die Rathausgasse ist gut besucht, kleinere Gruppen flanieren. Einige tragen ­T-Shirt und kurze Hosen, die meisten haben eine Bier­dose in der Hand. Wessen Durst nach Härterem verlangt, der nutzt die Take-aways.

Ein Fasnächtler trägt gerade ein Tablett voller Schnaps-Shots aus dem Restaurant Schweizerhof. Seine Kollegen, die mit einem Absperrband einen Limbo-Contest veranstalten, johlen erfreut. Larven trägt keiner der wenigen Kostümierten, Masken sieht man auch sonst kaum.

Neben dem Musikgeschäft steht ein einzelner Pfeiffer. Seine Darbietung erntet wohlmeinenden Szenenapplaus. Danach tauchen zwei als Osterhasen verkleidete Fasnächtler auf und zapfen dem Musiker eine Stärkung. Beim Anstossen mahnt der Hase: «Abstand!» Die Plastikbecher berühren sich nicht.

Ballermann-Musik und beobachtende Polizei

Ein anderes Bild bietet sich am frühen Nachmittag vor dem Stadttor: Mehrere Hundertschaften feiern hier. Aus den portablen Boxen tönt Ballermann-Musik, immer wieder gehen Glasflaschen in die Brüche. Die anwesende Polizei beschränkt sich aufs Beobachten.

Juri Junkov

Vereinzelt treten Mitglieder des «Dialogteams», wie sie auch in Gelterkinden und Sissach im Einsatz stehen, an die Feiernden heran. In der abendlichen Medienmitteilung zieht die kantonale Polizei ein «positives Zwischenfazit».

Weniger erfreut wirkt Ruedi Schafroth, der Präsident des Liestaler Fasnachtskomitees. Er finde es «total daneben», sagt er, dass es so ­viele Leute habe. Aber, so betont er, das seien alles keine Offiziellen, die in anderen Jahren zum Umzug gemeldet seien.

Mit der untergehenden Sonne entschärft sich die Situation von selber: Ohne die brennenden Wagen wird es hier schnell zu kühl. Als um halb acht der erste Wagen durch das Stadttor fährt, sehen das nur noch ein paar Dutzend Jugendliche: Es ist der Reinigungswagen der städtischen Betriebe.