Liestal
Liestal glitzert dank Opern-Austragung ein bisschen mehr

Populäre Aufführungen im Kino Oris in Liestal werden, zur Freude der Kinogänger, live übertragen. Dazu gibt es ein Cüpl, dazu Canapés vom Lachs und weisse Hussen über runden Stehtischen.

Lucas Huber
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Grosse Kisten bringt das neue Kino-Angebot nach Liestal.

Grosse Kisten bringt das neue Kino-Angebot nach Liestal.

Carl Thorborg

Cüpli-Trinken im samtig-roten Foyer, dazu Canapés vom Lachs, weisse Hussen über runden Stehtischen. Daran lehnen Menschen in eleganter Abendgarderobe und unterhalten sich in gedämpftem Ton. Man stimmt sich thematisch auf den Abend ein, teilt Erwartungen, zieht Vergleiche, und an den Wänden hängen Ballerina-Schuhe. In wenigen Minuten geht es los, dann hat Liestal für ein paar Stunden eine Oper.

Und was für eine. Gut, ganz korrekt ist das nicht. Seit aber das Kino Oris vergangene Woche begonnen hat, sich in Schale zu werfen und Live-Übertragungen aus dem Royal Opera House in London über die Kinoleinwand flimmern zu lassen, glitzert es in Liestal kulturell gesehen ein bisschen mehr. Zur Premiere wurde das Ballett «Manon» ausgestrahlt. Man war einigermassen zufrieden mit den Besucherzahlen, angesichts der fehlenden Werbung zumindest.

Ungewöhnliches Erlebnis

Am vergangenen Montagabend folgte nun der zweite Streich: «I due Foscari», eine Oper aus Giuseppe Verdis frühem Werk. Gesungen wurde darin auf italienisch, deutsch untertitelt. Es geht um einen Vater, oberster Herrscher von Venedig anno 1457, und seinen Sohn, der, obschon unschuldig, des Mordes bezichtigt wird. Die Verschwörung nimmt ihren Lauf, und im Kinosaal des «Oris» hatte sich der alte Doge schliesslich zwischen Staatsvernunft und Familienbund zu entscheiden.

Es ist ein ungewöhnliches Erlebnis, im Kinosessel lümmelnd das Treiben auf einer 900 Kilometer entfernten Bühne zu verfolgen. Es zieht einen in seinen Bann, keine Frage. Dank der Nahaufnahmen ist man bedeutend näher an der Mimik der Darsteller dran; näher als jeder, der live in der Oper sitzt. Und zur Einstimmung werden Interviews mit Darstellern und dem Regisseur gezeigt. Nur der Applaus, der aus London herüberbrandet zwischen den einzelnen Darbietungen, holt einen immer wieder zurück auf den Kinoboden der Realität.

«Das einzige, das etwas schmerzt: Dass nämlich das Royal Opera House bis auf den letzten Platz voll ist, und wir nicht», sagt Marcel Hinterobermaier, Geschäftsführer des Kinos Oris. Er hofft, dass sich das Angebot herumspricht unter den Kulturfreunden der Region. Bisher ist das nur bedingt geglückt, denn auch zur zweiten Vorstellung blieben viele Sitze leer im Kinosaal. Es sei einfach zu wenig bekannt gemacht worden, schätzt eine Besucherin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie habe lediglich durch Zufall davon erfahren, nun besuche sie nach der Premiere bereits die zweite Übertragung. Und das Angebot, «das ist sensationell. Und was hat Liestal denn sonst zu bieten?»

Ellen und Peter Pringsheim aus Lupsingen haben ein Abonnement für die Live-Übertragungen der New Yorker Metropolitan Opera im Kino Pathé in Basel. Zuvor waren sie schon im «Rex», weiter davor in Aarau, wo ebenfalls Live-Übertragungen von Opern ausgestrahlt werden. Für sie sei das neue Angebot in Liestal eine grosse Bereicherung. «Nun kommt die Oper immer näher zu uns», freuen sie sich.

Mit drei Minuten Verzögerung strahlen Plácido Domingo in der Rolle des alten Foscari und seine Mitstreiter über die Liestaler Leinwand. Eine Parabolantenne mit einem Durchmesser von 1,2 Metern bündelt die Daten aus London und leitet sie auf den Projektor, der sie gestochen scharf wiedergibt. Die Übertragungsrechte für eine Saison des Royal Opera House umfassen sechs Aufführungen. Über 800 Kinos in 19 Ländern nehmen das Angebot wahr.

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