Kantonsspital Baselland
Lehre aus der Coronakrise: Behält das Bruderholzspital seine Intensivbetten?

Im Rahmen der bereits abgesegneten Strategie «Fokus» sollen am Standort Bruderholz des Kantonsspitals eigentlich die Intensivpflegebetten abgebaut werden. Die Coronakrise lässt nun den CEO Norbert Schnitzler zweifeln. Baselland stehe in Sachen IPS-Kapazitäten sowieso schon schlecht da.

Michael Nittnaus
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Der Standort Bruderholz soll sich laut der neuen Strategie auf Orthopädie, Rehabilitation, Altersmedizin, Schmerztherapie und einen 24-Stunden-Notfall konzentrieren.

Der Standort Bruderholz soll sich laut der neuen Strategie auf Orthopädie, Rehabilitation, Altersmedizin, Schmerztherapie und einen 24-Stunden-Notfall konzentrieren.

bz

Als einer der wichtigsten Gradmesser, wie gefährlich die Coronapandemie wirklich ist, gilt die Auslastung der Spitäler. Entscheidend ist vor allem, dass genug intensivmedizinische Betten zur Verfügung stehen. Hier steht Baselland nicht gut da. Im Normalbetrieb gibt es am Kantonsspital Baselland (KSBL) 16 Betten auf der Intensivpflegestation (IPS), die Hälfte davon mit Beatmungsmöglichkeit. Zehn stehen in Liestal, sechs auf dem Bruderholz. Im schweizweiten Vergleich bieten nur Appenzell Innerrhoden und Obwalden weniger pro 100'000 Einwohner. Dies aber auch nur, weil sie als einzige Kantone ganz auf IPS-Plätze verzichten.

Und die Situation könnte sich noch verschärfen. Dies hält KSBL-CEO Norbert Schnitzler im Gespräch mit der bz fest: «In unserer Strategie ‹Fokus› steht eigentlich, dass wir die IPS auf dem Bruderholz in den kommenden Jahren in eine Intermediate Care Unit umwandeln. Diese wäre zwischen Normal- und Intensivpflege angesiedelt. Ich denke, man muss nun nochmals hinterfragen, ob wir das wirklich wollen.»

Laut Schnitzler wäre es im Frühling «sehr schwierig» geworden, hätte man die Strategie da bereits umgesetzt gehabt. Er plädiert dafür, sich besser auf ein Worst-Case-Szenario einzustellen: «Schönes Wetter ist schön, doch sind wir wirklich auch in Zukunft vorbereitet auf eine Pandemie ähnlichen Ausmasses? Unserer Transformationsstrategie folgend wären wir dies in drei bis vier Jahren nicht mehr.»

Beide Basel gleisen Pandemieplanung auf

Stellt das KSBL wegen der Erfahrungen mit der Coronakrise also tatsächlich die vor einem Jahr von Regierung und Landrat abgesegnete und behutsam austarierte Strategie «Fokus» auf den Kopf? Diese sieht vor, dass sich der Standort Bruderholz auf Orthopädie, Rehabilitation, Altersmedizin, Schmerztherapie und einen 24-Stunden-Notfall konzentriert. Eine Intensivstation gäbe es nur noch in Liestal.

Entschieden ist noch nichts. Schnitzler betont, dass auch ein IPS-Ausbau in Liestal denkbar wäre und dass man diese Überlegungen zusammen mit Baselland und Basel-Stadt machen müsse, die seit der ersten Welle bei der Planung der IPS-Kapazitäten zusammenspannen. Er hält aber deutlich fest: «Wir müssen nochmals anschauen, wie wir für zukünftige Notsituationen aufgestellt sind.»

Ich gehe davon aus, dass der Kanton wegen der Coronakrise nochmals über die Bücher geht.

(Quelle: Christof Hiltmann, Präsident der landrätlichen Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission)

Das unterstützt auch Christof Hiltmann: «Ich gehe davon aus, dass der Kanton wegen der Coronakrise nochmals über die Bücher geht, wie resistent die KSBL-Strategie ‹Fokus› im Pandemiefall wirklich ist», sagt der Präsident der landrätlichen Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission. Er sieht in erster Linie die Kantone als Leistungsbesteller in der Pflicht und erwartet, dass beide Basel gemeinsam eine Lösung erarbeiten. Diese müsse flexibel sein und den raschen Aufbau von IPS-Betten ermöglichen.

Die Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion möchte sich nicht zu «Fokus» äussern, verweist aber darauf, dass eine bikantonale Pandemieplanung vorgesehen sei, in die auch die Frage der IPS-Kapazitäten einfliesse.