Muttenz
Kriselnde Beziehung: Wer zahlt, dass der Hardwald in Schuss bleibt?

Die Bürgergemeinde Basel verlangt von der Einwohnergemeinde Muttenz mehr Geld für ihre Leistungen im Hardwald. Muttenz wehrt sich dagegen.

Tobias Gfeller
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Bojan Stula

Seit den Schäden und der darauffolgenden Waldsperrung infolge des Hitzesommers 2018 führen die Einwohnergemeinde Muttenz und die Bürgergemeinde Basel als Waldbesitzerin Gespräche über finanzielle Endgeltungen für den Hardwald. Für die akuten Schäden konnten zwar «pragmatische Lösungen» gefunden werden, doch langfristig besteht in der finanziellen Abgeltung der Leistungen der Bürgergemeinde grosse Uneinigkeit.

Dabei geht es vor allem um den Wald als Erholungsraum für Freizeitgestaltungen mit Wander- und Fusswegen, Feuerstellen, Sitzbänken, Finnenbahn und Vita-Parcours. Die Kosten dafür und zum Beispiel auch für die Abfallentsorgung sind in den letzten Jahren markant gewachsen.

Die Bürgergemeinde, die mit ihren Leistungen dafür besorgt ist, dass der Hardwald die von der Bevölkerung gewünschte Qualität auch garantiert, möchte vor allem mit Muttenz eine langfristige vertragliche Vereinbarung, da der Hardwald nahezu vollständig auf dem Muttenzer Bann liegt. «Deshalb ist die Einwohnergemeinde Muttenz für uns die erste und primäre Ansprechpartnerin», erklärt Daniel Müller, Direktor der Zentralen Dienste der Bürgergemeinde Basel.

Hardwald für Muttenz weniger attraktiv

Doch für den Muttenzer Gemeinderat greift diese Rechnung zu kurz. «Der Flächenanteil ist nur einer von mehreren Kriterien», gibt die für Umwelt und Sicherheit zuständige Gemeinderätin Doris Rutishauser (FDP) zu bedenken. Der Hardwald werde vor allem von Menschen aus der Stadt und aus Birsfelden genutzt. «Die Muttenzer Bevölkerung orientiert sich mehr in Richtung Süden zur Rütihard», betont Rutishauser. Aufgrund des Rangierbahnhofs und der Autobahn zwischen Siedlungs- und Waldgebiet sei der Hardwald für den Grossteil der Muttenzer Bevölkerung weniger attraktiv.

Nur für das Freulerquartier, das sich zwar auf der anderen Seite der Gleise und der Autobahn befindet, aber zu Muttenz gehört, sei der Hardwald von grösserer Bedeutung. Am Ende müsse der Gemeinderat der Bevölkerung erklären können, wofür und weshalb er das Geld ausgibt. «Und da spielt auch eine wichtige Rolle, wer wie stark den Wald nutzt», so Rutishauser.

Gemäss kantonalem Waldgesetz ist klar, dass die Einwohnergemeinden für die Leistungen der Waldeigentümer bezahlen müssen. Aufgrund der Formulierung «angemessene Beiträge für besondere Leistungen» bleibt aber viel Raum für Diskussionen und Uneinigkeiten. «Die Gesprächsatmosphäre ist grundsätzlich angenehm und der gegenseitige Umgang wertschätzend», betont Daniel Müller. Es werde aber auch hart verhandelt.

Bürgergemeinde könnte Leistungen einstellen

Das Amt für Wald beider Basel fungiert als Vermittlungspartei. Guido Bader, als Forstkreisingenieur zuständig für die Wälder im Raum Basel, anerkennt die spezielle Situation beim Hardwald mit mehreren involvierten Parteien, fordert diese aber dazu auf, aufeinander zuzugehen. Er betont aber klar, dass sich Muttenz als zuständige Einwohnergemeinde ihrer Bestellerrolle klar werden muss.

«Es wäre vielleicht einfacher, wenn der Muttenzer Gemeinderat sagen würde, er wolle all diese Erholungsleistungen nicht mehr, wenn sie ihm nicht wichtig sind. Dann hat die Bürgergemeinde eine klare Ausgangslage und kann entscheiden, wie sie damit umgehen will.» Im Umkehrschluss könnte dies heissen, so Bader, dass sie all die Leistungen nicht mehr anbietet.

Das «Waldhaus» muss vorübergehend schliessen

Nach vierzig Jahren hört Gilbert Stähli als Wirt des Restaurants Waldhaus per Ende 2020 auf. Die Bürgergemeinde Basel als Eigentümerin des Traditionslokals im Hardwald hat die Absicht, den Wechsel für eine umfassende Sanierung zu nutzen. In welchem Rahmen, entscheidet der Bürgerrat noch in diesem Jahr. Bis dann soll auch die Nachfolge von Stähli geklärt sein. Die Bürgergemeinde hofft, dass nach einer vorübergehenden Schliessung bereits im kommenden Sommer im Sinne einer ersten Etappe draussen etwas angeboten werden kann.

Der Charakter des «Waldhauses» soll erhalten bleiben, verriet Daniel Müller dem «Muttenzer Anzeiger». Das Zvieri für den Spaziergänger, das gediegene Abendessen und die grosse Gesellschaft sollen weiterhin bedient werden. Wie weit die Pächtersuche fortgeschritten ist, kann Daniel Müller nicht offenlegen. Er lässt allerdings durchblicken, bereits mit «gestandenen Persönlichkeiten aus der Basler Gastrobranche» in engen Verhandlungen zu sein. (tgf)