Kriminalität
So will die Polizei die Stadt Basel wieder sicherer machen

Nirgends in der Schweiz gibt es so viel Gewalt wie in Basel. Die Kantonspolizei präsentiert nun ihr Konzept, um die Stadt wieder sicherer zu machen – und blickt auf einen turbulenten Sommer zurück.

Julian Förnbacher
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In Basel kommt es verglichen mit anderen Schweizer Städten zu den meisten Gewaltstraftaten.

In Basel kommt es verglichen mit anderen Schweizer Städten zu den meisten Gewaltstraftaten.

Symbolbild: Kenneth Nars

Basel ist die gefährlichste Stadt der Schweiz. 13,1 Gewaltstraftaten kommen auf 1000 Einwohner: trauriger Spitzenwert unter den grossen Schweizer Städten. Im ersten Halbjahr 2021 stieg die Gesamtkriminalität um knapp 11% an, Tötungen und Vergewaltigungen gar um 40%, wie die Staatsanwaltschaft im August mitteilte. Erst am Dienstag ereignete sich an der Klybeckstrasse wieder eine Messerstecherei.

Auch beim Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) weiss man um diese Tatsachen. Entsprechend habe man in den vergangenen Monaten und Jahren einiges hinterfragt und neu gedacht – um nun einen integralen Ansatz in der Gewaltbekämpfung vorzustellen, der dieser sowohl auf der strategischen als auch auf der operativen und politischen Ebene gerecht werden soll.

«Basel muss objektiv aber auch in der Wahrnehmung eine sichere Stadt sein. Es ist der Anspruch, dass jeder sich in der Stadt sicher fühlen kann»,

sagt Regierungsrätin und JSD-Vorsteherin Stephanie Eymann im Zuge der Medienkonferenz, an der sie gemeinsam mit Martin Roth, Lior Aubert und Werner Hauser von der Kantonspolizei die Strategie der Basler Gewaltbekämpfung vorstellt.

Wissenschaft als Schlüssel zum Erfolg

«Politisch und medial meint man oft, es gebe einfache Lösungen. Es braucht jedoch vielmehr eine grundlegende, umfassende und mehrperspektivische Inangriffnahme des Gewaltphänomens», sagt Aubert, der einen wesentlichen Pfeiler des integralen Wegs vorstellt: Das Fachreferat.

Die 2018 ins Leben gerufene Abteilung setzt sich zum Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse aus diversen Fachgebieten in die Polizeipraxis einfliessen zu lassen – um diese so weiterzuentwickeln. «Wir wollen eine Mischung aus Prävention und Repression praktizieren. Das sind zunächst grosse Begriffe. Wir wollen hier ansetzen und den wissenschaftlichen Floor betreten, um genauer zu erforschen, wann, wie, wo und warum Gewalt entsteht. Hier können wir einen grossen Schritt vorwärts machen», erklärt Eymann.

Ein Sommer im Zeichen der Prävention

Doch die Kantonspolizei brachte die vergangenen Monate nicht nur damit zu, das Gewaltphänomen zu erforschen. In einer koordinierten Schwerpunktaktion stand, wie schon im Vorjahr, vom 2. Juli bis zum 29. August ein Einsatzzug mit 38 Polizeikräften pro Tag im Einsatz – dies zu den Gewalt-Stosszeiten in den Wochenendnächten und in drei definierten Einsatzräumen am Rheinufer, am Birsköpfli und zwischen Badischem Bahnhof und Bahnhof SBB. In 18 Nächten wurden in Zusammenarbeit mit Polizeibehörden und NGOs aus dem In- und Ausland über 800 Personen kontrolliert und angesprochen, sowie 83 Mahnungen wegen Lärm und 7 befristete Platzverweise ausgesprochen. Die Einsätze der regulären Polizei in diesem Zeitraum sind nicht miteingerechnet.

Die Polizei markierte an den Hotspots – oft zu Fuss – Präsenz und ging proaktiv auf junge Menschen zu, um gegenseitiges Verständnis zu schaffen. «Die Leute kamen oft gar auf uns zu und haben das Gespräch gesucht. Wir konnten Rädelsführer identifizieren, sie kennen lernen und mit Namen ansprechen bei drohenden Eskalationen. Dies entpuppte sich Erfolgsfaktor, auf dem wir weiter aufbauen wollen», erklärt Einsatzzugs-Leiter Hauser. Besonders erfolgreich sei es gewesen, mögliche Unruhestifter, wovon viele aus dem Ausland anreisten, noch in nüchternem Zustand anzusprechen – der Bahnhof SBB als Ankunftsort habe sich als Standort für das Präventionsmobil bewährt.

Ob Prävention allein für eine Lösung im Basler Gewaltproblem sorgen kann, ist fraglich – wie auch Polizeikommandant Martin Roth unterstreicht: «Wenn wir mit präventiven Mitteln für Sicherheit sorgen können, ist das sicher besser. Doch Intervention findet immer statt, wenn sie nötig ist.»

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