Strassenbau
Liestal braucht eine Kantonsstrasse - unabhängig von der H2

Der Kanton will in Liestal eine durchgängige Kantonsstrasse. Dafür muss er einige Gemeindestrassen übernehmen. Ein offenes Fragezeichen steht noch bei der Finanzierung, die durch die Übernahme der H2 durch den Bund gelöst werden könnte.

Boris Burkhardt
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Die neue durchgängige Kantonsstrasse wird über die Rheinstrassen-Kreuzung führen, soll sie aber nicht noch mehr belasten.

Die neue durchgängige Kantonsstrasse wird über die Rheinstrassen-Kreuzung führen, soll sie aber nicht noch mehr belasten.

Kenneth Nars

«Einen gewissen Realitätssinn müssen wir uns bewahren», sagt Liestals Verkehrs-Stadtrat Peter Rohrbach und meint damit den Zentrumsanschluss, der die H2 dereinst via Kreisverkehr-Brücke (wie bei der Hülftenschanze) mit der Gasstrasse verbinden soll.

Mit diesem Anschluss soll der schnelle Zugang zum Stedtli gewährleistet und die Achse Rosen-/ Rheinstrasse entlastet werden. «Der Anschluss an die Gasstrasse wurde gegenüber dem Anschluss an den Altmarkt als die bessere Variante festgestellt», bestätigt Rohrbach.

Vignettenabstimmung entscheidet

Dennoch ist seine Verwirklichung alles andere als sicher. Zuerst einmal muss nämlich der Bund die H2 als Nationalstrasse übernehmen. Und das hängt laut Kantonsingenieur Oliver Jacobi davon ab, wie die Vignetten-Abstimmung im November ausgeht. Denn ohne Mehreinnahmen aus der Autobahnvignette werde der Bund die Übernahme der H2 vermutlich nicht finanzieren können. Dann bliebe sie wohl im Besitz des Kantons, der die dringend notwendige Sanierung der Umfahrung selbst finanzieren müsste und damit erstmal kein Geld für den Zentrumsanschluss hätte.

Derweil will der Kanton in Liestal einige Gemeindestrassen übernehmen, umso eine durchgängige Kantonsstrasse durch Liestal zu schaffen. Das ist laut Jacobi «nicht zwingend», wäre aber «strategisch sinnvoll für ein geschlossenes Netz, das funktionieren soll».

Dies gälte auch, wenn der Bund die H2 übernähme: Unter anderem sollen Ausnahmetransporte nach Möglichkeit über das Kantonsstrassennetz erfolgen. Auch im Falle einer längerfristigen Sperrung der H2 brauche der Kanton eine Umfahrung. «Ich sage den Liestalern immer, wenn sie überall Begegnungszonen einrichten, haben sie keine Ausweichmöglichkeiten mehr im Sanierungsfall», sagt Jacobi.

Die Liestaler Kantonsstrasse soll über die Rhein-, Gerber-, Rosen- und Kasinostrasse verlaufen, ausdrücklich, ohne die Rheinstrassen-Kreuzung noch mehr zu belasten. Im Gegenzug möchte der Kanton die Fraumatt- und die Erzenbergstrasse an Liestal beziehungsweise Füllinsdorf abtreten. Der Strassentausch ist im Kantonalen Richtplan vorgesehen, muss aber noch vom Landrat genehmigt werden.

Als Kantonsstrasse müsste zum Beispiel die Rosenstrasse verbreitert werden, um Platz für Velostreifen zu schaffen. Das dürfte Stephanie Fuchs vom Verkehrs-Club der Schweiz beider Basel positiv zur Kenntnis nehmen. Denn gerade auf Liestals Hauptverkehrsachsen sieht Fuchs ungenügenden Schutz für Velofahrer. Vor allem der Abschnitt zwischen Rheinstrassen-Kreuzung und Schauenburgerkreisel brauche dringend mehr Platz für Velos. Abhilfe sei erst mit der zweiten Generation des Agglomerationsprogramms 2015 bis 2018 in Sicht.

Begegnungszone

Aktion «bz in Liestal»

Die bz-Redaktoren Bojan Stula und Michael Nittnaus laden von 13 bis 14 Uhr zum Stammtischgespräch im Café Mühleisen an der Kasernenstrasse 1 in Liestal. Diskutiert wird heute über die Rolle Liestals bei einer allfälligen Fusion. Den Kaffe gibt es zum halben Preis.

Stadtrat Peter Rohrbach selbst sieht in der Begegnungszone im Bereich der Büchelistrasse noch «Optimierungsmöglichkeiten». Noch immer führen 90 Prozent der Fahrzeuge über die Büchelistrasse statt wie vorgesehen über die Kasinostrasse und den Nonnenbodenweg. «Aber Umleitungen brauchen Zeit, bis sie akzeptiert werden», meint Rohrbach.

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