Abstimmung vom 5. Juni
Lehrer zweifeln an Sammelfächern

In einer Umfrage des Kantons äusserten sich Seklehrer zum Lehrplan 21 und zu den Sammelfächern, über die am 5. Juni abgestimmt wird. Im Hinblick darauf bereitet die bz die Ende April publizierten Resultate nochmals grafisch auf.

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Viele Lehrer sind Sammelfächern gegenüber kritisch.

Viele Lehrer sind Sammelfächern gegenüber kritisch.

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Ein Grossteil der Lehrer steht der Einführung von Sammelfächern kritisch gegenüber. Das ist eines von vielen im April publizierten Resultaten, das aus einer Befragung der kantonalen Bildungsverwaltung hervorgeht. Angesichts der bevorstehenden Abstimmungen bereitet die bz die Resultate nochmals auf. Denn in der Umfrage ging es zwar um allgemein wichtige Themen im Bildungswesen. Davon betroffen sind automatisch auch die Vorlagen, die am 5. Juni zur Abstimmung kommen.

Dazu gehört etwa die Einführung von sogenannten Fächerverbünden, dessen Einführung der Lehrplan 21 vorsieht. Die Vorlage "Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer" möchte jedoch im Bildungsgesetz festschreiben, dass an den Sekundarschulen die Fächer Geschichte, Geografie, Physik, Biologie, Chemie, Hauswirtschaft und Wirtschaft als Einzelfächer unterrichtet und benotet werden. Dies könnte im Sinn der Lehrer der Sekundarstufe I liegen, wenn man die Resultate der Befragung der Bildungsverwaltung betrachtet. Darin äussern sich im Durchschnitt 39,4 Prozent von ihnen negativ zu den Sammelfächern. Sie sind überzeugt, bei der Einführung überwiegen die Risiken. Mehr Chancen sehen darin durchschnittlich 26,6 Prozent. 34 Prozent äussern sich indifferent.

Befragt wurden die Lehrer separat zu jedem geplanten Sammelfach. Dies sind: «Natur und Technik» (NaTech) mit Biologie, Chemie und Physik, «Räume, Zeiten, Gesellschaften» (RZG) mit Geschichte und Geografie, «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt» (WAH) mit Wirtschaft und Hauswirtschaft sowie «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» (ERG). Überwiegend positiv äussern sich die Lehrer nur zu Letzterem. Das heisst, ohne ERG einzubeziehen, glauben durchschnittlich sogar nur 20 Prozent an die Chancen der Sammelfächer, während 47,5 Prozent mehrheitlich Risiken sehen.

Deutlicher fallen die Resultate aus, wenn nur die Aussagen der jeweiligen Fachlehrpersonen berücksichtigt werden. Beim Sammelfach NaTech etwa sehen dann über die Hälfte der Fachlehrpersonen mehr Risiken, während nicht einmal ein Drittel von ihnen glaubt, dass die Chancen überwiegen.

Risiken sehen die Lehrer gemäss der Umfrage vor allem in der (noch) fehlenden Ausbildung der Lehrer und in der Lektionenreduktion beim Sammelfach RZG. Weiter sehen sie die Gefahr, dass das Fachwissen der einzelnen Fächer im Verbund nur oberflächlich vermittelt wird. Als Chancen nennen die befragten Lehrer unter anderem, dass die Sammelfächer vernetztes Denken fördert und besser auf die Zusammenhänge der modernen Welt vorbereitet. Der Fächerverbund WAH bereite zudem umfassend auf eine selbständige Lebensführung vor.

Kritik auch an Kompetenzvorgaben

Eher kritisch äussern sich die befragten Lehrer der Skundarstufe I in der Umfrage des Kantons auch darüber, dass sich der Lehrplan 21 vermehrt an Kompetenzen statt an konkreten Inhalten und Themen orientiert. 35 Prozent von ihnen glauben, dass dies mehr Risiken als Chancen birgt. Für 23,5 Prozent überwiegen die Risiken. Der grösste Teil der Befragten äusserte sich mit 41,5 Prozent allerdings indifferent: 23,6 Prozent von ihnen glauben, Risiken und Chancen halten sich die Waage, 17,9 Prozent gaben keine Einschätzung ab.

Die Vorlage "Einführung Lehrplan 21", die am 5. Juni zur Abstimmung kommt, hat nicht den konkreten Inhalt des Lehrplans zum Thema. Stattdessen geht es darum, wer die Kompetenz haben sollte, den Lehrplan abzusegnen. Die Orientierung an den Kompetenzen im Lehrplan 21 ist allerdings ein Punkt, den die Urheber der Initiative immer wieder ankreiden.

Am vorgesehenen Lehrplan für die Sek I kritisierten die befragten Lehrer vor allem, dass dieser viel zu umfangreich sowie ungenau formuliert und schwer verständlich sei. Die Kompetenzanforderungen für Schüler seien zudem zu komplex. Positiv merkten Lehrer an, dass es zum ersten Mal einen Lehrplan gebe, der von Kindergarten bis Sek I zusammenhängend und logisch aufgebaut sei. Gesagt wurde auch, dass es sich um einen längst fälligen Innovationsschritt für die Volksschule handle.

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