Dittinger Flugtage
Kriegsvögel kreisen über dem Laufental

Drei Jahre nachdem ein tödlicher Unfall den Dittinger Flugtagen ein vorläufiges Ende bereitet hat, dröhnten am Wochenende wieder Motoren und Düsentriebwerke über dem kleinen Flugfeld im Laufental. Der Sonntag war wohl der erfolgreichste in der Geschichte der Flugschau.

Peter Walthard
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Ganz ohne die Erinnerung ging es nicht. Ausgerechnet beim Sponsoren-Apero, als doch fröhliche Stimmung herrschen sollte, befiel sie Urs Winkelmann. «Ganz kurz kam das alles wieder hoch», sagt der Medienverantwortliche der Dittinger Flugtage 2018. Vor drei Jahren stiessen um diese Zeit über Dittingen zwei Maschinen zusammen. Ein Pilot kam ums Leben.
Unumstritten war die Wiederaufnahme der Flugtage deshalb nicht. Und wie es weitergehen soll, ist auch am Tag nach dem erfolgreichen Comeback nicht klar.

«Wir bleiben in engem Kontakt mit der Begleitgruppe», sagt Winkelmann. Dass die kritischen Stimmen nun plötzlich verstummt seien, nimmt er nicht an. Und doch: Als der Flugbetrieb gegen 17.00 Uhr in seine letzte Phase geht und die Propellermaschinen unter dem Winken der Zuschauer in den Abendhimmel starten, um nach Hause zu fliegen, merkt man ihm die Erleichterung an. Denn die umstrittenste Ausgabe der Dittinger Flugtage war auch die erfolgreichste. Auf rund 10'000 schätzen die Organisatoren die Zahl der Besucher am Sonntag, ein Rekord. Und selbst am kühlen und verregneten Samstag hatten sich rund 3000 Flugbegeisterte eingefunden.

Impressionen der Dittinger Flugtage 2018.
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Impressionen der Dittinger Flugtage 2018.

Juri Junkov

Unkompliziert und friedlich

Sie lockte neben dem hochkarätigen Programm, dessen Höhepunkt ein Auftritt der F/A 18 «Hornet» der Schweizer Luftwaffe war, auch die Stimmung der Flugtage: Unkompliziert und friedlich geht es hier zu und her. Etwas mehr vielleicht als auf anderen Flugschauen, die nicht auf einem so idyllisch gelegenen, grünen Segelflugplatz stattfinden. Die Gäste waren aus Deutschland und der ganzen Schweiz angereist, einige waren mit ihren Klappstühlen bereits am frühen Morgen am Rollfeld zu sehen. Unter den Besuchern befanden sich auffallend viele Familien mit Kindern.

Der tragischer Absturz

Kurz nachdem am 23. August 2015 die damalige OK-Präsidentin Regina Weibel zur Eröffnungsrede angesetzt hatte, kam es zum schlimmsten Flugunfall, den die Dittinger Flugtage je erlebt hatten: Zwei Ultraleicht-Flugzeuge des Typs C-42B kollidierten mit tödlichen Folgen. Das mittlere Flugzeug der Dreierformation der deutschen Ecolights-Staffel GrassHoppers aus Eschbach bei Freiburg (D) stiess mit seiner Nase von unten in das Heck des Leaders und brachte diesen und sich zum Absturz. Während der erste Pilot sein Ultraleicht-Flugzeug mit dem Fallschirm zur Bruchlandung bringen konnte und unverletzt betreut werden musste, stürzte der zweite, 50-jährige Pilot in einen unbewohnten Holzschopf und verstarb auf der Unfallstelle. Der dritte Pilot konnte sicher landen. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat den Schlussbericht über den tödlichen Unfall noch immer nicht veröffentlicht.

Damit für ihre Sicherheit gesorgt war, hatten sich die Organisatoren strengste Regeln verordnet. Geflogen werden durfte nur noch entlang einer markierten Vorführungsachse, sodass bei einem Crash weder Zuschauer noch die Bewohner der umliegenden Dörfer in Mitleidenschaft gezogen worden wären. Der Betrieb nach verschärften Sicherheitsregeln habe gut funktioniert, meint Winkelmann zufrieden. Die Piloten hätten sich ausnahmslos an die vorgeschriebene Flugschneise gehalten.

Legenden der Luftkämpfe

Während für die lokale Bevölkerung die in der Nordwestschweiz nur selten am Himmel zu sehende F/A-18 die Hauptattraktion war, kamen viele von weither angereiste Aviatikfans wegen den «Warbirds» der älteren Generation: Mit Grumman TBF Avenger, Mustang P-51 und Jakovlev Jak-9 hatten dieses Jahr die Legenden der Luftkämpfe des zweiten Weltkriegs ihren Auftritt über Dittingen. Der weite Blick in die Landschaft verschaffte dem unheimlichen Dröhnen der Motoren zusätzliche Geltung. Doch von Kriegsromantik war in Dittingen wenig zu spüren: Neben den Warbirds hatten die Organisatoren auch stillere Vorführungen im Programm, etwa die Segelkunstfluggruppe Blanix. Zu romantischen Klängen malten die Gleiter Herzen aus Rauch in den Himmel, und für einen Moment wurde es ganz ruhig im Publikum.

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